Gericht

Strafe für einen Unruhestifter

Angeklagter ignorierte Hausverbot.

Von Heike Karsten

Schon im Juni dieses Jahres stand ein 39-jähriger Radevormwalder als Angeklagter vor Gericht. Ihm wurden Beleidigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch vorgeworfen. Damals vertagte der Richter am Wipperfürther Amtsgericht die Verhandlung, um noch weitere Zeugen zu laden. Nun kam die Verhandlung gegen den 39-Jährigen zu einem Abschluss. Er wurde zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro (100 Tagessätze à zehn Euro) verurteilt.

Der südeuropäische Staatsangehörige hatte im November 2021 eine Radevormwalder Postfiliale betreten, ohne die zu dieser Zeit geltende Maskenpflicht zu beachten. Nach einer hitzigen Debatte habe der Inhaber des Ladens ihm daraufhin noch am selben Tag ein schriftliches Hausverbot erteilt. „Das wurde auch am nächsten Tag zugestellt“, sagte der Einzelhandelskaufmann als Zeuge aus und belegte die Zustellung durch die Post.

Eine Nachbarin drohteer „abzustechen“

Am Folgetag hatte der Angeklagte die Filiale aber erneut aufgesucht, um sich über das Hausverbot zu beschweren. „Er hat sich extrem unangenehm verhalten und kam sehr aufbrausend auf mich zu“, berichtete der 52-jährige Zeuge. Der Angeklagte lenkte während der Verhandlung ein: „Er hat direkt wütend reagiert. Dabei hätte er mir den Stift, den ich kaufen wollte, ruhig geben können.“

Unter diesem aufbrausenden Verhalten haben offensichtlich auch die Nachbarn des Angeklagten zu leiden. Von nächtlichen Ruhestörungen und Möbelrücken sowie heftigen Beleidigungen war die Rede. Eine Nachbarin, die ebenfalls als Zeugin geladen war, war darüber hinaus von dem Angeklagten bedroht worden. „Im Januar fing es gegen 3.30 Uhr im Keller plötzlich an zu rumoren. Ich bin dann in den Keller gegangen, habe ihn angesprochen und wollte die Polizei rufen“, sagte die 59-jährige Radevormwalderin.

Darauf sei der Angeklagte sofort ausgeflippt und habe gedroht, sie abzustechen. „Das hat mich geschockt. Seitdem versuche ich, ihm aus dem Weg zu gehen“, sagte sie. „Ich wollte nur eine Wand sanieren“, erklärte der Angeklagte sein nächtliches, lautes Wirken im Keller.

Das unangemessene Verhalten legte der 39-Jährige auch während der Verhandlung am Amtsgericht an den Tag. Immer wieder fiel er dem Richter ins Wort und antwortete nicht richtig auf dessen Fragen. „Ich habe nicht ‚abstechen‘ sondern ‚bestechen‘ gesagt“, war zum Beispiel eine seiner Aussagen.

Sechs Vorstrafen hatte der Angeklagte bereits auf seinem Konto, unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein, Beleidigung und Körperverletzung. Ein früheres Medizinisch-Psychologisches Gutachten bescheinigte dem Angeklagten eine fehlende Einsichtsfähigkeit. Der Richter ging jetzt sogar von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Teilweise konnte man wohl anzweifeln, dass der Angeklagte den Ausführungen des Richters und des Staatsanwalts überhaupt folgen konnte.

„Ich bitte darum, die Tagessätze zu erlöschen“, sagte der verurteilte Sozialhilfeempfänger. Der Richter bot ihm an, die 1000-Euro-Geldstrafe ersatzweise abzuarbeiten.

„Halten Sie sich an das Hausverbot und gehen Sie ihren Nachbarn aus dem Weg“, gab der Richter ihm am Ende der Verhandlung noch mit auf den Weg.

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