Kirchen

Spaziergang enthüllt die Eigenarten der Rader Orgeln

In der Kirche der Martini-Gemeinde an der Uelfestraße konnten die Teilnehmer des Orgel-Spaziergangs mit auf die Empore.
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In der Kirche der Martini-Gemeinde an der Uelfestraße konnten die Teilnehmer des Orgel-Spaziergangs mit auf die Empore.

Kantorin Angelika Kozinowski-Werler und Pastor Roland Johannes besuchten mit 35 Teilnehmern die vier Kirchen in der Innenstadt

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Die eine erklingt mit Wucht, die andere kann eine Schalmei nachahmen. Orgel ist nicht gleich Orgel. Bei einem Orgelspaziergang zu den vier Kirchen in der Rader Innenstadt zum „Tag der Orgel“ am Sonntag entdeckten 35 Teilnehmer und Teilnehmerinnen das große Spektrum des Instruments.

Kantorin Angelika Kozinowski-Werler an der Orgel der lutherischen Kirche an der Burgstraße. Hier steht ein Instrument der Firma Schuke, mit einem barockausgestatteten Klangbild.

Dazu eingeladen hatten Angelika Kozinowski-Werler, Kantorin der lutherischen Gemeinde, und Pastor Roland Johannes von der Martini-Gemeinde (SELK). Sie freuten sich, dass sich so viele an Orgelmusik Interessierte einfanden. Die Idee hatte Angelika Kozinowski-Werler, in Pastor Johannes hatte sie sofort einen Gleichgesinnten gefunden. Er sei ein Orgelfan durch und durch, bekannte er. Dass er sie auch vortrefflich spielen kann, bewies er später noch.

Die erste Kirche auf dem Weg war die der Lutheraner an der Burgstraße, der „Hauskirche“ von Kantorin Angelika Kozinowski-Werler. Zum ersten Mal erklang ein „Adagio“ des Komponisten Alexander Guilmant, das sie fortan als roten Faden auf allen Orgeln vortrug. „Die Register der Orgel sind wie Farben eines Farbkastens, sie werden gemischt und geben jeder Orgel ihre eigene Klangfarbe“, sagte sie.

Im lutherischen Gotteshaus steht ein Instrument der Firma Schuke, mit einem barockausgestatteten Klangbild: hell und klar. Die Orgel ersetzte 1980 die sanierungsbedürftige alte und wurde in den vorhandenen Orgelaufbau vorne in der Kirche perfekt eingebaut. „Eine Besonderheit sitzt hier in den Zungenregistern. Sie ahmen neben Fagott und Oboe auch einen Schalmeiklang nach“, erklärte die Kantorin.

Die Orgel in der reformierten Kirche am Markt ist die älteste aller Radevormwalder Orgeln in den Kirchen der Innenstadt.

Weiter ging es zur reformierten Kirche am Markt. „Immer der Note nach“, sagte Pastor Roland Johannes und hielt eine große schwarze Holznote hoch. Dort angekommen, ließ Angelika Kozinowski-Werler zunächst zwei Orgelpfeifen umhergehen, die jeder einmal in die Hand nehmen durfte. In der Kirche steht die älteste Orgel in Radevormwald. Eine Roetzel-Orgel, erbaut im Jahr 1826. „1993 ließ sie die reformierte Gemeinde umfassend restaurieren“, erklärte die Kantorin.

Ihr Klangbild ist das einer früh-romantischen Orgel. Akzentuiert sind Streicher- und Flötenklänge. Auch hier steht die Orgel im vorderen Bereich, zieht den Blick mit dem Eintritt auf sich. Anders als in der katholischen Kirche St. Marien an der Bischof-Bornewasser-Straße und der Kirche der Martinigemeinde an der Uelfestraße, wo die Orgel ihren Platz auf den Emporen gegenüber der Altarräume hat.

Pastor Roland Johannes und Kantorin Angelika Kozinowski-Werler an der Seifert-Orgel in St. Marien.

In St. Marien lauschte die Gruppe den Klängen einer Seifert-Orgel. Eine moderne Orgel aus dem Jahr 2000, die „einen französischen Akzent“ spreche, so Pastor Johannes. Das heißt, die Orgel kommt mit viel Power daher. „Jede Orgelanschaffung orientiert sich an der Liturgie“, erklärte der Pastor.

Stehe der Gesang im Vordergrund, nimmt sich die Orgel zurück. Stehe auch die Musik mit im Mittelpunkt, muss der Orgelklang voluminöser sein. Mit dem ersten Tastenanschlag war zu spüren, was Pastor Johannes damit meinte – die Register der Seifert-Orgel haben es in sich.

In der Martini-Gemeinde steht die jüngste der vier Rader Innenstadtorgeln. 2014 ersetzte die Beckerath-Orgel, gebaut in Hamburg, die alte Faust-Orgel. „Hier steht ein Alleskönner – sie hat den hanseatisch zurückhaltenden Klang, aber auch ihre romantische Seite“, umschrieb es Pastor Johannes.

„Alle Orgeln hintereinander zu hören, ist sehr interessant. Da merkt man erst richtig die Unterschiede“, so Juliane Dyes, die am Orgelspaziergang teilnahm. Dass man Querflöten mit den Orgeln so klangvoll nachahmen kann, sei ihr bisher noch nicht bewusst gewesen. Ein besonders Highlight gab es für die Gruppe noch zum Schluss. Kantorin Angelika Kozinowski-Werler nahm an der Beckerath-Orgel Platz, Pastor Johannes an einem Orgelpostiv im Altarraum – mehrstimmig erfüllte das „Aus meines Herzens Grunde“ die Martini-Kirche.

Hintergrund

Am Sonntag war der Tag der Orgel. Sie ist das größte Instrument, das ein Mensch alleine spielen kann und wird auch „Königin der Instrumente“ genannt. Im Jahr 2017 erklärte die Unesco der Orgelbau und die Orgelmusik zum immateriellen Kulturerbe. Es gibt auf der Welt keine zwei gleichen Orgeln, jede hat ihre eigenen Eigenarten.

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