Streng geschützte Tiere

Spaziergänger sichten Wölfe in Hönde

Sind die ersten Wölfe nun auch auf Radevormwalder Gebiet unterwegs? Davon gehen Fachleute aus. Foto: picture alliance/Bernd Thissen/dpa
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Sind die ersten Wölfe nun auch auf Radevormwalder Gebiet unterwegs? Davon gehen Fachleute aus.

Landwirte sind für wachsende Bedrohung der Nutztiere sensibilisiert.

Von Flora Treiber

Radevormwald. In dem Weiler Hönde in Radevormwald wurden im November Wölfe gesichtet. Diese Beobachtung haben Spaziergänger in diesem Winter an das Ordnungsamt und an die Hegegemeinschaft weitergegeben.

Claudia Möllney, die Pressesprecherin der Hegegemeinschaft, steht mit den Jagdpächtern aus Radevormwald im Dialog und hat sie über die Sichtung der Wölfe informiert. „Die Sichtung im November war die letzte Meldung, die bei uns eingetroffen ist. Darüber hinaus haben zwei Jagdpächter gerissene Rehe gemeldet, hinter denen auch Wölfe vermutet werden“, sagt Claudia Möllney.

Gerissene Rehe waren bis zur Hälfte aufgefressen

Auch sie hat ein Jagdrevier in Radevormwald. „Weil die gerissenen Rehe bis zur Hälfte aufgefressen wurden, gehen wir von Wölfen aus. Rehe können zwar auch von Hunden gerissen werden, aber das sieht dann anders aus“, sagt sie.

Die Meldungen der gerissenen Rehe stammen aus den Revieren Böhlefeldshaus und Hinüber. Seitdem Claudia Möllney in der Natur in Radevormwald als Jägerin unterwegs ist, hat sie keine Meldungen über Wölfe mitbekommen. Erst 2021 scheint der Wolf in Radevormwald angekommen zu sein, in diesem Jahr sind die ersten Sichtungen gemeldet worden.

„Wir vermuten, dass die Meldungen zu den Sichtungen und den gerissenen Rehen auf Wölfe zurückgehen, die durchs Land gezogen sind und sich nicht in Radevormwald niedergelassen haben“, erklärt sie.

Wenn die Wolfspopulation in Deutschland weiterhin so rasant steigt, rechnen Jäger und Landwirte damit, dass sich Rudel oder Einzelgänger auch in den Wäldern von Radevormwald niederlassen werden. „Nach einer aktuellen Schätzung leben zurzeit etwa 2000 Wölfe in Deutschland, und damit sind es mehr als in Schweden. Wenn sich die Population weiterhin so schnell vergrößert, werden Konflikte zwischen Wölfen und Landwirten aber auch Privatpersonen und Verkehrsteilnehmern entstehen“, sagt Claudia Möllney. Weil Deutschland, insbesondere Nordrhein-Westfalen dicht besiedelt ist, gehen die Jäger davon aus, dass Wölfe in Zukunft auch für Verkehrsunfälle sorgen werden.

Wölfe unterliegen nicht dem Jagdrecht und gehören zu den streng geschützten Tierarten in Deutschland. Wölfe zu töten, zu fangen oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören, ist verboten. Wölfe haben in Deutschland keine natürlichen Feinde – und sie sind bekannt für ihre Anpassungsfähigkeit. „Wölfe sind Habitatgeneralisten und können sich in allen Teilen Deutschlands niederlassen. In dem Lebensraum finden Wölfe immer genug zu fressen“, sagt Claudia Möllney.

Sie rät Menschen, die Wölfe sichten, sich ruhig zu verhalten und auf Abstand zu gehen. Hunde sollten bei einer Wolfssichtung an die Leine genommen werden. „Wenn die Wölfe bei der Konfrontation mit Menschen nicht das Weite suchen, sollte man laut in die Hände klatschen. Aber normalerweise sind Wölfe scheu“, sagt die Jägerin.

Ortslandwirt Holger Gesenberg hat bisher zwar noch keinen Wolf gesichtet, verfolgt die Verbreitung der wilden Tiere aber aufmerksam. Auch er rechnet langfristig damit, dass Landwirte ihre Nutztiere vor Wölfen schützen müssen. Nutztierrisse gibt es immer wieder. Schafe sind besonders gefährdet, aber auch Kühe und Rinder. Auch Pferde sind schon Wölfen zum Opfer gefallen.

„Die Landwirte in Radevormwald werden vorsichtiger. Selbst, wenn kein Tier gerissen wird, sondern die Herden nur aufgescheucht werden, hat das Auswirkungen auf den Betrieb“, sagt der Milchbauer aus Altendorf in Radevormwald.

„Frisch geborene Kälber mit ihren Muttertieren alleine auf ruhige Wiesen zu stellen, mache ich mittlerweile kaum noch. Sie wären eine leichte Beute für den Wolf.

Es gibt viele Landwirte im Oberbergischen Kreis, die mittlerweile ein ungutes Gefühl dabei haben, ihre Tiere nach draußen zu stellen“, sagt er. Die Landwirte in Radevormwald seien zwar noch nicht akut besorgt, aber für die wachsende Bedrohung ihrer Nutztiere sensibilisiert.

Hintergrund

Der Wolf (Canis lupus) ist das größte Raubtier aus der Familie der Hunde. Wölfe leben meist in Rudeln, bei denen es sich um Familienverbände handelt. Hauptbeute sind in den meisten Regionen mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war seit dem späten Pleistozän in mehreren Unterarten in ganz Europa, weiten Teilen Asiens, einschließlich der Arabischen Halbinsel und Japan, sowie in Nordamerika verbreitet.

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