Stadtarchiv

Spannende Einblicke in das Gedächtnis der Stadt

Archivarin Iris Kausemann (hinten) stellt in Kooperation mit der VHS das Rader Stadtarchiv vor, dieses Mal zum Thema Erster Weltkrieg.
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Archivarin Iris Kausemann (hinten) stellt in Kooperation mit der VHS das Rader Stadtarchiv vor, dieses Mal zum Thema Erster Weltkrieg.

Archivarin Iris Kausemann öffnete das Stadtarchiv.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Im Stadtarchiv der Bergstadt gibt es viele alte Schätzchen zu entdecken. Akten, Bilder, Zeitungsausgaben aus längst vergangenen Zeiten. Bereits zum dritten Mal luden am Donnerstagabend Stadtarchivarin Iris Kausemann und die Volkshochschule Radevormwald Interessierte in den Mehrzweckraum ins Bürgerhaus ein, um das Archiv, das „Gedächtnis der Stadt“, kennenzulernen.

„Elf Anmeldungen haben wir für heute Abend“, sagte Iris Kausemann. Das sei ganz gut. Zur der ersten Veranstaltung hatte sie noch 50 Teilnehmer begrüßt. „Doch die fand noch in der Vor-Corona-Zeit statt.“ Im Mittelpunkt des Abends stand der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918).

„Haben wir daraus gelernt - oder wiederholt sich alles wieder – unter anderen Vorzeichen?“, lautete die Fragestellung. Mit durchaus aktuellem Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Iris Kausemann gab zum Einstieg einen kurze Zusammenverfassung über den Kriegsbeginn im Jahre 1914, der durch das Attentat auf den österreichischen-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau ausgelöst wurde. Dann gab es Einblicke in örtliche Dokumente, die aus dem Leben in Radevormwald während des Ersten Weltkrieges erzählen.

In den Feldpostkarten spiegelt sich der damalige Zeitgeist wider.

Archivarin Iris Kausemann

Mitgebracht hatte die Archivarin das Sterbeurkundenregister der Stadt aus dem Jahre 1917 und dicke Ordner mit Ausgaben der „Radevormwalder Zeitung“ aus den Jahren 1914 und 1918. Anschaulich überliefert ein dickes gebundenes Postkartensammelbuch aus jener Zeit, wie der Krieg und Dienst fürs Vaterland verherrlichen wurden. Es wurde dem Archiv von Privat überlassen: „Für uns ist es eine unschätzbare Geschichtsquelle“, sagte Iris Kausemann.

Das Feldpostenkartensammelbuch dokumentiert die Glorifizierung des Krieges.

Die bunten, reich illustrierten Motive der Feldpostkarten waren damals populär, glorifizierten den Krieg. „Darin spiegelt sich der damalige Zeitgeist wider.“ Blanko-Karten befinden sich im Album, und auch welche, die von Soldaten an die Lieben nach Hause geschrieben wurden. Interesse fand bei den Teilnehmern am Abend auch eine Kopie der Karikatur „Weltkriegs-Doppelskat“, in der die Mächtigen um die Macht in der Welt mit Karten spielen.

Verwahrt wird im Rader Archiv auch eine alte Generalakte, vermerkt mit dem Zusatz „Geheimsache“. Sie beschäftigt sich mit Armenien, belegt, dass das Misstrauen gegen die Armenier schon weit vor deren Völkermord in den Kriegsjahren 1915/16 geschürt wurde – auch in einer Kleinstadt wie Radevormwald. Unter anderem wird darin vor „Vorträgen von Dr. Johannes Lepsius und Professor Thumajan gewarnt“, beide machten sich seinerzeit für Armenien stark.

„In erster Linie verwahrt das Stadtarchiv alles auf, was das kommunale Handeln dokumentiert“, erklärte Iris Kausemann am Abend. Ratsprotokolle und Akten, eben „alles was wer wie wann in der Kommune beschlossen wurde“. Dazu kommen dann noch weitere Überlieferungen wie Pläne, Zeitungen, DVDs und das Personenstandsregister – das sei im übrigen am meisten nachgefragt.

Rund 8000 Fotos sind darüber hinaus im Archiv gelagert. Für das Zugunglück 1971, die Rader „Spiel ohne Grenzen“-Teilnahme im Jahr 1970 sowie für die Städtepartnerschaften gibt es eigene Dossiers. In der Präsenzbibliothek des Archivs befinden sich noch weitere geschichtliche Dokumente. Dazu gehört ein Exemplar des Versailler Friedensvertrags von 1919, mit dem der Erste Weltkrieg endete. Auch das Buch hatte Iris Kausemann zum Treffen mitgebracht.

Unter den Besuchern befand sich Lutz Aldermann, ein passionierter Geschichtsfan. Er kennt das Archiv schon, recherchiert hier öfter. Erst vor kurzem hat er beim Bergischen Geschichtsverein Radevormwald über den Eiskeller am Kollenberg referiert. „Ich war schon bei der ersten VHS-Veranstaltung hier und freue mich auf einen weiteren Abend“, sagte er im Vorfeld.

Für eine andere Besucherin war die Teilnahme eine Premiere. „Ich interessiere mich sehr für Geschichte“, erklärte sie. „Da meine Familie aus Radevormwald kommt, finde ich da auch die örtliche Geschichte sehr spannend.“

Hintergrund

Vor der Corona-Pandemie veranstaltete Iris Kausemann auch Lesezirkel, die sich mit der altdeutschen Schrift geschäftigen. Denn viele alte Dokumente sind handschriftlich verfasst. Sie hofft, dass sie bald wieder auch Treffen anbieten kann. 2009 änderte sich mit dem Personenstandsgesetz die Einsicht in standesamtlich festgehaltene Urkunden. Die Benutzung der Personenstandsregister, insbesondere zu Forschungszwecken, wurde neu geregelt. Nach bestimmten Fristen ist diese heute – anders als früher – erlaubt.

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