So nutzen Kinder Medien richtig

Kinder, die zu viel daddeln, haben später deutliche kognitive Nachteile.
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Kinder, die zu viel daddeln, haben später deutliche kognitive Nachteile.

Interessanter und unterhaltsamer Elternabend im Bürgerhaus.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Wie funktioniert eigentlich das menschliche Gehirn? Wie lernen wir und wie wird Wissen überhaupt gespeichert? Diese und anderen Fragen gingen am Montagabend Eltern mit Hilfe der beiden Referenten Wilfried und Astrid Brüning auf die Spur. Und das auf eine ganz besondere Art und Weise.

Statt den Eltern, Erziehern und Pädagogen im Saal nach einem langen Arbeitsalltag einfach mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hirnforschung zu überfordern, hatte das Ehepaar einen unterhaltsamen Abend vorbereitet, der wirklich allen in Erinnerung bleiben sollte.

Unter dem Titel „Zwischen zwei Welten – Kinder im medialen Zeitalter“, führte Ehepaar Brüning die Anwesenden nahezu spielerisch und mittels eines Live-Experiments in die Thematik ein: Erst mal ging es den Referenten darum, deutlich zu machen, dass zum Lernen, zur neuronalen Entwicklung, möglichst alle Sinne angesprochen und genutzt werden sollten, denn nur aus einem „starken Netzwerk der Sinne“ entstehen „Schlaumacher“.

Für das Experiment holte sich das Paar einen Freiwilligen aus dem Publikum, der mit allen Sinnen eine Zitrone kennenlernen sollte: Tast-, Hör-, Geruchs- und Sehsinn, sowie Geschmack sollte der Freiwillige namens Lukas auf die Probe setzen. Dabei wurde er gefilmt.

Wer 10 Minuten daddelt, sollte 40 Minuten draußen spielen

Die Live-Aufnahmen wurden über eine große Leinwand übertragen, so dass wirklich jeder im Raum das Erlebnis von Lukas mitverfolgen konnte. Humorvoll leitete Wilfried Brüning durch den Versuchsaufbau. Am Ende stellte er dann die Frage: Wer hat mehr und besser gelernt? Lukas mit all seinen Sinnen oder die Zuschauer, die lediglich Seh- und Hörsinn einsetzen konnten, die Zitrone jedoch weder anfassen noch riechen oder schmecken konnten?

Die Antwort lag eigentlich schon auf der Hand, aber was aus dieser Erkenntnis folgen sollte, erstaunte die Eltern im Saal dann doch. Deutlich machten es die Referenten durch Expander, welche die Sinne und ihre Netzwerke darstellten.

Wer nur zwei Sinne nutze, wie bei der Nutzung von Medien, und demnach nur mit zwei Expandern dastehe, habe Schwierigkeiten, eine Zitrone als Symbol für Wissen in diesem spärlichen Netz zu halten. Mit fünf Expandern hingegen zeigte sich das Netz deutlich engmaschiger und dadurch wesentlich sicherer für die Zitrone, die nicht mehr hinunterfiel. „So ist es auch in unserem Kopf: Durch viele Erfahrungen und dem Einsatz vieler Sinne entsteht vernetztes Denken“, erklärt Brüning.

Die virtuelle Welt verteufelte das Referentenpaar zwar nicht, warnte allerdings davor, ihr zu viel Platz einzuräumen. Wichtig sei, wie alles im Leben, ein gesundes Gleichgewicht zu finden. Wer zehn Minuten vor dem Fernseher sitze, am PC, Tablet oder Smartphone daddele, müsse im Gegenzug 40 Minuten draußen spielen, um ein Gleichgewicht zu schaffen.

Wissenschaftlich sei seit über 20 Jahren klar, dass Kinder, die überwiegend virtuell unterwegs sind, bis zum ersten Schuljahr 35 Milliarden Neuronen geformt hätten, während Kinder, die überwiegend Erfahrungen in der realen Welt sammeln, über 70 Milliarden Neuronen anhäufen. „Diese Kinder, mit doppelt so vielen Neuronen, haben nicht nur mehr Grips in der Birne, sie sind auch Wacher und Interessierter und lernen viel leichter Neues.“

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