Politik

Sitzungen streamen – lohnt sich das?

So könnte eine Übertragung aus dem Saal des Bürgerhauses aussehen. Noch gibt es aber keine konkreten Pläne.
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So könnte eine Übertragung aus dem Saal des Bürgerhauses aussehen. Noch gibt es aber keine konkreten Pläne.

UWG hat bei dem Thema noch mal nachgehakt.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Übertragungen aus dem Bundestag oder den Landesparlamenten sind seit Jahren normal. Und auch die Sitzungen von Stadträten können inzwischen in vielen Städten von Bürgern bequem vom heimischen Sofa aus verfolgt werden. Die Nachbarstadt Wuppertal bietet beispielsweise bietet ein eigenes Rats-TV an, ebenso die Stadt Solingen.

In Radevormwald wird seit längerem über das Streaming der Ratssitzungen diskutiert, doch bislang ist das Thema noch nicht konkret geworden. Die Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) hakte in der vergangenen Ratssitzung noch einmal nach. Dabei zeigte sich, dass es nicht zuletzt um die Frage der Kosten geht. Rein technisch wäre eine Übertragung der Sitzungen, die ja per se öffentlich sind, kein Problem.

Simon Woywod, Beigeordneter der Stadt Radevormwald, erklärt auf Anfrage: „Wenn wir das als Stadt machen, dann sollte es auch professionell gemacht werden.“ Wackelige Bilder und rauschender Ton werden wohl kaum Bürger dazu bringen, sich die Sitzungen anzuschauen. „Außerdem müssten die Aufzeichnungen bearbeitet werden“, meint Woywod. Schließlich gebe es das Recht am eigenen Konterfei. Also müsse auch die rechtliche Frage geklärt werden, ob es Probleme geben könnte, wenn ein Zuhörer ohne Einverständnis gefilmt wird. Aus diesen Gründen wäre zumindest zu Beginn die Expertise eine Fachfirma nötig, und die gibt es nicht umsonst. So hatte die Verwaltung pro Sitzung mit rund 3000 Euro Kosten geschätzt. Da stellt sich die Frage, ob der Aufwand sich für möglicherweise nur wenige Nutzer lohnt.

Lutheraner wurden alsgutes Beispiel genannt

Bernd-Eric Hoffmann, Fraktionsvorsitzender der UWG, bezweifelt, dass die Kosten so hoch sein müssen. Er verweist auf die guten Erfahrungen, die etwa die Lutherische Kirchengemeinde mit den Übertragungen ihrer Gottesdienste gemacht hat.

In der Corona-Pandemie mussten sich auch die Kirchen etwas einfallen lassen, um für die Gläubigen zumindest digital das Gemeindeleben aufrecht zu erhalten. Nicht zuletzt dank dem Know-how junger Gemeindemitglieder konnten die Lutheraner dies meistern. „Ich habe mir das angeschaut, das ist sehr professionell“, berichtete Hoffmann in der Ratssitzung. Zwar hätte auch die Kirchengemeinde für das nötige Equipment eine größere Summe investieren müssen, doch geht Hoffmann davon aus, dass sich diese Investition rasch amortisieren würde. Es sei zudem die Frage, ob man die Übertragungen unbedingt visuell bringen müsse oder ob nicht eine Audio-Version reichen würde. Damit fiele auch das Problem der unabsichtlich gefilmten Anwesenden weg.

Für die Lutherische Gemeinde hat sich die Übertragung der Gottesdienste – die dann auch später angeschaut werden können – über die Bedingungen der Corona-Pandemie hinaus als Erfolg entpuppt. Mehr Menschen als sonst hätten auf diesem Weg an den Gottesdiensten teilgenommen.

In der bergischen Region bietet neben Wuppertal und Solingen auch die Stadt Leverkusen bereits den Service Rats-TV an, sowohl als Live-Stream als auch als Archiv, in dem auch später die Sitzungen einsehbar sind. Die Stadt hat das Urheberrecht an den Videodateien. Gefilmt wird mit drei Kameras, um den Sitzungsablauf abzubilden. Der Videostream kann auf beliebigen Endgeräten abgerufen werden.

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