Naturschutz

Seltenes „Tier des Jahres“ schläft auch in Rade

Vielerorts ist er schon verschwunden, doch in Radevormwald wurde 2019 das Vorkommen des Gartenschläfers bestätigt. Die Deutsche Wildttier-Stiftung will 2023 auf die Gefährdung des Nagers aufmerksam machen.
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Vielerorts ist er schon verschwunden, doch in Radevormwald wurde 2019 das Vorkommen des Gartenschläfers bestätigt. Die Deutsche Wildttier-Stiftung will 2023 auf die Gefährdung des Nagers aufmerksam machen.

Deutsche Wildtier-Stiftung würdigt 2023 den Gartenschläfer.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Von ganz groß zu ganz klein – die Deutsche Wildttier-Stiftung hatte für 2022 den Schweinswal zum „Tier des Jahres“ erklärt. Im kommenden Jahr wird es dagegen ein kleiner Nager sein: Der Gartenschläfer ist offizielles „Tier des Jahres 2023“.

Während der Siebenschläfer den meisten Menschen geläufig sein dürfte, ist der Gartenschläfer, sein Verwandter, vielen unbekannt. Tatsächlich ist die Art selten geworden. In Radevormwald finden die Tiere aber noch ein Zuhause – das beweist ein privates Foto aus dem August 2019, das im Zuge des Projekts „Meldestelle Gartenschläfer“ veröffentlicht wurde. Daran sind der Naturschutzverein BUND, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung beteiligt. Diese Aktion wurde sogar ausgezeichnet als „„Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“.

Wer auf die Internetseite meldestelle.gartenschlaefer.de klickt, kann sich auf einer Karte einen Überblick verschaffen, wo die Spezies in den vergangenen Jahren gesichtet wurde.

Die Radevormwalder können sich auf das Vorkommen des scheuen Nagers durchaus etwas einbilden, denn der Gartenschläfer wird auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt. Dabei ist er eigentlich ein genügsamer Zeitgenosse, der mit unterschiedlicher Nahrung zurecht kommt, er hält sich an Beeren ebenso wie an Insekten, Spinnen oder kleine Wirbeltieren.

Wie sein Name schon verrät, taucht der Gartenschläfer auch in der Nähe menschlicher Behausungen auf, meist hat er sein Versteck aber in Wäldern. Aktiv wird er meist erst mit Einbruch der Dunkelheit.

Wer das scheue Tier nicht zu Gesicht bekommt, hat allerdings gute Chancen ihn zu hören: Der kleine Nager macht in Sommernächten mit seinen lauten Rufen auf sich aufmerksam.

Seit Oktober liegen die Tierebereits im Winterschlaf

Wer in diesen Dezembertagen Ausschau nach Gartenschläfern hält, wird wenig Erfolg haben: Bereits im Oktober beginnen die Tiere nämlich mit dem Winterschlaf, der bis zum April dauert. Vorher haben sie sich eine dicke Fettschicht angefuttert.

Mancher würde den Gartenschläfer für eine größere Maus halten, doch er gehört zur Familie der Bilche, zu der auch der Siebenschläfer, die Haselmaus und der extrem selten gewordene Baumschläfer gehören.

Das Gesamtverbreitungsgebiet des Gartenschläfers habe sich in den vergangenen 30 Jahren um 50 Prozent verringert, teilt die Deutsche Wildtier-Stiftung mit: „Insbesondere im natürlichen Lebensraum des Gartenschläfers, dem Wald, ist der Bestand drastisch zurückgegangen, aus vielen Regionen ist die Art sogar verschwunden.“ Warum, das ist immer noch unklar. Klar ist allerdings, dass die heute verbreiteten Monokulturen aus Nadelbäumen dem Gartenschläfer nicht genug Deckung und Nahrung bieten.

Der Gartenschläfer ist der erste Nager seit 2017, der von der Deutschen Wildttier-Stiftung zum „Tier des Jahres“ gekürt wurde. Damals ging dieser Titel an die eng verwandte Haselmaus. Ein Jahr darauf, 2018, hatte die Stiftung die ebenfalls gefährdete Wildkatze zum „Tier des Jahres“ erklärt, 2019 war es das Reh, im Jahr 2021 der Fischotter. Das „Tier des Jahres“ wird seit 1992 gewählt.

Gartenschläfer

Lateinischer Name: Eliomys quercinus

Größe: Der Rumpf wird bis zu 170 mm groß, der Schwanz bis zu 150 Milimeter lang.

Kennzeichen: Auffallend ist die schwarze „Maske, die von der Schnauze über die Augen bis hinter die Ohren reicht. 

Vorkommen: In Südwesteuropa ist die Spezies noch häufiger zu finden, in Mittel- und Nordeuropa ist sie teilweise ausgestorben.

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