Ergebnis der Wahl

Sekundarschüler wollen keinen Namenspaten

Schulleiterin Sandra Pahl und Schulsprecherin Sophie Heldt (15), die auch ihren Wahlzettel abgegeben hat, an der Wahlurne. Überraschendes Ergebnis: Eine Mehrheit will keinen Namenspaten.
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Schulleiterin Sandra Pahl und Schulsprecherin Sophie Heldt (15), die auch ihren Wahlzettel abgegeben hat, an der Wahlurne. Überraschendes Ergebnis: Eine Mehrheit will keinen Namenspaten.

Überraschendes Ergebnis bei Wahl – Entscheidung fällt der Stadtrat am 23. Juni.

Von Cristina Segovia-Buendia

Radevormwald. Aufmerksam beobachtet Dejan Vujinovic, wie die Schüler nach und nach ihre gefalteten Wahlzettel in die Urne werfen. „Ich bin sozusagen als unabhängiger Wahlbeobachter heute hier“, sagt der Schulausschussvorsitzende amüsiert. Nach der misslungenen Namensgebung im ersten Anlauf freut er sich besonders, dass nun Schüler, Lehrer und Eltern eine Vorauswahl über den künftigen Namen der Sekundarschule treffen können, die dann im nächsten Schulausschuss beraten und abschließend im Rat entschieden wird. Die drei meistvotierten Namen kommen in die engere Auswahl.

Auf den vorbereiteten Wahlzetteln sind elf Vorschläge notiert: Astrid Lindgren, Elisabeth Selbert, Elly Heuss-Knapp, Emmy Noether, Graf-von-Berg, Hildegard Wegscheider, Johannes Rau, Mahatma Gandhi, Michael Ende, Oskar Schindler oder einfach Sekundarschule Radevormwald, gänzlich ohne Namenspate.

Im Herbst vergangenen Jahres konnten über ein Onlineportal anonyme Namensvorschläge eingereicht werden, erklärt Schulleiterin Sandra Pahl. Aussortiert wurden lebende Personen und Namen, die schon andere Schulen im näheren Umfeld haben.

„Ein Arbeitskreis aus Vertretern jeder Fraktion hat dann aus den 25 Namen, die übrig blieben, eine erste Vorauswahl getroffen, aus der nun Eltern, Schüler und Lehrer wählen“, erläutert Vujinovic. Vergangene Woche beschäftigten sich die Schüler noch intensiver mit den potenziellen Namenspaten, verrät Schülersprecherin Sophie Heldt (15): „Wir haben zu den Namen recherchiert und uns informiert, wer diese Menschen waren.“ Einige, gibt Heldt zu, seien ihr bekannt gewesen. Andere nicht.

„Überrascht hat mich Elisabeth Selbert. Ich kannte sie nicht, habe aber jetzt erfahren, dass sie eine Feministin war, die sich schon früh getraut hat, in einer Männer-Domäne mitzumischen.“ Die ehemalige SPD-Politikerin und Juristin war 1948/1949 Abgeordnete im Parlamentarischen Rat und gilt als eine der vier Mütter des Grundgesetzes.

„Gandhi finde ich aber auch einen guten Namen für unsere Schule, weil er für die Menschenrechte steht.“ Dass die Schüler den Namen ihrer Schule mitentscheiden können, findet Heldt sehr gut. „Ich finde es wichtig, dass wir mitbestimmen können. Wir müssen uns ja auch mit dem Namen unserer Schule identifizieren können.“

Dann kommt auch schon die nächste Klasse ins Foyer gestürmt. Schulleiterin Pahl ruft sie zur Ordnung und erklärt kurz den Ablauf: „Ihr dürft heute über den Namen unserer Schule abstimmen“, sagt sie, ehe sie betont, dass es sich bei dieser Wahl um eine freiwillige Stimmabgabe handelt. „Es besteht keine Wahlpflicht. Wer nicht wählen will, der muss nicht und stellt sich einfach gleich an die Seite.“

Beschmierte Wahlzettel, erklärt sie weiter, seien ungültig und würden aussortiert. „Nur ein Kreuz machen“, sagt Pahl. Beim Wahlvorgang, erklärt sie weiter, dürften die Schüler nicht mehr miteinander reden. Jeder solle sein Kreuzchen an den vorbereiteten Tischen für sich machen und im geheimen. „Niemand darf sehen, was du gewählt hast. Den Wahlzettel danach einmal in der Hälfte knicken und dann in die Wahlurne werfen.“

Die Schüler hören aufmerksam zu und lernen so ganz nebenbei, wie eine klassische Wahl, egal ob Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahl, abläuft. Auch die Eltern durften im Vorfeld abstimmen, verrät Pahl. „Die Lehrer sind jetzt teilweise noch dabei.“

„Das zeigt die große Identifikation mit der Schule.“

Schulleiterin Sandra Pahl

Die Ergebnisse aller drei Gruppen – Schüler, Eltern und Lehrer – werden separat ausgewertet, doch am Ende gleichgewichtet und zusammengefasst.

Fünf Stunden später steht das überraschende Ergebnis der Namenswahl an der Schule fest: „Die meisten Stimmen hat die Sekundarschule ohne Namenspaten erhalten“, berichtet Pahl. Dieses Ergebnis habe sie zwar nicht erwartet, stimme sie allerdings positiv. „Das zeigt die große Identifikation mit der Schule“, sagt sie. Denn sowohl Schüler als auch Eltern und Lehrer hätten sich insgesamt mit 22 Prozent gegen einen Namenspaten ausgesprochen.

Auf Platz zwei landet am Ende mit 19 Prozent aller Stimmen die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und auf Platz drei mit immerhin noch 16 Prozent der deutsche Unternehmer Oscar Schindler, der während des Zweiten Weltkrieges 1200 jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod rettete. Das letzte Wort hat jetzt die Politik.

Hintergrund

Ausschuss und Rat: Am Dienstag, 17. Mai, werden die Ergebnisse der Wahl im Schulausschuss diskutiert und vorberaten. Am 23. Juni soll dann der Rat eine Entscheidung treffen.

Zweiter Anlauf: Ursprünglich sollte die Sekundarschule nach der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai benannt werden. Weil aber eine Kontaktaufnahme zur jungen Frau scheiterte und viele gegen eine lebende Namenspatin waren, wurde ein zweiter Anlauf gestartet.

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