Seit dem Verkauf passiert nichts in einstiger Kirche St. Gangolf

Bröckelt still vor sich hin: die einstige katholische Kirche St. Gangolf an der Elberfelder Straße.
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Bröckelt still vor sich hin: die einstige katholische Kirche St. Gangolf an der Elberfelder Straße.

Man muss keine Schönheit sein, um unter Denkmalschutz zu stehen. Das beweist, ohne dass wir dem Gebäude zu nahe treten wollen, die einstige katholische Kirche Sankt Gangolf. Eher robust in der Statur, wirkt sie weniger wie ein fein ziseliertes Gotteshaus, sondern - ja, sagen wir es frei von der Leber weg - wie eine Turnhalle.

Doch dem Denkmalschutz kommt es auf andere Dinge an. Wäre St. Gangolf eine unter vielen schönen Barockkirchen im Oberschwäbischen oder Bayrischen, hätte sich wohl kein Denkmalamt je um sie geschert. Aber St. Gangolf steht für die Moderne, für einen Stil. Darum ist sie nicht schön, aber eben dennoch schützenswert. Wer derzeit auf der Elberfelder Straße St. Gangolf passiert, könnte darüber ins Grübeln geraten. Schön ist die einstige Kirche immer noch nicht. Nun aber sieht sie zudem noch verwahrlost aus. Dabei sollte dort Großes geschehen: Aus dem Gotteshaus sollte ein Mischkomplex aus Wohnen und Lagern entstehen. Aber: Es tut sich nichts.

Stadt könnte mal beim Käufer anklopfen und nachfragen

"Die Baugenehmigung existiert", bestätigt Bauamtsleiter Burkhard Klein. "Dass aber etwas passiert, haben wir auch nicht beobachtet." Der Stadt sind dabei die Hände gebunden. Mehr als mal beim Investor anklopfen und nachfragen, ob es Probleme gibt, ist da kaum drin. "Fragen kostet nichts", sagt auch Klein. Sprengkraft könnte indes der Status als Denkmal entwickeln. "Wenn wir Bedenken hätten, das Denkmal sei gefährdet, müssten wir rasch handeln", betont Klein.

Einst hatte die katholische Gemeinde eher schmallippig reagiert, als sich 2005 das Denkmalamt zu Wort meldete. 2003 hatten die Rader Katholiken ihren letzten Gottesdienst gefeiert und waren ausgezogen. Die Kirche stand zum Verkauf: Finanznot. Eine Unterschutzstellung aber, so befürchtete die Gemeinde damals, würde diesen Verkauf erschweren. "Wir können kein Denkmal unterhalten, das möglicherweise nur leer steht und Geld kostet", hatte Pfarrer Marc D. Klein betont.

Nun könnte aber die einst ungeliebte Unterschutzstellung der Stadt zu etwas Handlungsspielraum verhelfen. Offiziell war die Stadt nur äußerst kurz im Besitz der Kirche: Sie hatte sie 2010 gekauft und umgehend wieder veräußert. Damals sah die Stadt St. Gangolf noch als schmuckes Entree zum nahen Baugebiet Loh´sche Weide.

Denkmalschutz hin, Denkmalschutz her: Echte Gefahr sieht Burkhard Klein für das Gebäude indes (noch) nicht heraufdämmern. "Dafür ist es einfach zu massiv gebaut."

INFO

ARCHITEKTUR 1969/70 entstand St. Gangolf nach den Plänen des Architekten Erwin Schiffer und zählt zu den seltenen Stilbeispielen des so genannten "Brutalismus". Allerdings blieb St. Gangolf unvollendet: Campanile, Bibliothek und Pastorat, ursprünglich geplant, wurden nie gebaut. "Auch der erhoffte Aufschwung des Viertels Bergerhof blieb aus", mäkelte einst das Rheinische Amt für Denkmalpflege.

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