Foodsharing

Schüler retten Lebensmittel vor dem Wegwerfen

Die Mitglieder der neuen AG „THG goes green“ stehen jeden Tag in der Schule und verteilen kostenlos Lebensmittel. Fotos: Claudia Radzwill
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Die Mitglieder der neuen AG „THG goes green“ stehen jeden Tag in der Schule und verteilen kostenlos Lebensmittel.

Am Theodor-Heuss-Gymnasium wurde eine Foodsharing-AG ins Leben gerufen.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Im Theodor-Heuss-Gymnasium ist das Projekt „THG goes green“ gestartet – ein Foodsharing-Angebot, dass bei Schülern, Schülerinnen und Kollegium gleichermaßen gut ankommt. Initiiert wurde es von Anne Sophie Keller, Lehrerin an der Schule. Unterstützt wird sie von Kollegin Tanja Biermann und Foodsharing-Botschafterin Antje Fischer sowie 14 fleißigen Helfern und Helferinnen aus der Oberstufe.

„Wir retten Lebensmittel“, erklärt Anne Sophie Keller. Waren, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch verzehrbar sind, werden ans THG abgegeben und dort kostenlos verteilt. Die Teilnehmer der AG sortieren die Lebensmittel in Kisten und stellen diese im Pädagogischen Zentrum (PZ) nahe der Eingangstür auf. „Jeder kann sich etwas daraus nehmen“, erklärt Jana Asali Streppel aus der Stufe 11. Täglich in der zweiten Pause gibt es Dinge, die man sofort verzehren kann.

Dass wir so viel geliefert bekommen, damit haben wir nicht gerechnet.

Jana Asali Streppel, Schülerin

An diesem Morgen sind es Bananen, Mandarinen und Brötchen. „Greif zu“, ermuntert sie einen Schüler der Unterstufe, der sich gerade nähert. Am Anfang war es für die Schüler und Schülerinnen etwas ungewohnt, sich einfach etwas wegzunehmen. „Wir wurden gefragt, was es denn kostet“, sagt Jana Asali Streppel.

Wenn der Unterricht für die meisten Gymnasiasten nach der sechsten Stunde endet, stehen die AG-Mitglieder noch einmal hier. „Dann wird der Rest verteilt und auch Dinge, die man nur zu Hause noch verwerten kann, wie Paprika, Brokkoli und Pilze, aber auch Nudelpakete“, berichtet Anna Edelmeier, die auch die 11. Stufe besucht.

Dass in Deutschland so viel Nahrung weggeworfen wird, die noch zum Verzehr geeignet ist, haben sich AG-Mitglieder nicht vorstellen können. „Dass wir so viel geliefert bekommen, damit haben wir nicht gerechnet“, sagen Jana Asali und Anna. Sie finden es gut, an ihrer Schule „dem Essen eine zweite Chance“ zu geben.

Julia Edelmeier (r.) und Alexandra Fedorov kümmern sich um die Bananenchips.

Während eine Gruppe der AG im Pädagogischen Zentrum Lebensmittel verteilt, sind in der Mensaküche Julia Edelmeier und Alexandra Fedorov aus der Stufe 10 dabei, braune Bananen abzuschälen und in dünne Scheiben zu schneiden. „Die kommen gleich in den Backofen, daraus werden Bananenchips gemacht“, erklären die beiden. Die Chips gibt es dann am nächsten Tag am Stand.

„Mit ,THG goes green’ wollen wir die Schüler und Schülerinnen für das Thema sensibilisieren, wie viel weggeschmissen wird, was noch gut ist“, sagt Anne Sophie Keller. „Soziales Engagement und der Nachhaltigkeitsgedanke vereinen sich hier mit einem bildungspolitischen Auftrag“, freut sich Antje Fischer. „Wenn Schüler durch das Projekt lernen, Lebensmittel zu schätzen, und sehen, dass eine Banane auch essbar ist, wenn sie schon braune Flecken hat, ist das ein Gewinn.“

Antje Fischer ist Foodsharing-Botschafterin für Radevormwald, Halver, Hückeswagen und Wipperfürth. Pädagogin Anne Sophie Keller macht seit zweieinhalb Jahren beim Foodsharing mit und auch Tanja Biermann ist dabei. „Hinter Foodsharing steht ein ganzes Netzwerk“, sagt Anne Sophie Keller. Über soziale Medien ist man verknüpft, erfährt jeden Tag neu von abzugebenden Lebensmitteln.

Für das Projekt im Gymnasium bedeute das: „Ich bekomme eine Meldung geschickt, informiere dann die Schüler und Schülerinnen der AG über die Schulcloud, wann die Kisten ankommen. Wer von uns Zeit hat, in der Pause oder in einer Freistunde, kümmert sich dann darum.“

Was mit den Resten passiert, die trotzdem am Ende des Schultages noch übrig bleiben? Auch die werden noch verwertet: „Das bringen wir Bauernhöfen zum Verfüttern vorbei“, erklärt Antje Fischer. Doch viel sei dies meist nicht. Denn sogar die Blätter von Gemüse finden im THG noch Abnehmer: „Die stellen wir gesondert in einer Kiste hin – die sind heiß begehrt für das Kaninchen, den Hasen oder das Pferd zu Hause“, berichtet Anne Sophie Keller.

Hintergrund

Die Foodsharing-Bewegung entstand 2012. Ihr Ziel ist es, die Wegwerfkultur von Lebensmitteln zu vermindern. Alle Mitglieder der AG im THG haben eine Hygienekurs absolviert. Von der Stadt Radevormwald gab es für das Projekt extra Kühlschränke. Die stehen jetzt mit in der Küche der Mensa, die seit Pandemiebeginn geschlossen ist. Beim Foodsharing ans THG ist unter anderem die Landbäckerei Fischer dabei. Infos und Kontakt:
foodsharing.de

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