Umzug

„Sankt Martina“ kommt aus Schwelm

Verena Klein aus Schwelm ist der neue Sankt Martin in Radevormwald. Sie reitet auf der 23-jährigen Friesen-Stute Iven.
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Verena Klein aus Schwelm ist der neue Sankt Martin in Radevormwald. Sie reitet auf der 23-jährigen Friesen-Stute Iven.

Verena Klein wird mit ihrem Pferd Iven am Sonntag erstmals die Rolle des Sankt Martin in Radevormwald übernehmen.

Von Cristina Segovia-Buendia

Radevormwald. Ein Kutschunfall beim Kölner Karneval vor vier Jahren löste unter Brauchtumsfans und Tierschützern große Diskussionen aus: Sollten Tiere weiterhin bei Großveranstaltungen eingesetzt werden? Die einen forderten unter dem Argument der Tierquälerei einen gänzlichen Verzicht, andere wollten die tierischen Begleiter aus Tradition nicht missen.

Der Kompromiss, der folgte: Reiter sollten einen Wesenstest ihrer Tiere vorgelegt und damit bescheinigen, dass ihre Tiere dem Stress solcher Umzüge gewachsen sind. Eine Diskussion, die auch Verena Klein verfolgte.

Die ausgebildete Tierheilpraktikerin begleitet seit nunmehr zehn Jahren Kindergärten und Schulen immer wieder bei Martinsumzügen, schlüpft selbst in die Rolle des Heiligen Wohltäters und reitet dabei auf ihrer 23-jährigen Friesen-Stute Iven vorneweg. Das Wohl ihres Tieres ist ihr bei solchen Aktivitäten am wichtigsten. Von Wesenstest hält sie persönlich allerdings wenig. Eine Trainingssituation könne nie die Veranstaltung ersetzen. Am Ende sei es immer eine Frage der Tagesform.

Bei ihrem ersten Einsatz im Jahr 2012 konnte sie noch nicht so recht einschätzen, ob es ihrer Stute gefallen würde, im Dunkeln von einer singenden Menschenschlange mit leuchtenden Laternen begleitet zu werden. „Entweder würde es klappen oder der kürzeste Zug aller Zeiten werden“, erinnert sich Klein amüsiert.

Zu ihrem Job als „St. Martina“, erzählt sie, „kam ich wie die Jungfrau zum Kinde.“ Als sie bei ihrem Pferd in einem Stall in Beyenburg stand, wurde sie angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, bei einem Kita-Martinszug mit Pferd mitzugehen. „Das kannte ich noch gut aus meiner eigenen Kindheit und konnte mich daran erinnern, wie besonders es damals für mich war, von einem St. Martin auf einem Pferd begleitet zu werden. Ein Martinszug ohne Pferd ist doof. Deswegen sagte ich zu.“

Zur Freude aller stellte sich damals auch heraus, dass Stute Iven „eine echte Rampensau ist und das Ganze sogar richtig gut findet.“ Woran Klein das erkannte? „Iven macht sich dann größer, als sie mit ihren 1,54 Meter überhaupt ist und freute sich hinterher natürlich auch auf das Extrafutter.“ Besonders cool findet es Iven, wenn die Kinder singen.

Bei Karnevalszügen würde Verena Klein mit ihrem Tier trotzdem nicht mitmachen, sagt die Tierheilpraktikerin überzeugt. Ein Rosenmontagszug sei ein anderes Kaliber. „Es ist sehr laut, es fließt in der Regel sehr viel Alkohol und man weiß nie, ob aus der Menge nicht sogar Flaschen auf den Zug geworfen werden.“ Ein Martinszug in der Größenordnung, wie Klein sie bislang begleitet hat, seien deutlich geordneter.

Untätig herum stehen mag die Stute nicht so gerne

Den Radevormwalder Martinszug wird Verena Klein mit Iven in diesem Jahr zum ersten Mal als St. Martina auf dem Pferd begleiten. „Auch hier kam ich eigentlich über einen Zufall dazu.“ Angesprochen wurde sie von ihrer Freundin Silvia Röntgen-Drexel, die in Radevormwald die Tiersnackeria betreibt und den Kontakt zur Werbegemeinschaft herstellte. Auf den morgigen Zug hat sie sich bereits gut vorbereitet. Das Wichtigste, sagt Klein, „ist ein guter Parkplatz, groß genug, um nicht unnötig mit dem Hänger rangieren zu müssen.“ Auch die Route durch die Innenstadt hat sie sich angeschaut. Zwei Helfer werden ihr am Pferd zur Seite stehen und auch ihr Mann wird mitgehen, falls sie Hilfe benötigen sollte.

„Ich brauche mit Iven nur ausreichend Platz, um Kringel reiten zu können, sollte der Zug etwas langsamer voranschreiten.“ Denn obwohl Iven gerne im Rampenlicht steht und einen Zug singender Kinder anführt, untätig herumstehen und warten, das macht die Stute nicht gerne. Dagegen hilft Bewegung, weiß Klein, die ihre Stute in solchen Fällen einfach kurz im Kreis laufen lässt.

Auch wenn sich Verena Klein auf ihren ersten Einsatz als St. Martina in der Stadt auf der Höhe freut, die größte Freude, sagt sie, verspürt sie für die Kinder. Leuchtende Kinderaugen zu sehen, sie das größte Glück. „Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie sie singend durch die Stadt ziehen. Ein absolutes Highlight für mich persönlich, ist immer hinter einem den Laternenlindwurm zu sehen.“

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