Bildung

Rekord-Jahrgang für die Grundschulen

Mehr Schultüten als sonst wird es geben, wenn für den neuen Grundschuljahrgang im kommenden Jahr der gern zitierte „Ernst des Lebens“ beginnt.
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Mehr Schultüten als sonst wird es geben, wenn für den neuen Grundschuljahrgang im kommenden Jahr der gern zitierte „Ernst des Lebens“ beginnt.

Ungewöhnlich viele Kinder werden nach den Sommerferien 2023 eingeschult.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Jahrelang sah es so aus, als würde Radevormwald eine Stadt mit vielen alten Menschen und wenig Kindern werden. Doch die Zahl der Anmeldungen an den Grundschulen in der Bergstadt zeigen inzwischen ein anderes Bild. Schon für das laufende Schuljahr 2022/2023 gab es mit 218 Anmeldungen eine eindrucksvolle Zahl. Wie Stadt-Mitarbeiterin Britta Knorz nun im Schulausschuss mitteilte, liegen aktuell sogar 237 Anmeldungen vor, auch wenn dies nicht der letzte Stand sein dürfte.

Jürgen Funke, Teamleiter für Bildung im jüngst neu strukturierten Amt für Jugend, Schulen, Kultur und Sport, bezeichnet die aktuellen Anmeldezahlen für die Primarstufe als „enorm hoch“ für Rader Verhältnisse: „So viele hatten wir noch nie.“

Allerdings geht man beim Schulamt davon aus, dass die Zahlen noch ein wenig nach unten gehen werden. Denn erfahrungsgemäß wird manchen Eltern nach der Schuluntersuchung geraten, mit der Einschulung ihres Sprösslings noch ein Jahr zu warten, auch werden einige Schüler voraussichtlich die Armin-Maiwald-Förderschule besuchen. Trotzdem geht Jürgen Funke davon aus, dass der Grundschul-Jahrgang 2023/2024 ungewöhnlich groß wird.

Ist das nun schon der demografische Wandel, der für eine Verjüngung der Stadt sorgen wird? Es spricht tatsächlich einiges dafür. Bei der Analyse der Anmeldungen zeigt sich, dass der Anstieg der Schülerzahlen nur zum geringen Teil mit den ukrainischen Flüchtlingskindern zu tun hat, wie man vielleicht vermuten könnte. „Es ist tatsächlich so, dass mehr Familien mit jungen Kindern nach Radevormwald ziehen“, erklärt der Teamleiter und sieht darin ein Zeichen für den guten Ruf Radevormwalds als Wohn- und Schulstadt.

Das ist erfreulich, stellt aber die Verantwortlichen im Rathaus und in den Schulen auch vor die Aufgabe, die zahlreichen künftigen Schülerinnen und Schüler so auf die Einrichtungen zu verteilen, dass die Klassen eine gleichmäßige Größe haben. „Mehr als 25 Kinder pro Klasse sollen es nicht sein“, nennt Funke das Ziel. „Für die Grundschule in Bergerhof würde das bedeuten, dass wegen der Zweizügigkeit bei einer Anmeldezahl von 50 Kindern Schluss wäre.“ Tatsächlich liegen für die Schule an der Lessingstraße aber bereits 69 Anmeldungen vor. Drei Klassen einzurichten ist wegen der räumlichen Bedingungen kaum möglich.

Das bedeutet, der Erstwunsch der Eltern für die künftige Schule ihrer Kinder kann nicht immer erfüllt werden. Wie die Erfahrung zeigt, akzeptieren Erziehungsberechtigte das oft auch. „Wir schreiben die Eltern an und erklären die Situation“, schildert Funke das Vorgehen. In manchen Fällen stimmen die Eltern dann von sich aus zu, dass ihr Kind eine andere Schule besucht, wenn sich das organisatorisch machen lässt. Zum Beispiel: Wenn Eltern ihr Kinder gerne auf die Grundschule Bergerhof schicken möchten, aber in Wuppertal arbeiten, könnte man argumentieren, dass auf dem Weg hin und zurück zur Arbeit das Kind auch zur Grundschule Wupper gebracht oder abgeholt werden kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schulamtes schauten sich jeden Fall genau an, damit es eine gute Lösung gebe, verspricht Jürgen Funke.

Wie die aktuellen Zahlen zeigen, ist die zeitweise Zurückhaltung mancher Eltern bei Anmeldungen an der Katholischen Grundschule Lindenbaum vorüber. Wegen der Diskussion über die Zukunft der Schule, die an ihrem jetzigen Standort beengt ist, hatten manche Eltern offenbar den Eindruck bekommen, „dass ihre Kinder auf einer Baustelle unterrichtet werden sollen“, sagt Funke. Das sei allerdings ein Missverständnis gewesen. Denn die KGS soll einen neuen Standort im geplanten Bildungshaus auf der Fläche „Am Kreuz“ an der Elberfelder Straße erhalten, was bedeutet, dass am aktuellen Standort keine Bauarbeiten stattfinden müssen. Auch ein vorübergehender Personalmangel bei den Lehrkräften sei behoben worden, die KGS Lindenbaum sei inzwischen wieder hervorragend ausgestattet, betont Funke.

Nach den vorliegenden Zahlen rechnen die Verantwortlichen allerdings für das Schuljahr 2024/25 wieder mit weniger Anmeldungen und einem Jahrgang mit „normaler“ Größe. Auf lange Sicht dürfte allerdings das neue Baugebiet Karthausen für einen weiteren Zuzug von Familien sorgen.

Anmeldezahlen

Die im Schulausschuss vorliegenden Anmeldezahlen für die Grundschulen verteilten sich wie folgt: Für die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Stadt liegen 86 Anmeldungen vor, für die Katholische Grundschule (KGS) Lindenbaum sind es 46. Beim Grundschulverbund Bergerhof-Wupper sind 105 künftige Schüler angemeldet, davon 69 für den Standort Bergerhof und 36 für den Standort Wupper. Insgesamt liegen damit der Verwaltung aktuell 237 Anmeldungen vor.

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