Erntehelfer auf der Streuobstwiese

Rekord-Ernte auf Herbecker Obstwiese

Schüler der Armin-Maiwald-Schule waren als Erntehelfer am Montagmorgen auf der Streuobstwiese bei Herbeck dabei.
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Schüler der Armin-Maiwald-Schule waren als Erntehelfer am Montagmorgen auf der Streuobstwiese bei Herbeck dabei.

Schüler der Armin-Maiwald-Schule halfen am Montagmorgen beim Pflücken der Äpfel auf der Streuobstwiese.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Fröhliche Lachsalven, die sich mit dem raschelnden Geräusch herabfallender Äpfel mischen, schallen am Montagmorgen zwischen den hochgewachsenen Sträuchern und weisen dem ortsunkundigen Besucher den Weg zur großen städtischen Streuobstwiese in Herbeck. Hier findet für 25 Schüler der Armin-Maiwald-Schule ein außergewöhnlicher Unterrichtstag statt. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Kinder auf der Streuobstwiese in weiser Voraussicht wetterfest gekleidet.

Auf der über 1,5 Hektar große Fläche, die großzügig mit allerlei Obstbäumen bestückt ist, laufen die Kinder mit Handschuhen und Gartenwerkzeugen herum und lassen an verschiedenen Stellen mit einem kräftigen Ruck an den prallgefüllten Ästen der Apfelbäume die knallroten Früchte herunterrieseln.

Schüler sind erstaunt, wie viele Äpfel für ein Glas Saft nötig sind

„Das ist die beste Ernte überhaupt“, sagt Gärtnermeister Marcus Nitzsche zufrieden. Seit 2007 betreibt er im Auftrag der Stadt die Streuobstwiese, hat sie selbst angelegt und pflegt sie seitdem. Einmal im Jahr erhält der Gärtnermeister Unterstützung von jungen Erntehelfern aus Kitas und Schulen. Für die Kinder ein Erlebnis, für Nitzsche eine wertvolle Hilfe, besonders diesmal: So viele Äpfel wie in diesem Jahr gab es nämlich bislang noch nie. Zwischen einer und 1,5 Tonnen, schätzt Hubert Benzheim vom Rheinisch-Bergischen-Naturschutzverein den diesjährigen Ertrag dieser Streuobstwiese. Auch er packt, ebenso wie die städtische Umweltbeauftragte Regina Hildebrandt und ihr Kollege, Klimaschutzmanager Niklas Lajewski, kräftig mit an.

Über eine Tonne Äpfel zu ernten, das bedeutet für die 25 Schüler der Armin-Maiwald-Schule viel Arbeit: „Ich dachte, dass beim Pflücken von Äpfeln mit Maschinen gearbeitet würde“, sagt Florian (14). „Ich wusste auch nicht genau, wie das funktioniert“, fügt Joanna (14) hinzu. „Es ist zwar anstrengend, macht aber auch sehr viel Spaß“, stellt Chantal (14) fest. Nur der 14-jährige Sam, der die hohe Stangensäge hält, hat schon mal in Omas Garten Äpfel gepflückt. Doch so viel Spaß, wie jetzt mit seinen Schulkameraden, hatte es damals nicht gemacht. Und der selbst gepresste Apfelsaft bei Oma? „Der hat mir nicht so gut geschmeckt, weil da noch viele Stücke drin waren.“

Wie viele Äpfel tatsächlich nötig sind, um Apfelsaft für ein kleines Glas zu pressen, darüber staunen einige Schüler dann auch, die gleich vor Ort Äpfel halbieren und den roten Früchten über eine kleine Holzpresse mit Muskelkraft den unbehandelten Saft entziehen.

„Hmm, lecker“, sagt eine Schülerin, die einen ersten Schluck probiert. „Ganz anders, als der Saft aus der Packung.“ Auch diese Erkenntnisse, ist Lehrerin Hannah Wimmers, überzeugt, werden den Schülern in Erinnerung bleiben. „Sie sollen ruhig mal sehen, wie viel Arbeit in einer Packung Apfelsaft steckt, die sie im Supermarkt einfach aus dem Regal ziehen.“

Ihre Schüler erlebt die Pädagogin an diesem Tag gänzlich anders, als im Schulunterricht. „Sie waren anfangs sehr zurückhaltend, aber nach zehn Minuten hat sich das aufgelöst und alle waren bei der Sache.“

Der Tag sei eine gute Form der Berufsvorbereitung und eine völlig andere Art der Arbeit, die den Schüler gar nicht so geläufig erscheint. „Auch wenn wir im Unterricht viel Praktisches machen, ist die Arbeit in der Schule anders, als hier beim Äpfel pflücken“, stellt Wimmers fest. „Da werden heute Abend sicherlich einige Muskelkater haben.“

Insgesamt 80 Obstbäume, darunter verschiedene Apfel-, Birnen-, Zwetschgen und Kirschbäume stehen auf der 1,5 Hektar großen Streuobstwiese in Herbeck. Allein bei den Äpfeln wachsen hier 25 Sorten, die meisten heimisch und klimaangepasst.

Auch wenn die diesjährige Ernte sehr üppig ausgefallen ist, nicht alle Sorten haben den trockenen Sommer gut überstanden: Während der Purpurrote Cousinot, die Luxemburger Renette und der Jakob Lebel gut gewachsen sind, muss bei der Goldparmäne auf der Streuobstwiese ein Trockenschaden verzeichnet werden. Auch das, zum ersten Mal, seitdem es die Streuobstwiese hier gibt.

Hintergrund

Einen Teil der Äpfel durften die Schüler nach getaner Arbeit mitnehmen. Der Großteil aber wird in der Ronsdorfer Mosterei Auer zu Apfelsaft verarbeitet. Der Radevormwalder Apfelsaft wird dann im Unverpacktladen, Blumenstraße 7, und bei Garten Werker, Kaiserstraße 66, verkauft.

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