Prozess

Streit um Maskenpflicht im Bus: 20-Jähriger attackiert Fahrer

Ein Streit um die Maskenpflicht im Bus eskalierte.
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Ein Streit um die Maskenpflicht im Bus eskalierte.

Junger Mann muss für zwei Jahre und vier Monate in Haft

Von Florian Sauer

Radevormwald. Mit Faustschlägen greifen zwei junge Männer in Wipperfürth einen Busfahrer an, der die Maskenpflicht in seinem Fahrzeug durchsetzen will. Auf die Attacke vom 18. Februar dieses Jahres folgt nun der Strafprozess mit einem folgenschweren Urteil: Ein 20-Jähriger aus Radevormwald muss für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis.

Als „entscheidendes Beweismittel“ wertet das Jugendschöffengericht Wipperfürth ein gut vierminütiges Video, das die direkt hinter der Fahrerkabine angebrachte Kamera aufnimmt. Sie dokumentiert, wie der Rader und ein Komplize, gegen den noch separat verhandelt werden wird, gegen 22.30 Uhr die Linie 336 besteigen wollen, die aus Gummersbach kommt und in Remscheid endet. Beide tragen statt der im Bus vorgeschriebenen medizinischen Maske einen Schlauchschal, den sie obendrein nicht vor Mund und Nase ziehen.

Nach heftiger Diskussion im Einstiegsbereich scheucht der Mann das Duo nach draußen, schließt die Türen und fährt ab. Nach wenigen Metern stoppt er, weil die Männer außen gegen den Bus schlagen. „Wir Fahrer sind für den Zustand unseres Fahrzeugs verantwortlich, deshalb wollte ich nachsehen, ob etwas zerstört wurde“, berichtet der heute 59-jährige Wiehler dem Gericht. Als er die Türen erneut öffnet, eskaliert der Streit.

„Beide Täter zielten mit ihren Fäusten immer wieder auf den Kopf ihres Opfers.“

Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft

Der Rader drängt mit Anlauf in den Bus, der Fahrer versperrt ihm den Weg. Bald mischt auch der zweite Angreifer mit. „Beide Täter zielten mit ihren Fäusten immer wieder auf den Kopf ihres Opfers“, formuliert die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Der Wiehler erleidet Verletzungen am Ohr und Platzwunden am Kopf. Als der Rader schließlich hinaus auf den Surgères-Platz stürmt, verliert er seinen Ausweis – die alarmierte Polizei kann ihn deshalb schnell stellen.

Im Prozess betont der 20-Jährige, dass er sich an keine Einzelheiten erinnern könne, weil er zuvor auf dem Hausmannsplatz ordentlich getrunken habe. Die Richter werten das als Schutzbehauptung. Auf den Aufnahmen mache der Mann „nicht ansatzweise den Eindruck, derart betrunken gewesen zu sein“, kontert der Vorsitzende.

Für den 20-Jährigen geht es vor Gericht diesmal um alles. Seit 2018 ist er mehrfach in der Hansestadt verurteilt worden, mehrere Schlägereien, aber auch Erpressung und der Raub von Geld stehen in seiner Akte. Tatorte waren regelmäßig die Innenstädte von Wipperfürth und Hückeswagen. Die Jugendgerichtshilfe springt noch in die Bresche und berichtet von einem „guten Weg“, den der Mann zuletzt eingeschlagen habe. Die Verteidigung spricht von einer „Provokation“ durch den Busfahrer, der in rüdem Ton auf die Maskenpflicht hingewiesen habe.

Das Schöffengericht erteilt beidem eine Absage, verhängt das Urteil ohne Bewährung. Es bleibt dabei zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft und hält einen Haftbefehl gegen den Radevormwalder aufrecht – der Verurteilte wird von Wipperfürth aus direkt in das Gefängnis nach Wuppertal gebracht. Es gehe bei der Entscheidung nicht zuletzt auch darum, die Menschen vor dem Verurteilten zu schützen, so das Gericht in seinem Urteil.

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