Tierschutz

Rehkitze werden totgemäht nachdem Unbekannte sie „befreiten“

Diesem Rehkitz hatte die Suchmannschaft das Leben gerettet. Danach ließen Unbekannte es frei. Das Tier lief zurück in die Wiese. Der Kreiselmäher des Bauern tötete es
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Diesem Rehkitz hatte die Suchmannschaft das Leben gerettet. Danach ließen Unbekannte es frei. Das Tier lief zurück in die Wiese. Der Kreiselmäher des Bauern tötete es.
  • Axel Richter
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Suchmannschaft ist fassungslos: Sie hatten die Tiere bereits gerettet. Doch Spaziergänger wollten die Rehkitze aus ihren Transportboxen befreien.

Von Axel Richter

Radevormwald. Olaf Brese hat „den Hals gestrichen voll“, wie er sagt. Von Menschen, die im Radevormwalder Wald herumlaufen und dort Unheil anrichten. So geschehen bereits am Mittwoch vergangener Woche. Spaziergänger „befreiten“ dort Rehkitze, die der Jäger zuvor eingesammelt hatte, um ihnen das Leben zu retten. Mit der Folge, dass die Jungtiere doch noch vom Mähwerk des Bauern in blutige Fetzen gerissen wurden.

Hintergrund: Im Mai und Juni setzen die weiblichen Rehe, die Ricken, ihren Nachwuchs. Dazu suchen sie die Wiesen und Weiden auf. Die Kreiselmäher der Landwirte sind für die Kitze eine tödliche Gefahr, denn nähert sich ihnen ein Feind, stehen sie nicht auf und laufen davon. Sie ducken sich. In jedem Frühsommer erleiden deshalb ungezählte Tiere den Mähtod.

Vor den Landwirten treten Jägerinnen und Jäger in Aktion

Zwölf freiwillige Helferinnen und Helfer waren am Mittwoch der vergangenen Woche in aller Frühe ausgerückt, um in den Wiesen nach abgelegten Jungtieren zu suchen.

Bevor die Landwirte mit ihren Traktoren anrücken, treten deshalb die Jägerinnen und Jäger in Radevormwald in Aktion. In aller Frühe suchen sie die Wiesen ab. Drohen helfen ihnen heute dabei. Finden die Suchtrupps ein abgelegtes Tier, nehmen sie zwei Hände voll Gras und heben das Kitz damit auf. So kommt das Neugeborene nicht in Kontakt mit dem Menschen. Anschließend stecken die Jäger das Kitz zum Beispiel in einen Karton und legen es am Rand der Wiese ab. Ist die Wiese gemäht, befreien sie das Jungtier und die Ricke kehrt zu ihrem Kitz zurück.

In Radevormwald haben Jägerinnen und Jäger mit anderen naturverbundenen Menschen bereits vor Jahren den Verein Rader Kitzretter gegründet. Olaf Brese ist von Anfang an dabei. Der Pächter des Jagdreviers rund um die Klaukenburg und den Höllerhof war deshalb mit Meike Höller und ihren freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie Drohnenpilot Carsten Enneper auch am Mittwoch, 15. Juni, um 5 Uhr früh unterwegs, um die Wiesen nach Kitzen abzusuchen.

In Burscheid rettete die Suche per Drohne zwei Kitze

Sechs Jungtiere fanden sie. Sie brachten die Tiere in Sicherheit, indem sie die Kitze in Tansportboxen unterbrachten und diese Boxen gut zwei Meter von der Wiese abstellten. Danach setzten sie ihre Suche fort.

Suchmannschaft fand die Kadaver

Womit sie nicht rechneten, waren Waldbesucher, die auf die Idee kamen, die Tiere frei zu lassen. Doch genau das ist nach Lage der Dinge geschehen. Als die Jäger zu den Boxen zurückkehrten, waren sie geöffnet und leer. Die Kitze waren in die vermeintlich sichere Wiese zurückgekehrt. Dort tötete sie das Mähwerk des Landwirts. Die völlig konsternierte Suchmannschaft fand später die Kadaver.

„Es ist entsetzlich mitzuerleben, dass es Menschen gibt, die das Leben von Tieren ihrer Besserwisserei opfern“, sagt Jäger Brese. Schon lange schimpft er über unangeleinte Hunde, die in der Brut- und Setzzeit im Wald auf die Jagd nach wehrlosen Jungtieren gehen: „Und jetzt werden Kitze `befreit`, die unter viel Aufwand in Boxen gesichert worden sind, um nicht getötet zu werden.“

Von freilaufendem Hund gerissen - Jäger pflegen verletztes Kitz

Von den Unbekannten, die die Transportboxen öffneten, fehlt bislang jede Spur. Jagdpächter Olaf Brese hat dennoch Anzeige bei der Polizei erstattet. Außerdem setzt er eine Belohnung aus. Er sucht nach Zeugen, die am Mittwoch vergangener Woche, dem Tag vor Fronleichnam, zwischen 6.45 Uhr und 9.30 Uhr auf dem Wirtschafts- und Fußweg von der Klaukenburg zum Höllerhof etwas beobachtet haben. Zu erreichen ist Olaf Brese unter Telefon 01578/4345334.

Hintergrund

Brutzeit: Es ist jetzt Brut- und Setzzeit. Das heißt, die Vögel und Säugetiere bekommen ihren Nachwuchs. Zum Schutz des Wildkindergartens sollten Hunde an der Leine geführt werden. Und zwar auch solche, die nach Überzeugung ihrer Halter kein anderes Tier beißen, sondern nur mit ihm spielen wollen.

Anleinpflicht: Grundsätzlich gilt: Solange sich Hund und Halter auf Waldwegen befinden, gilt dort keine Anleinpflicht. Aber abseits des Weges ist der Hund anzuleinen. Im Naturschutzgebiet sind Hunde dagegen grundsätzlich anzuleinen.

Straftat:Schaden kann es freilich nicht, seinen Hund im Wald ganz einfach immer an der Leine zu führen. Im Gegenteil: Ein von Hunden gerissenes Reh stellt im Zweifel eine Straftat dar und wird entsprechend bestraft.

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