Vor 50 Jahren

Radevormwald gedenkt der Opfer des Zugunglücks

46 Todesopfer forderte das Zugunglück am 27. Mai 1971. Archivfoto: Rudi Honsberg
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46 Todesopfer forderte das Zugunglück am 27. Mai 1971.

Am 27. Mai 1971 starben 46 Menschen beim Zusammenstoß eines Triebwagens mit einem Güterzug.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Am 27. Mai jährt sich das schwere Zugunglück nahe dem Bahnhof Dahlerau zum 50. Mal. Die Stadt Radevormwald wird an diesem Donnerstag der Opfer der Tragödie mit einer Trauerfeier gedenken. „Sie wird auf dem Kommunalfriedhof an der zentralen Gedenkstätte stattfinden,“ gaben am Mittwoch der Beigeordnete Simon Woywod und Stabschef Wolfgang Scholl bekannt. Corona-bedingt wird zur Feier nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zugelassen. Im Internet aber werden alle Rader und Raderinnen der Feier beiwohnen können.

Es war kurz nach 21 Uhr am 27. Mai 1971, als auf der eingleisigen Strecke zwischen Beyenburg und Dahlerau ein Schienenbus und ein Güterzug in einer unübersichtlichen Kurve frontal zusammenstießen. 71 Fahrgäste befanden sich im Schienenbus, darunter 62 Rader Schüler des Abschlussjahrganges der Geschwister-Scholl-Hauptschule. Sie kamen aus Bremen, von ihrer Abschlussfahrt. 41 Schüler und Schülerinnen, zwei Lehrer, eine Mutter und zwei Bahnbeamte starben bei dem Aufprall. Die, die überlebten, hatten zumeist schwere Verletzungen. Die Stadt stand damals unter Schock.

Der Unfallhergang konnte nie genau geklärt werden. Aus damaligen Ermittlungen heißt es, dass es auf ein Missverständnis in Bezug auf ein Haltesignal zwischen dem Fahrdienstleiter am Bahnhof Dahlerau und dem Lokführer des Güterzuges zurückzuführen sei. 1971 gab es keinen Sprechfunk, der Zugverkehr wurde allein durch Signale geregelt.

10 000 Menschen kamen am 2. Juni 1971 zur Trauerfeier auf dem Kommunalfriedhof, auch der damalige Bundeskanzler Willy Brandt gehörte zu den Trauergästen. Noch heute prägt das Unglück die Stadtgeschichte. Das merkt Simon Woywod. „In Gesprächen der letzten Tage höre ich heraus, wie diese schwere Zeit viele Rader und Raderinnen auch nach 50 Jahren bewegt und gerade jetzt wieder in den Vordergrund rückt.“

„Die Stadt bekam 1971 viele Beileidsbekundungen aus vielen Ländern.“

Stabschef Wolfgang Scholl

Die Planungen der Stadt sahen ursprünglich eine große Gedenkfeier vor. Doch: „Wegen der Corona-Pandemie ist es nicht möglich, mit vielen auf dem Kommunalfriedhof zusammenzukommen“, sagt Woywod. Doch auch in der Krisenzeit wolle man dem Gedenken einen würdigen Rahmen geben. In fünf Kirchen werde jetzt die Feier als Livestream übertragen. „Insgesamt gibt es 200 Plätze, die Bürger und Bürgerinnen können sich im Vorfeld bei den Gemeinden anmelden“, erklärt Wolfgang Scholl. Darüber hinaus wird die Gedenkfeier ab den späten Nachmittagsstunden des 27. Mai auf der städtischen Homepage abrufbar sein.

Simon Woywod, erster Beigeordneter der Stadt Radevormwald (l.), und Stabschef Wolfgang Scholl stellen das Programm des Gedenktags für die Opfer des Zugunglücks 1971 vor.

Die Feier wird mit dem Musikstück „Die überraschende Trauer“ des finnischen Komponisten Urho Sipponen beginnen – er hatte es damals dem Zugunglück gewidmet. „Die Stadt bekam 1971 viele Beileidsbekundungen aus vielen Ländern. Darunter war auch diese Komposition“, erzählt Wolfgang Scholl. Arrangiert wird das Werk vom Streichquartett der Radevormwalder Musikschule.

Die Gedenkreden übernehmen Bürgermeister Johannes Mans und Innenminister Herbert Reul – er wird als Vertreter von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet teilnehmen. Mit dabei sind Superintendentin Antje Menn und Dompropst Monsignore Guido Assmann. Beide haben einen besonderen Bezug zu Radevormwald: Sie sind hier aufgewachsen. Auch ein Vertreter der Deutschen Bahn wird der Feier beiwohnen.

Die Stadt habe auch Überlebende des Unglücks eingeladen sowie Mitschüler der damaligen 9a, 9b und 9c der Hauptschule, die auf dieser Fahrt nicht dabei waren – denn auch sie habe das Unglück geprägt, sagt Wolfgang Scholl. Monika Zierden wird als Überlebende eine Rede halten.

Zwei Gedenkkränze werden städtische Vertreter am 27. Mai niederlegen: Auf dem Friedhof während der Gedenkfeier und – im Vorfeld – an der einstigen Unglücksstelle in Dahlerau. Am Samstag, 29. Mai, findet in der reformierten Kirche am Markt ab 11 Uhr dann ein Requiem zum Gedenken der Opfer des Zugunglücks mit Kantorin Angelika Kozinowski-Werler statt.

Gedenkfeier

Zum Auftakt der Gedenkfeier werden am 27. Mai um 13.30 Uhr alle Kirchenglocken läuten. Um 14 Uhr beginnt die Gedenkfeier. Wer im Livestream in einer der Kirchen teilnehmen möchte, muss sich dafür anmelden:

Lutherische Gemeinde, Tel. (0 21 95) 6 77 10,

kontakt@radevormwald-kirche

Katholische Gemeinde, Tel. (0 21 95) 12 20,

pastoralbuero@sankt-marien.de

Reformierte Gemeinde, Tel. (0 21 95) 10 44,

pfarramt@rade-reformiert.de

Martinigemeinde, Tel. (0 21 95) 93 13 00,

buero@selk-radevormwald.de

Evangelische Gemeinde Remlingrade-Dahlerau, Tel. (0 21 91) 9 68 17 12,

petra.basener@kklennep.de

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