Drei marode Fachwerkhäuser verschwinden

Abrissarbeiten an der Nordstraße gehen weiter

Auf der Baustelle an der Nordstraße geht es endlich weiter. Baggerschaufel und Materialsäcke zeugen davon. Burkhard Klein (Bauverwaltungsamt, r.), Nane Fechtner-Siebert und Matthias Kaufmann (Technisches Bauamt, l.) und der 1. Beigeordneter Simon Woywod (3. v. r.) sahen sich gestern auf der Baustelle um. Fotos: Claudia Radzwill
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Auf der Baustelle an der Nordstraße geht es endlich weiter. Baggerschaufel und Materialsäcke zeugen davon. Burkhard Klein (Bauverwaltungsamt, r.), Nane Fechtner-Siebert und Matthias Kaufmann (Technisches Bauamt, l.) und der 1. Beigeordneter Simon Woywod (3. v. r.) sahen sich gestern auf der Baustelle um.

An ihrer Stelle soll das „Radevormwalder Wohnzimmer“ entstehen.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Der Bagger der Baufirma Knepper frisst sich immer weiter ins Areal an der Nordstraße hinein. Es tut sich wieder etwas auf der Baustelle. Endlich. Nach langem Stillstand wird der Abriss der dortigen, baufälligen Häuser fortgesetzt. Im Bauamt der Stadt atmet man auf. Auch mancher Bürger wird dies tun. Am Dienstag traf man sich an der Nordstraße zum Pressegespräch.

Die Firma Wilhelm Knepper hat den Abriss übernommen, nachdem das zunächst beauftragte Unternehmen dies nicht zu Ende geführt hat. „In den letzten beiden Wochen wurde die Baustelle von der Firma Knepper eingerichtet. Das zuvor gefundene, asbesthaltige Material wurde ausgebaut, fachgerecht verpackt und entsorgt“, erklärt Matthias Kaufmann vom Technischen Bauamt der Stadt.

Matthias Kaufmann vom Technischen Bauamt freut sich über das Fortschreiten: Für die Abrissarbeiten der maroden Häuser kommt ein Bagger mit auffahrbarer Kabine zum Einsatz.

Nun ist der Abrissbagger wieder am Werk. Mit 25 Tonnen Eigengewicht und einer Leistung von 129 Kilowatt samt einer hochfahrbaren Kabine für den besseren Überblick werden Wände und Decken entfernt. So mancher Balken berge dabei eine lange Geschichte, sagt Kaufmann: „In der Hausnummer 6 haben wir Balken aus der Zeit des großen Stadtbrandes von 1802 gefunden.“ Andere zeigen alte Zimmermannszeichen auf. „Holznägel, Zapfen – all das verbarg sich in den Gebäuden. Ich nenne sie Schicksalsspuren“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Balken der Häuser werden von Rader Bürgern abgeholt

Für diese Spuren interessieren sich auch Rader Bürger. Sie hatten sich im Vorfeld bei Matthias Kaufmann gemeldet und sich Balken gesichert. Ein Fachwerk-Giebelstück geht ans Heimatmuseum, andere Holzstücke werden in den nächsten Tagen abgeholt. „Es haben sich unter anderem Künstler gemeldet, die daraus ein Kunstobjekt machen wollen“, erzählt er.

Doch nicht alles ist gut erhalten, einige Balken sind komplett angefault. In den nächsten Tagen werden drei Container mit je 40 Kubikmetern in der Nordstraße für die Entsorgung aufgestellt. Holz, Schiefer, Bleche und Schrott, zu dem auch die Heizkörper gehören, werden schon vor Ort getrennt. Gleiches gilt für die keramischen, dunklen Fliesen, die am Haus mit der Nummer 8 angebracht sind – einer früheren Metzgerei, später ein Döner-Imbiss.

An manchen Stellen müssen die Arbeiter mit viel Feingefühl herangehen. Das Abrisshaus mit der Nummer 8 musste vom bewohnten Haus mit der Nummer 10 abgetrennt werden. „Das wurde händisch zurückgebaut, die Balken wurden abgestützt, bevor sie getrennt wurden“, erklärt Matthias Kaufmann. Wenn die Häuser an der Straßenfront weg sind, geht es an die dahinter gelegenen Gebäude – das ehemalige Schlachthaus und den Anbau der Hausnummer 4. „Dazu müssen dann auch Parkplätze der Drogerie Rossmann abgesperrt werden“, sagt Kaufmann. Die Parkplätze vor dem Nowy-Targ-Park an der Burgstraße werden für die Übergangszeit zu Ausweichparkplätzen für die Kunden.

Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, könnten wir in rund drei Wochen fertig sein.

Stanko Jurisic, Bauleiter

Vier Monate hat die Firma Knepper für die Abrissarbeiten an der Nordstraße Zeit, bis Ende November sollen die drei maroden Häusern der Vergangenheit angehören. Wenn alles gut läuft, könnte es sogar noch schneller gehen. Stanko Jurisic, Bauleiter der Unternehmens Knepper, ist da vorsichtig optimistisch. „Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, könnten wir in rund drei Wochen fertig sein. Wir kommen gut voran.“ Allerdings stecken Altbauten auch immer voller Überraschungen.

Seit Januar standen die Arbeiten auf der Baustelle still. Die Stadt hatte der ursprünglich dort tätigen Firma Fristen gesetzt – und dem Abrissunternehmen aus Hagen im Mai dann gekündigt. Nach einem neuen Ausschreibungsverfahren sitzt nun das Unternehmen Knepper mit im Boot. Dessen Bauleiter Stanko Jurisic ist Radevormwald gut bekannt. „Ich habe schon einige Aufträge hier begleitet“, erzählt er.

De facto hat die Stadt durch die Verzögerung ein Jahr verloren, erklärt Matthias Kaufmann. Auf dem Gelände soll das „Rader Wohnzimmer“ entstehen – mit Räumen für Vereine und Kulturveranstaltungen und fürs Jugendamt. Die Ausschreibung für die Planung sei jetzt raus, sagte am Dienstag der 1. Beigeordnete, Simon Woywod.

Abrissarbeiten

Kosten: Das Budget für den Abriss liegt bei 125 000 Euro. Diesen Rahmen könne man nach heutigen Stand halten, heißt es aus der Verwaltung.

Ablauf: Die Abrissarbeiten hatten im September 2020 begonnen. Im Januar 2021 stellte die zunächst beauftragte Abrissfirma aus Hagen die Arbeiten ein und war nicht mehr erreichbar. Seit diesem Monat führt die Firma Wilhelm Knepper die Arbeiten weiter durch. Materialien, die von der zunächst beauftragte Firma auf der Baustelle hinterlassen wurden, sind nun eingelagert worden.

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