Rader Gitarrist Philipp Humburg international unterwegs

Ein Leben ohne Gitarre? "Möglich, aber sinnlos" würde frei nach Loriot Philipp Humburg dazu wahrscheinlich sagen.
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Ein Leben ohne Gitarre? "Möglich, aber sinnlos" würde frei nach Loriot Philipp Humburg dazu wahrscheinlich sagen.

Nicht an Jahren, aber an musikalischer Erfahrung ist Philipp Humburg ein ganz Alter. "Es ist ein langer Weg, den ich gegangen bin. Mehr als die Hälfte meines Lebens", sagt der 21-jährige. Mit acht Jahren griff er erstmals zur Gitarre - und schnell war klar: Da hatten sich zwei gefunden.

"Die Frage, was ich nach dem Abitur machen will, hat sich mir gar nicht gestellt. Für mich war alles klar", sagt er über seine musikalischen Ambitionen, die ihn zu "Jugend musiziert" und einem Studium in Hollywood führten.

Ein Leben ohne Gitarre? Nicht wirklich. Schreckensszenarien, als da wären: gebrochene Finger, geplatztes Trommelfell, mag sich Philipp Humburg nicht vorstellen. "Eine Heckenschere nehme ich nicht in die Hand", gesteht er. "Meinen Apfel schäle ich aber selbst!"

Philipp Humburg hätte durchaus Grund, die Nase ein wenig höher zu tragen oder auf cool und unnahbar zu machen. Denn der junge Radevormwalder hat einiges vorzuweisen: den 1. Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", den einjährigen Aufenthalt am "Musicians Institute Hollywood", der ihm gleich zwei Stipendien einbrachte sowie die Auszeichnung mit dem "Outstanding Player Achievement Award". Dieser Preis geht jedes Jahr an einen außergewöhnlichen Musiker des in Los Angeles gelegenen Instituts.

Solche Mätzchen hat Humburg nicht nötig. Auf Coolness kann er verzichten, wirkt stattdessen offen für Veränderungen und Entwicklungen: Einer, der immer weiter lernen, immer mehr erfahren will. Dem das Miteinander des Musizierens wichtiger ist als der solistische Effekt. "Das Publikum merkt sehr schnell, wenn in einem Ensemble einer nur in seinem eigenen Film steckt", sagt er. Dann verebbe die Energie, sei unter den Musikern keine Kommunikation mehr möglich.

Eher zufällige Liebezur Gitarre

Für einen wie Humburg ein Graus. Denn gerade das freie Spielen im Jazz reizt ihn, das gemeinsame Entwickeln einer musikalischen Linie. Große Namen, renommierte Festivals wie die Leverkusener Jazztage oder das Jazzfestival Rotterdam sind ihm nicht entscheidend. "Klar ist so etwas toll. Aber ich spiele auch vor 15 Leuten." Wenn dann etwas passiert, ein Austausch, eine musikalische Entdeckungsreise, dann blüht Humburg auf. "Es gibt in der Live-Musik Momente, die etwas bewegen, etwas auslösen."

Hineingewachsen in seine Musik ist der junge Radevormwalder ganz selbstverständlich. Eher zufällig nahm er das erste Mal eine Gitarre in die Hand. An der Rader Musikschule e.V. wurde deren Leiter und Gitarrist Bert Fastenrath sein Lehrer. "Der Unterricht war für mich das Highlight der Woche", erinnert sich Philipp Humburg. Eine wichtige Bezugsperson ist Bert Fastenrath heute noch für ihn, Musikpartner und Mentor. Kein Lehrer mehr, eher ein Freund.

"Er hat mich früh vor Publikum vorspielen lassen", erzählt Humburg. Bach und Scarlatti spielte er damals, wechselte dann aber zur E-Gitarre. "In der klassischen Musik ist jede Note notiert. Im Jazz muss man improvisieren."

"Mit Musik kann man Grenzen überwinden"

Phillipp Humburg

Besonders in Hollywood entdeckte er den Jazz für sich, hörte Musikergrößen, wie die Gitarristen von Al Jarreau oder "Earth, Wind and Fire", ging in Jazzbars. "Das Musikhören ist mir sogar noch wichtiger als das Selbstspielen", sagt er. Unbändig neugierig ist er auf Entdeckungen, auf die Erweiterung des eigenen Horizonts, auf das Neue und Andere.

Kürzlich war er in Irland auf Konzertreise, davor war er in Polen auf Tour. Humburg liebt das Unterwegssein, den Auftritt, die Arbeit. Aber er kennt auch die stillen Momente, in denen er für sich übt. "Man braucht Zeit, in der man reifen kann", sagt er.

Sein Studium an der Folkwangschule in Essen ist so ein Refugium, das ihm das Ausprobieren erlaubt, mit Dozenten ebenso wie mit Kommilitonen. "Mit Musik kann man Grenzen überwinden und Menschen kennenlernen, denen man sonst nie begegnet wäre."

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