Namensgebung

Rade träumt von einem eigenen Airbus

Ein Airbus A 321 „Radevormwald“ ist noch der Traum des Landtagsabgeordneten Jens Nettekoven (CDU). Er hat bei der Lufthansa eine Anfrage gestellt. 

Der Landtagsabgeordnete Jens Nettekoven hat bei der Lufthansa die Stadt auf der Höhe vorgeschlagen. Unternehmen hält sich bedeckt.

Von Daniel Dresen

Parteifreunde halten ihn für einen Überflieger, manch politischer Gegner für einen Luftikus. Man kann von Christdemokrat Jens Nettekoven halten, was man will: Kreativität hat er. Der Landtagsabgeordnete für Remscheid und Radevormwald möchte der oberbergischen Kleinstadt eine besondere Ehre erteilen. Beim Lufthansa-Vorsitzenden Carsten Spohr hat er angefragt, ob ein Flugzeug nach Radevormwald benannt werden könnte.

Standpunkt von Daniel Dresen

Diese besondere Form einer Patenschaft pflegt die Stadt Remscheid seit 1970. Zunächst zierte der Name der bergischen Großstadt eine Boeing 737. Auf sie folgte ein Lufthansa-Airbus 321.

Der RGA hat beim Landtagsabgeordneten in Düsseldorf nachgefragt, warum er sich für einen Rader Airbus starkmacht. „Ich fühle mich auch Radevormwald verpflichtet. Ich möchte den Menschen eine besondere Form der Wertschätzung entgegenbringen“, erklärt Nettekoven. Vom Kapitän der Lufthansa-Vorstandscrew, Carsten Spohr, habe der CDU-Mann noch keine Rückmeldung erhalten. Er bleibt aber optimistisch.

Als Soldat im Auslandseinsatz und Politiker nutzt Nettekoven bis heute regelmäßig die Vorzüge des Luftverkehrs. Zuletzt flog er zu den Olympischen Spielen im über 8600 Kilometer entfernten südkoreanischen Pyeongchang. „Wenn ich beruflich nach Berlin muss, fahre ich aber auch gerne mit der Deutschen Bahn“, fügt der Chef der Remscheider CDU an.

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn man in ein Flugzeug oder eine Bahn einsteigt, die einen deutschen Städtenamen trägt.“ Ein Flug im Airbus „Remscheid“ blieb Nettekoven allerdings bislang verwehrt. Die Kosten für eine Patenschaft zwischen Rade und einem Lufthansa-Flieger müssten von Sponsoren getragen werden. Einen Kostenüberblick habe der CDU-Mann derzeit noch nicht. „Wenn wir grünes Licht von der Lufthansa bekommen, werde ich mich um die Finanzierung kümmern, damit der wetterfeste Schriftzug auf dem Flugzeug landet.“

Doch welche Chancen hat die Rader Bewerbung um einen eigenen Airbus? Der Tüpitter hat beim Weltkonzern mit Sitz in Köln nachgehakt, um über den genauen Ablauf einer solchen Patenschaft zu informieren. Aber: Auf die schriftliche Presse-Anfrage, die der RGA bereits am vergangenen Freitag gestellt hatte, reagierte die Lufthansa bis Dienstag nicht.

Auch die Sozialdemokraten begrüßen den Vorstoß Nettekovens

Stattdessen äußert sich die Lokalpolitik. Bürgermeister Johannes Mans möchte Nettekoven bei der Patenschaft zumindest „mental unterstützen“. Abgestimmt hatte sich der CDU-Mann mit Mans im Vorfeld nicht. Rades CDU-Vorsitzender Gerd Uellenberg zeigt sich erfreut über die Idee des Parteikollegen, von der er erst durch den RGA erfahren hat. „Ich finde grundsätzlich alles nicht verkehrt, was unsere Stadt positiv ins Gespräch bringt“, sagt Uellenberg.

Nettekovens Vorschlag stößt auch bei den Sozialdemokraten auf offene Ohren. SPD-Chef Dietmar Stark begrüßt den Vorstoß des Landtagsabgeordneten. „Ein Flugzeug wäre ein wunderbarer Werbeträger für Rade.“ Stark betont aber, dass er bei zu wenigen Sponsoren, eine Finanzierung der Patenschaft durch Steuermittel schwierig fände. Auch Rolf Ebbinghaus, Vorsitzender der Alternativen Liste, deutet Nettekovens Initiative als „eine nette Geste“ gegenüber eines Teils seines neuen Wahlkreises. „Ich glaube nicht, dass sich ein Rader dagegen wehren würde. Allerdings hängt auch die Glückseligkeit der Bürger nicht davon ab.“

TAUFNAMEN

VERKEHR Auf der Internetseite „LH Taufnamen“ werden alle Flugzeuge der Lufthansa-Flotte geführt, die einen deutschen Städtenamen tragen. Neben Remscheid gibt es auch einen Flieger namens Solingen. Geehrt werden auch die Weltmetropolen New York, Tokio, Delhi, Peking, Johannesburg, Wien und Zürich.

Ein Blick zurück nach Remscheid: Zeitzeuge Detlef Franzen, persönlicher Referent unter dem ehemaligen Remscheider Oberbürgermeister Willi Hartkopf, erinnert sich an den Jungfern-Flug des Remscheider Airbusses am 4. März 1970. „Es war ein Rundflug über der Stadt“, schwärmt Franzen heute. Der Flieger war später vor allem in Europa unterwegs, weiß er. „Ob der Airbus Remscheid im Ausland bekannter gemacht hat, da bin ich mir nicht sicher.“

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