Radevormwald und Hückeswagen

Überflutungen: Feuerwehren im Dauereinsatz

Am Dahlerauer Wehr trat die Wupper komplett über die Ufer.
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Am Dahlerauer Wehr trat die Wupper komplett über die Ufer.

„Land unter“: Wupper wird zum reißenden Fluss - Feuerwehr im Dauereinsatz in Radevormwald und Hückewagen. Ein Einsatzschwerpunkt: die Bevertalsperre.

Von Michael Kremer, Stefan Gilsbach und Gunnar Freudenberg

Radevormwald/Hückeswagen. Noch am Vormittag teilte die Feuerwehr mit, es habe keinerlei Einsätze wegen Wasserschäden in Radevormwald gegeben. Das sollte sich ändern. Gegen 18.30 Uhr wurde Sirenenalarm ausgelöst. Der Dauerregen durch Tiefdruckgebiet Bernd hinterließ viele Spuren. Ab dem späten Nachmittag wurde auch in der Bergstadt die Lage ernster.

„Die Wache wird jetzt hochgefahren“, sagte Wehrführer Dietmar Hasenburg. Mehrere Keller im Stadtgebiet liefen voll, auch im Ferienpark Kräwinkel gab es Einsätze. Am heftigsten machten sich die andauernden Regenfälle im Uelfetal bemerkbar. Uelfe und Wupper traten komplett über die Ufer. Kühe drängten sich auf ein letztes grünes Fleckchen. „Die Tiere standen mit den Füßen im Wasser“, so Hasenburg. Das habe sich vor Ort aber zum Glück als nicht lebensgefährlich herausgestellt.

Im Bereich der Ortschaft Oberste Mühle war aus der sonst gemütlich mäandernden Uelfe ein echter Fluss geworden, der dafür sorgte, dass auch das Uelfebad überlief.

Überschwemmungen in Radevormwald und Hückeswagen: Wupper wird zum reißenden Fluss

Am Wupperwehr in Dahlerau wurde die Wupper zum reißenden Fluss. Bäume und Äste hielten dem Druck zum Teil nicht stand und wurden fortgerissen. Die übertretende Wupper sorgte auch für einen Feuerwehreinsatz am Wülfingmuseum, wo mehrere Räume vollliefen.

Auch zum Wülfingmuseum musste die Feuerwehr Radevormwald ausrücken.

Von den Einheiten der Rader Feuerwehr war lange Zeit nur die Löschgruppe Herbeck im Einsatz, berichtete Dietmar Hasenburg, bis am Abend alle Freiwilligen Feuerwehren alarmiert werden mussten. Einige Fahrzeuge hatte die Radevormwalder Feuerwehr nach Hückeswagen und Wipperfürth entsandt, wo sich die Hochwasserlage teils noch dramatischer entwickelte.

Hückeswagen: Am Beverdamm muss die Feuerwehr den Überlauf sichern

„Land unter“ hieß es gestern Abend auch in Hückeswagen. Die Feuerwehr kam mit den Einsätzen kaum nach. Überspülte Straße, vollgelaufene Keller und am Beverdamm musste sogar das Technische Hilfswerk anrücken, um den Überlauf zu sichern. Auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes war mit zwei Ortsvereinen im Einsatz, um die Helfer und Helferinnen anderer Organisationen zu unterstützen. Zur weiteren Koordination der DRK-Kräfte wurde die DRK-Einsatzzentrale besetzt.

Mit Tauchpumpen musste die Feuerwehr in Hückeswagen die in Gebäude eingedrungenen Wassermassen abpumpen.

Den ganzen Tag über standen zumindest viele Straßenränder unter Wasser, weil manche Gullys dann doch verstopften und die Wassermenge nicht mehr aufnehmen konnten. Über die Treppe des Johannisgässchens an der Ecke Friedrich- /Bachstraße schoss das Wasser hinunter. Die Wupper hatte gegen 9.30 Uhr bereits das Ufer der Wupperauen erreicht – zwei Stunden später mussten die Wege und die Wiese vom Bauhof komplett gesperrten werden.

Die Regenfälle hatten nach Angaben von Feuerwehrsprecher Morton Gerhardus in Hückeswagen bis zum Mittag zunächst lediglich für ein paar wenige Einsätze gesorgt. Der erste Alarm ging um 7.12 Uhr bei der Hückeswagener Feuerwehr ein. Mit dem Stichwort „Keller unter Wasser“ wurden die Einsatzkräfte in den Hambüchener Weg gerufen.

Mit Tauchpumpen musste die Feuerwehr in Hückeswagen die in Gebäude eingedrungenen Wassermassen abpumpen.

Zwischenzeitlich wurde der Unwettermeldekopf (UMK) der Feuerwehr besetzt, um die Kreisleitstelle zu entlasten. In der Straße Zum Sportzentrum war der Einlauf des Brunsbachs verstopft. Beim Eintreffen der Feuerwehr war der Baubetriebshof bereits tätig und gewährleistete ein sicheres Abfließen des Wassers.

Gegen 9.30 Uhr ging es für die Feuerwehr zu einem Firmengelände an der Peterstraße. „Dort war das Wasser in eine Produktionshalle eingedrungen“, schildert der Feuerwehr-Sprecher die Lage. Deshalb schützte die Feuerwehr die Eingänge mit Sandsäcken. Der nächste Einsatz führte die Kräfte der Feuerwehr in den Mühlenweg. Dort drückte das Wasser durch einen Sickerschacht aus dem Boden nach oben. Die hauseigenen Pumpen kamen nicht mehr hinterher, so dass mit der Tauchpumpe der Feuerwehr nachgeholfen und der Sickerschacht trockengelegt wurde.

Um 13 Uhr wurde die Bereitschaft der Feuerwehr zunächst aufgehoben. „Hückeswagen befindet sich aktuell immer noch in der Warnstufe rot“, erklärte Morton Gerhardus am Nachmittag. Die Wetterlage könne noch einmal anziehen und auch Gewitter mit sich bringen. Und er sollte recht behalten. Gerhardus: „Wir bitten alle Hückeswagener und Hückeswagenerinnen, vorsichtig zu sein und im Notfall nicht zu zögern und den Notruf zu wählen.“ Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht, denn Tief Bernd sorgte für Wassermassen, die selbst die regenerfahrenen Hückeswagener nur äußerst selten erlebt haben. Am Abend herrschte bei allen Einsatzkräften „Land unter“ - alle verfügbaren Kräfte waren im Einsatz.

Wupperverband in Alarmbereitschaft

Das verdeutlicht Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbands: „Von Dienstagabend bis Mittwoch, 12 Uhr, waren an der Bever-Talsperre 75 Liter pro Quadratmeter gefallen.“ Die Durchschnittsmenge für Juli an dieser Messstelle beträgt 113 Liter – und im weiteren Verlauf des Tages hielt der Himmel seine Schleusen geöffnet. „So haben wir voraussichtlich Mengen, die sonst in einem ganzen Monat fallen oder sogar noch mehr – und das in nur zwei Tagen“, machte Susanne Fischer den Ernst der Lage deutlich.

Der Wupperverband hatte schon in den vergangenen Tagen gewarnt, es könne durch den erwarteten, extremen Regen zu Hochwasser an der Wupper und an deren Zuflüssen kommen. „Bei uns herrscht Alarmbereitschaft“, erklärte die Verbandssprecherin. Damit die Talsperren – auch die Wupper-Talsperre bei Radevormwald – nicht über die Ufer treten, sei in den vergangenen Tagen noch verstärkt Wasser an den Fluss abgegeben worden.

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