Gemeinde

Ohne Defizite lässt sich nicht planen

Die reformierte Kirche am Markt ist das Zentrum des Gemeindelebens.
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Die reformierte Kirche am Markt ist das Zentrum des Gemeindelebens.

Die reformierte Gemeinde steht vor großen Herausforderungen wegen schwindender Mitgliederzahlen und steigender Kosten.

Von Cristina Segovia-Buendía

Schon seit längerem hat sich die evangelisch-reformierte Gemeinde in Radevormwald auf den Weg gemacht, um sich für die Zukunft zu wappnen. Die von ihr geforderten Einsparungen haben den Haushalt im vergangenen Jahr schon deutlich entlastet – und dennoch ist ein Ende des Defizits nicht in Sicht, weil immer wieder neue Probleme auftauchen, sagt Gisela Busch.

Das Defizit von 44.000 Euro, das die Gemeinde im Coronajahr 2020 erwirtschaftete, konnte für das vergangene Jahr 2021 auf 29.000 Euro reduziert werden. „Einige Einsparungen sind uns gelungen, zum Beispiel dadurch, dass wir mit unserem Büro von der Grabenstraße ins Gemeindehaus gezogen sind. Zusätzlich vermieten wir Räume im Gemeindehaus und erhalten dadurch Mieteinnahmen.“

Doch auch im kommenden Jahr, sagt Busch, „lässt es sich ohne Defizit nicht planen.“ Denn die Herausforderungen und Anforderungen steigen. „Kirchen werden ab 2023 umsatzsteuerpflichtig“, sagt Busch. Das bedeutet, dass die Kirchen ihre Einnahmen, die sie nicht aus hoheitlichen Aufgaben erwirtschaftet, wie etwa Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen, Konfirmationsunterricht oder die gesamte Seelsorge, versteuern müssen.

Wenn eine Kirche also eine Kindertagesstätte betreibt, oder im Fall der evangelisch-reformierten Kirche Einnahmen aus Vermietungen oder der Holzwirtschaft erzielt, muss ein Teil davon ans Finanzamt abgeführt werden. „Hinzu kommt, dass bis 2030 mit einem deutlichen Mitgliederrückgang in allen evangelischen Gemeinden Radevormwalds zu rechnen ist.“

Laut Prognosen wird es von aktuell noch 8000 Gläubigen in der Stadt auf der Höhe in acht Jahren knapp 1300 Kirchenmitglieder weniger geben. Die evangelisch-reformierte Kirche zählt seit Jahren konstant 1200 Mitglieder. Trifft die Prognose ein, würde es praktisch eine mittelgroße Gemeinde weniger geben. Schon jetzt, sagt Busch, gebe es eine Arbeitsgruppe der drei evangelischen Gemeinden Radevormwald (Remlingrade-Dahlerau, die lutherische und die reformierte Gemeinde), um nach Lösungen zu suchen.

Ein Ansatz könnte ein gemeinsamer Haushalt sein

Ein Ansatz könnte beispielsweise sein, einen gemeinsamen Haushalt zu führen. Denn einzeln würden sie alle Defizite fahren. Wenn man Tätigkeiten allerdings zusammenlege, erhielten sie möglicherweise einen ausgeglichenen Haushalt.

Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis aber ein dickes Brett, das zu bohren ist. Denn natürlich möchte niemand gerne Aufgaben verlieren. „Es wird aber wohl kein Weg dran vorbeiführen“, sagt Busch. „Denn wenn die Mitgliederzahlen sinken, stehen uns auch immer weniger Pfarrstellen zur Verfügung – abgesehen davon, dass es ohnehin schon weniger Pfarrer gibt.“

Frühzeitig die Weichen für eine solche Situation zu stellen, ist jetzt eine Aufgabe, der sich alle drei Radevormwalder Gemeinden angenommen haben.

Reagiert hat die Gemeinde jetzt auch auf die allgegenwärtige Energiekrise. Das Presbyterium hat beschlossen, in der Kirche am Markt maximal 16 Grad Celsius zu heizen. Dafür wird die obere Etage im Gemeindehaus an der Stauffenbergstraße nicht mehr erwärmt, die Aktivitäten in die Jugendräume verlagert, weil diese sich getrennt voneinander beheizen lassen. Angestrahlt wird die Kirche im Advent nur noch von 17 bis 20 Uhr.

In die Zukunft schaut die evangelisch-reformierte Gemeinde auch in puncto Klimawandel. Durch die von der Jugend der Gemeinde initiierten Aktion „Love for Future“ werden im kommenden Monat (Samstag, 19. November) Obstbäume vor der Friedhofskapelle gepflanzt, vornehmlich die Apfelbäume, die die Brautpaare in diesem Jahr von der Gemeinde geschenkt bekamen. Auf dem Friedhof soll es künftig in unmittelbarer Nähe zu einem Bienenhotel auch eine Wildblumenwiese geben.

Die Jugend wird außerdem bei einer Pflanzaktion im Waldgebiet der Gemeinde „Tolle Juffer“ aktiv werden, um gespendete Vogelkirsch-Setzlinge der Gärtnerei Busch zu pflanzen. „Das sind einige Kleinigkeiten an verschiedenen Stellen, mit denen wir versuchen, unseren Beitrag zu leisten.“

rade-reformiert.ekir.de

Hintergrund

Die reformierte Gemeinde Radevormwald arbeitet derzeit an einem Konzept, das vor sexualisierter Gewalt innerhalb der Gemeinde schützen soll. Abschließend ausgearbeitet ist es zwar noch nicht, fest steht allerdings, dass alle Ehrenamtler schon jetzt ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen – ganz gleich, ob sie im Kinder- und Jugendbereich tätig sind oder in der Verwaltung. Zusätzlich sollen alle Ehrenamtler durch Fachleute im Thema geschult werden.

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