Diskussionsrunde

„ÖPNV muss attraktiver gestaltet werden“

Diskussionsrunde zum Thema Nahverkehr in der Stadt mit der Landtagsabgeordneten Verena Schäffer (3. v. r.).
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Diskussionsrunde zum Thema Nahverkehr in der Stadt mit der Landtagsabgeordneten Verena Schäffer (3. v. r.).

Die Landtagsabgeordnete Verena Schäffer (Grüne) diskutierte in Rade über das Thema Nahverkehr

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. „Der öffentliche Personennahverkehr“, sagt Verena Schäffer nachdenklich, „ist der einzige Bereich, der noch keinen Beitrag zur CO2-Senkung geleistet hat.“ Deswegen, sagt die Landtagsabgeordnete selbstsicher, sei ihrer Partei die Verkehrspolitik so wichtig. Sie gehöre auf den Prüfstand. „ÖPNV muss attraktiver gestaltet werden.“

Von einer Attraktivität im Busverkehr ist Radevormwald sehr weit entfernt, urteilt Bernd Bornewasser, Grünen-Fraktionsmitglied im Stadtrat. „Wir sind hier in einer Schnittstelle von drei Verkehrsverbünden, der Märkische Kreis, der Oberbergische Kreis und der VRR. Wer aus der Stadt raus und wieder rein will, muss zwei, drei Tickets kaufen. Das ist teuer.“ Ein Verbundticket wäre eine gute Lösung, schiebt Schäffer ein. Doch dies gestalte sich schwierig, weiß Bornewasser. Die Verkehrsbelastung sei als Aus- und Einpendlerstadt enorm. Ein attraktives ÖPNV-System, bezahlbar, mit einer guten Taktung und vor allem mit der Erschließung der Gewerbegebiete, glaubt er, würde viele Menschen den Umstieg vom Auto zum Bus schmackhafter machen.

Bürgerbusverein bietet ein wenig Abhilfe

Darüber hinaus sei keine einzige Bushaltestelle in der Stadt barrierefrei. Das beste Beispiel sei der zentrale Busbahnhof selbst, dessen Bürgersteige durch Poller unpassierbar sind für Menschen im Rollstuhl oder Rollator, aber eben auch Eltern mit Kinderwagen. „Radevormwald ist völlig außen vorgelassen und an vielen Stellen einfach abgekoppelt“, betont der Lokalpolitiker.

Ein wenig Abhilfe bietet seit 2004 der Bürgerbusverein, der all jene abgelegenen Ortschaften anfährt, in denen der Bus so gut wie überhaupt nicht fährt, berichtet der Vereinspressesprecher Wolfgang Schneidewind. „Die OVAG (Oberbergische Verkehrsgesellschaft) ist für unseren Bürgerbusverein zuständig. Am Anfang gab es auch eine gute Betreuung, mittlerweile aber hat keiner mehr von denen für uns Zeit“, bemängelt Schneidewind. Sauer ist er, weil die OVAG vor eineinhalb Jahren eine Linie geteilt hat, die nun über Önkfeld fährt. „Normalerweise dürfen wir keine Strecken fahren, die von den normalen Bussen bedient werden. Wir fahren in die Ortschaften rein“, berichtet er. „Doch seit eineinhalb Jahren haben sie unsere Zeiten in Önkfeld genommen, dadurch haben wir nun einen Fahrgastschwund zu verzeichnen.“

Sauer ist Schneidewind aber auch auf das Land, weil dieses dem Bürgerbus die Sonderfahrten strich. „Früher haben wir regelmäßig Kaffeefahrten unternommen. Da haben wir die Leute mit dem Bürgerbus kostenlos zum Ausflugslokal gefahren. Sie mussten vor Ort nur Kaffee und Kuchen zahlen“, erzählt Schneidewind. „Auch die Vorschulkinder des Kindergartens Kottenstraße haben wir einmal im Jahr nach Schloss Burg gefahren. Auch das durften wir dann nicht mehr machen. Wir sollten nur noch auf den lizenzierten Strecken fahren.“

Andererseits, bemängelt der Senior, sollte der Bürgerbus die Menschen im vergangenen Jahr zum Impfzentrum nach Gummersbach fahren. „Wir konnten dann aufgrund der Zeiten nur zwei Fahrgäste mitnehmen, sind eine Stunde hin und eine Stunde zurückgefahren.“

Auch jetzt, mit der Ankunft der Ukraine-Flüchtlinge springt der Bürgerbus ein und fährt diese kostenlos etwa von ihren Wohnorten in Remlingrade zu den Sprachkursen in die Stadt. „Das machen wir dreimal die Woche. Solche Sonderfahrten sind dann erlaubt?“, fragt sich Schneidewind, der den Eindruck hat, dass der Verein vom Land als Notnagel gesehen wird.

„Das finden wir nicht richtig.“ Das kann auch Verena Schäffer verstehen, die verspricht, das Thema mit in den Landtag zu nehmen.

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