Coronavirus

Reiserückkehrer treiben die Inzidenz hoch - Neue Regeln ab Samstag

73 Personen sind aktuell positiv getestet.
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73 Personen sind aktuell positiv getestet.

Kreis setzt auf niedrigschwelliges Impfangebot – Bürger sollen kostenlose Tests nutzen

Oberberg. Seit mehr als einer Woche ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis deutlich gestiegen – so stark, dass das Land wieder verschärfte Corona-Regeln hat, die ab Samstag gelten. Wir geben einen Überblick über die Infektionslage und über die Maßnahmen, die der Kreis ergreifen möchte.

Die aktuellen Corona-Zahlen (22. Juli): Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 14 sowie 73 aktuell Infizierte meldete das Kreisgesundheitsamt am Donnerstag. Damit lag die Inzidenz den achten Tag in Folge über dem Schwellenwert von 10. In Quarantäne befinden sich 263 Personen. Seit Pandemiebeginn wurden 14 560 Oberberger positiv auf Sars-CoV-2 getestet. 250 starben mit oder an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Gestern korrigierten Kreis und Landeszentrum Gesundheit (LZG) die Corona-Zahlen. Durch eine technische Umstellung bei der Übermittlung seien bislang eine Infektion und vier Genesene zu viel registriert worden. Dies sei nun bereinigt worden.

Das Infektionsgeschehen im Nordkreis: In Radevormwald waren drei Personen infiziert, in Hückeswagen eine – und in der Nachbarstadt Wipperfürth ebenfalls drei. Am Vortag waren es in Rade zwei Fälle mehr. Diese Zahlen aus dem Nordkreis blieben über die vergangene Woche hinweg weitgehend stabil. Die meisten Infektionen gab es in Gummersbach (18), Lindlar (10) und Wiehl (8). Regionale Unterschiede bei der Corona-Lage mag der Kreis aber nicht ausmachen.

Der Ursprung der vielen Neuinfektionen: Laut Kreis stünden viele der neuen Fälle in Zusammenhang mit der Urlaubszeit. „Die Zahl der Reise-rückkehrer ist deutlich gestiegen, viele der derzeit positiven Fälle sind Reiserückkehrer“, berichtet Kreissprecherin Iris Trespe auf RGA-Anfrage. In anderen Städten im Bergischen Land machen sich zudem Feiern ohne Abstand bei der EM bemerkbar. Auch rechnen Experten mit einem Anstieg der Zahlen nach dem Hochwasser.

Die Lage auf den Intensivstationen: Der bundesweite Trend zeigt sich auch im Oberbergischen: Während die Zahl der Neuinfektionen deutlich gestiegen ist, verzeichnen die Kreiskrankenhäuser nur wenige Covid-19-Patienten auf ihren Normal- und Intensivstationen. Somit gilt: In immer weniger Fällen besteht bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 die Gefahr, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Acht Covid-Patienten wurden am Donnerstag stationär behandelt, davon fünf intensivmedizinisch. Drei von ihnen wurden beatmet. Laut Intensivregister von Robert-Koch-Institut (RKI) und Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) waren 29 von insgesamt 83 Intensivbetten im Kreis frei.

Die Ausbreitung der Delta-Variante: Die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante hat zugelegt, wie aus Zahlen des Kreises hervorgeht. Demnach stieg der Anteil aller Fälle auf mehr als 58 Prozent, andere Mutationen wurden jüngst gar nicht mehr nachgewiesen.

Die kostenlosen Bürgertests: Die Zahl der kostenlos durchgeführten Bürgertests ist seit Anfang Juni rückläufig. Lag sie zu Beginn des vorangegangenen Monats noch bei fast 65 000 Abstrichen pro Woche, sank die Zahl nun auf weniger als die Hälfte: 27 160 Tests wurden in der vergangenen Woche durchgeführt. Ursache dafür könnte sein, dass mit der Inzidenzstufe 0 nur noch selten ein negatives Testergebnis beziehungsweise der Nachweis einer Genesung oder vollständigen Impfung gebraucht wurde. Aber: Auch Genesene und Geimpfte können das Virus verbreiten, selbst wenn sie selber keine Symptome haben. Daher appelliert der Kreis: „Vorsorgliches Testen vor allem nach der Rückkehr von einer Reise ist sehr sinnvoll, ebenso frühzeitiges Testen bei coronatypischen Symptomen“, sagt Trespe.

Das Impfen und die Impfmüdigkeit: Das Impftempo nimmt ab. Wie aus Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hervorgeht, wurden in den vergangenen Tagen jeweils circa 400 Erstimpfungen durchgeführt. Noch vor einem Monat wurden bis zu 1000 Dosen der Corona-Vakzine an Oberberger verabreicht. Impfen vor Ort wie zum Beispiel am gestrigen Donnerstag auf dem Marktplatz in Radevormwald (| S. 23) sollen ein Wachmacher gegen die Impfmüdigkeit sein. „Durch die mobilen Impfstationen soll ein niederschwelliges Impfangebot unterbreitet werden“, sagt Iris Trespe. Bislang nutzten mehr als 350 Oberberger das spontane Impfen ohne Termin.

Auch nach Hückeswagen und Wipperfürth wird das Impfmobil noch kommen. Laut Kreis sind Impfungen am Montag, 26. Juli, 11 bis 15 Uhr, auf dem Bahnhofsvorplatz in Hückeswagen geplant sowie am Freitag, 30. Juli von 7 bis 13 Uhr auf dem Wipperfürther Marktplatz. Geimpft werden können alle ab 18 Jahren. Gewählt werden kann – je nach Vorrat – zwischen den Vakzinen von Moderna und Johnson & Johnson. Bei Moderna findet die zweite Impfung genau vier Wochen später bei einer weiteren mobilen Impfaktion statt. Bei Johnson & Johnson reicht eine Impfung.

Zudem wird auch im Impfzentrum in Gummersbach täglich von 14 bis 20 Uhr ohne Termin geimpft. Dieses Angebot können auch schon Jugendliche ab 16 Jahre nutzen. Mehr als 1000 Oberberger machten davon Gebrauch. Sowohl zum Impfzentrum als auch zum Impfmobil muss ein gültiger Personalausweis mitgebracht werden.

Ab Samstag gelten verschärfte Regeln

Ab Samstag, 24. Juli, gelten wieder die verschärften Corona-Regeln der Inzidenzstufe 1, wie das Land für den Oberbergischen Kreis festgelegt hat. Damit gibt es etwa wieder Kontaktbeschränkungen und Einschränkungen bei Kultur, Freizeit und Sport – und auch die Maske muss wieder häufiger getragen werden.

Maskenpflicht: Neben Supermarkt, Bus und Bahn, Arztpraxen und weiteren Geschäften des täglichen Bedarfs muss eine medizinische Maske unter anderem in der Nähe von Verkaufsständen und Kassenbereichen getragen werden – auch im Freien. Zudem gibt es spezielle Vorgaben für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern. In den Geschäften gilt nach wie vor das Tragen einer Maske. Laut Corona-Schutzverordnung dürfen nur medizinische Masken – also nach OP-, FFP2- oder höherem Standard – verwendet werden. Soweit Kinder zwischen 6 und 13 Jahren aufgrund der Passform keine medizinische Maske tragen können, ist ersatzweise eine Alltagsmaske zu tragen.

Kontaktbeschränkung: Unabhängig von der Infektionslage gelten für Geimpfte und Genesene keine Kontaktbeschränkungen. Treffen im öffentlichen Raum sind ansonsten ohne Begrenzung erlaubt für Angehörige aus bis zu fünf Haushalten. Außerdem dürfen bis zu 100 Personen mit Test aus beliebig vielen Haushalten zusammenkommen. Laut Corona-Schutzverordnung sei grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Gruppen einzuhalten.

Gastronomie: Sowohl die Außengastronomie, als auch die Innengastronomie dürfen ohne Test öffnen. Möglich ist dies, weil die Inzidenz in NRW ebenfalls unter 35 liegt. Gäste müssen sich wieder schriftlich oder per App registrieren.

Einkaufen: Alle Geschäfte des Einzelhandels dürfen regulär öffnen. Weiterhin gibt es keine Kundenbegrenzung für Geschäfte. Ein Schnelltest oder eine vorherige Terminvereinbarung sind nicht notwendig.

Kultur und Freizeit: Bei Kulturangeboten, die in geschlossenen Räumen stattfinden, gilt eine maximale Teilnehmerzahl von 1000 Gästen. Voraussetzung dafür sind ein fester Sitzplan (Schachbrettmuster mit versetzten Plätzen) und ein negatives Testergebnis der Zuschauer. Bei bis zu 200 Personen entfällt bei Veranstaltungen im Freien die Testpflicht.

Sport: Kontaktsport ist mit bis zu 100 Personen gestattet. Die Testpflicht entfällt, wenn die Landes-Inzidenz in NRW unter 35 liegt, was aktuell der Fall ist. Dies gilt für drinnen und draußen, auch Fitnessstudios öffnen ohne Test. Im Freien dürften unter bestimmten Voraussetzungen mehr als 1000 Personen zuschauen.

Körpernahe Dienstleistungen: Wo Kunden keine Maske tragen können, müssen sowohl der Kunde als auch der Dienstleister einen Schnelltest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. kab/KDow/lho

Standpunkt: Vorsichtig bleiben

Kommentar von Leon Hohmann

leon.hohmann@ rga.de

Es braucht ein gesundes Mittelmaß: Weder ist es in der aktuellen Situation ratsam, komplett auf viel Abstand, eine intensive Hygiene oder auch die Maske zu verzichten. Auf der anderen Seite ist es – psychisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich – auch keine Lösung, dass wir uns immer noch in unseren Wohnungen einigeln. Zwar ist die Corona-Lage noch weit entfernt von dem, was wir noch im Herbst, Winter oder auch Frühjahr gesehen haben, doch die steigenden Infektionszahlen und die stetige Ausbreitung der Delta-Variante sollten allemal Grund zur Vorsicht geben. Auch wer geimpft ist, kann das Virus in sich tragen und (unkontrolliert) verbreiten. Und wer noch nicht geimpft ist, ist ein noch viel höheres Risiko für die Gesellschaft. Impfen, testen, Abstand halten, vorsichtig sein – so sollte daher die Devise für die kommende Zeit lauten. Insbesondere für (geimpfte, genesene) Reiserückkehrer, die gerade dafür sorgen, dass die Infektionszahlen im Oberbergischen Kreis wie in der gesamten Republik wieder in die Höhe schnellen.

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