Energiekrise

Florian Weiskirch: „Niemandem wird sofort der Strom abgedreht“

Florian Weiskirch in seinem Büro im Stadtwerke-Gebäude, das passenderweise an der Straße „Am Gaswerk“ liegt.
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Florian Weiskirch in seinem Büro im Stadtwerke-Gebäude, das passenderweise an der Straße „Am Gaswerk“ liegt.

Stadtwerke erhöhen zum 1. November die Preise. Geschäftsführer Florian Weiskirch erläutert die Hintergründe.

Das Gespräch führte Stefan Gilsbach

Herr Weiskirch, zum 1. August haben die Stadtwerke die Preise erhöht, zum 1. November ist nun eine weitere Anhebung geplant. Was ist der Hintergrund?

Florian Weiskirch: Der Gesetzgeber hat weitere Umlagen eingeführt, außerdem sind die Beschaffungskosten angestiegen. Daher bedarf es einer Anpassung der Gas- und Strompreise. Wir haben uns bewusst für eine sukzessive Anhebung der Preise entschieden, damit die Kunden nicht irgendwann eine große finanzielle Belastung auf einmal trifft. Aus dem gleichen Grund werden wir eine zwölfte Abschlagszahlung einführen, damit die monatlichen Kosten ein Stück weniger belastend sind. Das wird ab Januar 2023 der Fall sein.

Wird es künftig weitere Erhöhungen geben?

Weiskirch: Wir sehen branchenweit einen starken Anstieg der Beschaffungskosten für die kommenden Jahre. Zudem kann es zu weiteren Anpassungen der staatlich veranlassten Umlagen sowie sonstiger Preisbestandteile kommen. Insofern muss spätestens in 2023 mit weiteren Preisanpassungen gerechnet werden.

Was würden Sie jenen Bürgern konkret raten, die sich vor den finanziellen Belastungen der kommenden Monate fürchten.

Weiskirch: Die sicherste Möglichkeit, um die eigenen Kosten zu senken, ist Energie zu sparen. Wer das konsequent tut, kann zehn bis 20 Prozent seines Energieverbrauchs reduzieren, und das entlastet dann unmittelbar das eigene Konto. Wir als Stadtwerke wollen natürlich ein gutes Beispiel geben und haben uns dem Energiesparkonzept der Stadt angeschlossen. Wichtig ist auch, dass wir bei Preisanpassungen absolut transparent kommunizieren, warum diese notwendig sind. Wir bereichern uns nicht an der Krise, sondern sind vielmehr Betroffener, der die Krisenpolitik der Bundesregierung hier vor Ort umsetzen muss.

Manche Menschen legen sich jetzt Radiatoren und Heizlüfter zu? Ist das eine echte Alternative für die Gasheizung?

Weiskirch: Von solchen Maßnahmen halte ich wenig. Radiatoren sind, was den Energieverbrauch betrifft, sehr ineffizient.

Was passiert, wenn ein Kunde tatsächlich seine Gas- und Stromkosten nicht mehr bezahlen kann?

Weiskirch: Niemandem wird sofort das Gas oder der Strom abgedreht. Wir versuchen in einem solchen Fall immer, gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung zu finden, etwa über eine Ratenzahlung. Ohnehin gibt es bei Zahlungsverzug erst einmal Mahnfristen. Letztlich aber sind die Stadtwerke natürlich ein Unternehmen, das auf seine Einnahmen nicht verzichten kann.

„Wichtig ist, dass wir transparent kommunizieren, warum Preisanpassungen nötig sind.“

Florian Weiskirch

Bekommen Sie schon vermehrt Anfragen von Menschen zum Thema Energieversorgung?

Weiskirch: Der Beratungsbedarf hat spürbar zugenommen. Und wir erleben, das viele Radevormwalder nun von anderen Versorgern zu uns als Stadtwerken wechseln. Denn wir sind im Vergleich nach wie vor günstiger als andere Energieunternehmen, das sehen die Bürger etwa auf Vergleichsportalen im Internet. Aufgrund unserer vorausschauenden Einkaufsstrategie wirken sich hohe Preissprünge auf den Großhandelsmärkten nur vergleichsweise moderat auf die Endkundentarifen aus.

Wie beobachten Sie die Gesamtlage auf dem Energiesektor?

Weiskirch: Wir sehen weiterhin an den Großhandelsmärkten für Energie eine extreme Preissituation. Der Börsenpreis einer Gaslieferung für 2023 ist derzeit rund 15 Mal so hoch wie vor anderthalb Jahren. Eine Stromlieferung für 2023 hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verzehnfacht. Die Preisentwicklung ist maßgeblich geprägt von den tagespoltischen Ereignissen im Ukrainekonflikt. Und eine Entspannung ist nicht in Sicht. In der kurzen Frist helfen die milden Temperaturen im Gasmarkt. Auf der anderen Seite wirkt die Trockenheit preistreibend im Strommarkt. Auch wenn der Aufwärtstrend in den vergangenen Tagen leicht rückläufig war, so ist das Preisniveau weiterhin enorm.

In Deutschland wird kontrovers über den richtigen Weg in der Energiekrise gestritten, etwa über die Gasumlage.

Weiskirch: Absolute Priorität muss es sein, den Markt funktionstüchtig zu halten. Aus diesem Grund bin ich, genau wie andere Branchenkollegen, heilfroh über das Rettungspaket für Uniper. Die Folgen wären sonst gerade für die örtlichen Energieversorger katastrophal gewesen. Über die Ausgestaltung der Finanzierung des Rettungspakets kann man sicherlich trefflich streiten.

Hintergrund

Erhöhung: Zum 1. November 2022 erhöhen die Stadtwerke Radevormwald den Gaspreis um 6,99 Cent und den Strompreis um 4,03 Cent pro Kilowattstunde. Die SWR. weisen darauf hin, dass es sich dabei vorerst um Nettopreise handelt. Derzeit geht das Unternehmen von einer Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent aus. Nach dem jetzigen Stand, mit 19 Prozent Mehrwertsteuer, würde die Erhöhung brutto 8,32 Cent für Gas und 4,8 Cent für Strom betragen. In der kommenden Woche werden Informationsschreiben an alle Kunden geschickt.

Fragen: Wer Fragen zu den Gas- und Strompreisen hat, kann sich melden beim Kundenservice der Stadtwerke Radevormwald unter Tel. (0 21 95) 9 13 10 oder per E-Mail an: service@s-w-r.de

Wer seine Abschläge anpassen möchte, kann dies übrigens auch über das Kundenportal auf der Webseite der Stadtwerke erledigen. www.s-w-r.de

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