Nachhaltig

Mode aus zweiter Hand ist gefragt wie selten zuvor

Nicole Michalak (v.l.), Gertrud Hintz und Christa Heilmann gehören zum Team des Second-Hand-Ladens an der Kaiserstraße.
+
Nicole Michalak (v.l.), Gertrud Hintz und Christa Heilmann gehören zum Team des Second-Hand-Ladens an der Kaiserstraße.

Vor zwölf Jahren hat der „Er-Sie-Es“-Laden an der Kaiserstraße eröffnet.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. „Second-Hand“ einzukaufen war niemals richtig out, doch jetzt liegt es wieder richtig im Trend. Die Gründe: Nachhaltigkeit steht bei den einen hoch im Kurs, der Wegwerfgesellschaft wollen viele entgegenwirken. Bei anderen sitzt nach dem Lockdown das Geld nicht mehr so locker. „Es kommen vermehrt Kunden, die aufs Geld achten, oft weil sie in Kurzarbeit sind“, weiß Christa Heilmann aus den Gesprächen. Sie gehört zum engagierten Verkaufsteam im Radevormwalder Second-Hand-Laden „Er-Sie-Es“ an der Kaiserstraße 52.

Im Laden hat jetzt die Winterkollektion Einzug gehalten.

Fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren – am 8. September 2008 – wurde er eröffnet. Eine Idee der Ökumenischen Initiative, die zum Erfolgsmodell wurde. Die Mode gibt es dort für kleines Geld. „Der Höchstpreis beträgt 20 Euro“, sagt Christa Heilmann. „Die Ausnahme sind 25 Euro für einen Smoking.“ Im Endspurt der Sommersaison gab es die T-Shirts sogar für einen Euro.

„Es kommt der Jugendarbeit wie auch der Hospizarbeit zugute.“

Gertrud Hintz, Mitarbeiterin im „Er-Sie-Es“, zur Verwendung des Verkaufserlöses

Im „Er-Sie-Es“ ist man nicht auf Profit aus. Was durch den Verkauf der Kleiderspenden zusammenkommt, fließt in die Sozialprojekte der Ökumenischen Initiative. „Es kommt der Jugendarbeit wie auch der Hospizarbeit zugute“, berichtet Gertrud Hintz. Die Kunden kommen aus Rade und von weiter weg. Wie der Herr aus Schalksmühle, der regelmäßig den Second-Hand-Laden besucht, wie Christa Heilmann erzählt. „Er gibt Kleidung ab und kauft neue.“

Gerade hat sie wieder eine weit gereiste Kundin. Denn die lebt eigentlich in Amerika. Derzeit wohnt sie allerdings in Wiehl und arbeitet aus dem Homeoffice. An diesem Tag besucht sie mit ihrer Mutter den Bruder in Radevormwald und schaut im Second-Hand-Laden vorbei, den sie von früheren Besuchen schon kennt.

Es sind hochwertige Stücke, die Christa Heilmann und ihre Kolleginnen im Angebot haben. Markenkleidung inklusive, wie Bugatti oder Boss. Auch Vintage-Liebhaber kommen zum Stöbern. „Hier kann jeder einkaufen“ – das ist Christa Heilmann und ihren Kolleginnen wichtig. Insgesamt sind sie zu zehnt: sieben Ehrenamtler, eine Kollegin in einer Berufseingliederungsmaßnahme sowie Christa Heilmann und Gertrud Hintz, die sich eine Minijob-Stelle teilen.

Das Geschäft ist heute ein Selbstläufer, erzählt Christa Heilmann. Im Jahr 2008 startete man einst mit Dingen aus Haushaltsauflösungen. Die führte damals die Ökumenische Initiative durch – und die hatte ein volles Lager mit vielen schönen Sachen am Gaswerk in Radevormwald. Die Frage stellte sich: „Wohin damit?“ Die Antwort: Ein Ladengeschäft für die Second-Hand-Ware in der Innenstadt musste her – akkurat und ansprechend aufgemacht.

Christa Heilmann, gelernte Einzelhandelskauffrau, wurde damals von den Initiatoren angesprochen. Sie wusste von dem leerstehenden Ladenraum an der Kaiserstraße und half mit, den Laden aufzubauen. „Du kommst doch aus der Branche, hieß es damals“, erinnert sich die heute 76-Jährige mit einem Schmunzeln. Spaß macht es ihr bis heute. Der Kundenkontakt, das Team – sie würde es vermissen. Das geht auch Gertrud Hintz so. Sie ist mit Christa Heilmann am längsten mit dabei.

Das Möbellager der Ökumenischen Initiative ist vor einigen Jahren an den Standort Wipperfürth gezogen, der Second-Hand-Laden aber blieb am Standort in der Bergstadt. Wer gut erhaltene, saubere Hosen, Kleider, Jacken hat, kann sie gern für den guten Zweck abgeben. Sie werden gesichtet, aufbereitet, mit Preisen ausgezeichnet und nach Größen geordnet einsortiert. Was oft mokiert wird: In Radevormwald fehlt nach wie vor ein Herrenausstatter. Im Second-Hand-Laden gibt es immerhin eine Herrenausstatter-Ecke mit Sakkos, Hemden, Krawatten und Anzügen.

Second-Hand-Laden

Der „Er-Sie-Es“ Second-Hand-Laden an der Kaiserstraße 52 ist montags bis freitags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Mittwochnachmittags und samstags ist geschlossen. Jedes Jahr im Januar gibt es dort auch eine Haushaltswaren-Aktion. Wer dazu etwas spenden möchte, sollte sich aber vorher telefonisch mit dem Verkaufsteam in Verbindung setzten. Kontakt gibt es unter Tel. (0 21 95) 9 35 02 80.

Kommentar: Ein neuer alter Trend

von Claudia Radzwill

rz@rga-online.de

Wer kennt das nicht? Das Kleid, das zwei Jahre im Schrank hängt – einmal getragen. Die Jacke sah im Geschäft toll aus, zu Hause stellt sich dann heraus: Sie ist schwer mit dem zu kombinieren, was im Schrank hängt. Zum Wegwerfen sind die Sachen zu schade. Ist ja nichts dran. Das Zauberwort: Second-Hand-Verwertung. Nachhaltigkeit ist „in“ – nicht erst seit heute. Trödelmärkte gibt es seit jeher, auch Second-Hand-Basare und -Läden sind keine neuen Erfindungen.

In Nicht-Corona-Zeiten gehören der Ferienspaß-Trödelmarkt und der Mittagstisch-Trödel zu den traditionellen Trödel-Events dazu, so wie viele kleine Basare in Kindergärten und anderen Einrichtungen. Das ist schön. Und wer in Läden wie dem „Er-Sie-Es“ vorbeischaut, ist vielleicht sogar überrascht. Von der Vielfalt, von der Qualität und nicht zuletzt vom Preis. Und man liegt mit seinem nachhaltigen Kauf im „neuen alten“ Trend.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Jeden Mittwoch ist am Bauhof Windel-Tag
Jeden Mittwoch ist am Bauhof Windel-Tag
Jeden Mittwoch ist am Bauhof Windel-Tag
Stadt zahlt Soforthilfe für Betroffene aus
Stadt zahlt Soforthilfe für Betroffene aus
Stadt zahlt Soforthilfe für Betroffene aus

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare