Ausfahrt

Mit der „Schwarzen Josephine“ auf die Piste

Rudi Mähler (82) aus Schalksmühle war mit seiner Tornax S250 (Baujahr 1954), auch „Schwarze Josephine“ genannt, in Radevormwald dabei.
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Rudi Mähler (82) aus Schalksmühle war mit seiner Tornax S250 (Baujahr 1954), auch „Schwarze Josephine“ genannt, in Radevormwald dabei.

Mit ihrer Ausfahrt historischer Motorräder lockte die IG Bismarck 84 Zweiradfahrer aus ganz Deutschland nach Radevormwald.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Als großes Freiluft-Museum präsentiert sich am Sonntagmorgen der Rewe-Parkplatz an der Poststraße: Eine knappe Stunde vor der terminierten Ausfahrt um 11.30 Uhr tummeln sich Männer und Frauen mit und ohne Ledermontur auf dem Platz, fachsimpeln an glänzenden Maschinen verschiedenster Marken und Modelle.

Zahlreiche Schaulustige haben sich ebenfalls unter die Teilnehmer der Ausfahrt gemischt und schauen sich interessiert die historischen Motorräder an, erstellen Erinnerungsfotos. Fachleute und Kenner wie etwa Dieter Kasper von der Interessengemeinschaft (IG) Bismarck entdecken dabei prompt die außergewöhnlichsten Modelle unter den vielen Schätzchen.

Ein besonderes Exemplar hat beispielsweise Rudi Mähler aus Schalksmühle im Märkischen Kreis mitgebracht: Seit 25 Jahren gehört die „Schwarze Josephine“, eine Tornax S 250, zum Leben des 82-Jährigen. Das Zweirad, das in Wuppertal fabriziert wurde, hat mehr als 60 Jahre auf dem Buckel, stammt von 1954 und wird von Mähler mit viel Liebe und Leidenschaft gehegt und gepflegt, wie er erzählt: Sein Schätzchen wird nicht nur regelmäßig gewaschen, poliert und ausgefahren. Mähler legt auch regelmäßig selbst Hand an, um sein Zweirad instand zu bringen. Sehr anfällig, verrät er, sei dieses Modell nicht. „Ich hatte schon andere Motorräder, die mich häufiger haben stehen lassen. Aber meine Josephine fährt sehr zuverlässig. Mit ihr hatte ich noch nie Theater.“

Bürgermeister Johannes Mans mit der Startflagge im Beiwagen von Dieter Wandelt.

Seine Liebe zu diesem Modell entdeckte Mähler erst im Alter wieder. „Ich hatte als junger Bursche schon mal eine Tornax, bin mit meiner damaligen Verlobten bis zur Insel Elba gefahren. Das war eine lange Tour“, erinnert er sich zurück und schmunzelt dabei. Bei der Ausfahrt in Radevormwald hat der Sauerländer in den vergangenen Jahren auch schon mal mitgemacht. Er schätzt die tolle Atmosphäre, die interessanten Gespräche untereinander und natürlich die herrliche Landschaft.

Unter den Teilnehmern befindet sich auch Bürgermeister Johannes Mans, der sich die Ausfahrt der IG Bismarck nicht entgehen lassen will. Mit einem eigenen Motorrad ist das Stadtoberhaupt aber nicht am Start. In einem Beiwagen einer weißen BMW R 602 wird er Platz nehmen und sich fahrenlassen, und zwar von einem echten Motorsportprofi. Dieter Wandelt (76) ist 17 Jahre lang Motorradrennen gefahren und war zuletzt bei der Deutschen historischen Motorradmeisterschaft (DHM) besonders erfolgreich. Doch auf Schnelligkeit kommt es an diesem Tag nicht an. Schneller als Tempo 40 wird bei der Ausfahrt nämlich nicht fahren. „Wir nehmen Rücksicht auf unsere langsamsten Teilnehmer“, verkündet Hans-Joachim Sommer, Vorsitzender der IG Bismarck bei seiner Begrüßung.

Für Wandelt ist Mans als Mitfahrer kein Unbekannter. „Er ist schon mal mit mir mitgefahren“, erzählt Wandelt. Mans sei ein pflegeleichter Co-Pilot. Über Wandelts Fahrstil habe er noch nicht gemeckert. „Ich glaube, er hat einfach Spaß dabei.“

Für Hans-Joachim Sommer und Hartmut Behrensmeier ist die diesjährige Ausfahrt schon jetzt ein Erfolg. Sicherlich habe die Ausfahrt, die nun zum sechsten Mal stattfindet, auch schon mal mehr Teilnehmer gehabt, doch mit 84 Anmeldungen könne man zufrieden sein, lassen sie verlauten. Auf dem Rewe-Parkplatz, von wo aus sie nunmehr schon zum zweiten Mal starten, haben sie einen sehr guten Treffpunkt gefunden. „Viele kommen mit Auto und Anhänger an, da brauchen wir schon etwas Platz“, erklärt Behrensmeier.

Kurz vor 11.30 Uhr bricht dann leichte Hektik aus: Die Kradfahrer werden ihren Maschinen nach in Gruppen eingeteilt, die schwersten starten als Erste, die Langsamsten bilden das Schlusslicht. Mit einer Verzögerung von je fünf Minuten starten die Gruppen ins Abenteuer gen Süden in Richtung Wipperfürth bis nach Frielingsdorf, wo die Expedition zum Mittagessen einkehren wird. Von dort aus geht es über Gimborn und Ohl hinauf nach Kupferberg und Kreuzberg zurück zum Startpunkt. Doch an die Rückkehr denkt hier gerade niemand. Die Motoren heulen auf. Der Geruch nach Benzin liegt in der Luft. Mans schwenkt zum Start ein rotes Fähnchen. Und schon geht es los, vor ihnen 60 Kilometer wunderschönes Bergisches Land.

Hintergrund

Leitung: Mit insgesamt fünf Guides fand die geführte Tour durchs Bergische statt.

Rahmenprogramm: Neben dem TuSpo Dahlhausen, der die Verpflegung am Rewe-Parkplatz übernahm, sorgte Hochrad-Weltmeister Hans Rügner für Furore.

Auskunft: Infos über die Aktivitäten der Interessengemeinschaft gibt es auf der Internetseite.

ig-bismarck.de

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