Kitzretter gründen einen Verein

Mit der Drohne auf der Suche nach Rehkitzen

Auf der Suche nach Rehkitzen haben Drohnenflieger Martin Glatter (l.) und Jagdpächter Olaf Brese die Bilder der Drohne auf dem Monitor im Blick.
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Auf der Suche nach Rehkitzen haben Drohnenflieger Martin Glatter (l.) und Jagdpächter Olaf Brese die Bilder der Drohne auf dem Monitor im Blick.

Langsam steigt die Drohne gen Himmel. Konzentriert lässt Martin Glatter sie über das Feld fliegen.

Von Claudia Radzwill

Drohneneinsatz zur Rettung von Rehkitzen, die sich im Gras verstecken.

Zusammen mit Olaf Brese, stellvertretender Vorsitzender der Hegegemeinschaft Radevormwald, zeigt er auf einer Mähwiese an der Ortschaft Hinüber, wie der Einsatz der Drohne zur Kitzrettung funktioniert. „Rehkitze haben noch keinen Fluchtinstinkt. Bei Gefahr ducken sie sich ins hohe Gras, verharren dort regungslos“, erklärt Brese.

Durch dieses Verhalten können die Kitze jetzt im Frühjahr, wenn die Landwirte zur ersten Mahd herausfahren, schnell Opfer der Mähmaschinen werden. Und nicht nur sie. Auch Junghasen und brütende Vögel leben gefährlich. „Landwirte haben kaum eine Chance, beim Mähen die Tiere rechtzeitig zu entdecken. So werden wir alle im Vorhinein aktiv“, sagt Olaf Brese.

Im vergangenen Jahr hatten die Jagdpächter der Hegegemeinschaft, die Landwirte, Naturschützer und die Stadt Radevormwald bereits ein Pilot-Rettungsprojekt gestartet. Eine Premiere, die Erfolg hatte. 43 Kitze wurden vor dem Mähtod bewahrt. „Sie wurden in rund 100 Flugstunden gefunden“, berichtet Olaf Brese.

„Viele Flächen müssen gleichzeitig gemäht werden. Einsätze von Drohnen und Helfern werden daher kombiniert.“

Olaf Brese, stellvertretender Vorsitzender der Hegegemeinschaft Radevormwald
Rehe und vor allem Rehkitze sind im hohen Gras kaum zu sehen. Um vor dem Mähtod zu retten, kommen Drohnen mit Wärmebildkamera zum Einsatz.

Ein Drohnenstart erfolgt zwischen 5 und 8 Uhr morgens. „Da dann die Körper der Tiere im kühlen Gras als heller Punkt im Infrarotbild besser erkennbar sind“, erklärt Brese. Helfer holen die Jungtiere dann aus der Mähwiese. Beim Rettungsprojekt 2020 war sogar Bürgermeister Johannes Mans bei einem Einsatz vor Ort. Bis zu vier Drohnen kamen vor einem Jahr zum Einsatz.

Auch 2021 will die Interessengemeinschaft versuchen, so viele Kitze wie möglich per Drohne aufzuspüren. Olaf Brese hat für sein Jagdrevier bei der Ortschaft Hinüber mit Martin Glatter einen befreundeten Drohnenflieger an seiner Seite. Insgesamt gibt es 15 Reviere im Gebiet der Hegegemeinschaft. Wie viele Drohnen dort in den nächsten Wochen zum Einsatz kommen, kann Brese nicht genau sagen.

Der Einsatz der Drohnen sei auch teuer. Die Interessengemeinschaft ist daher über jede Spende für die Rehkitzrettung dankbar. Die Drohne vom Martin Glatter – einem passionierten Hobby-Drohnenflieger – ist ein Gerät der neusten Generation. Sie fliegt per Handsteuerung, kann aber auch programmiert werden. „Dabei gebe ich die GPS-Koordinaten ein und die Drohne fliegt das Gebiet autark ab“, erklärt er. Jedes Gebiet, jede Wiese für sich. Olaf Brese kann auf dem verbundenen Monitor im Kofferraum von Glatters Wagen das von der Drohne gelieferte Kamerabild mitverfolgen.

Die Koordination des Rettungsprojekts für die einzelnen Jagdreviere und für die Stadt Radevormwald übernimmt Regina Hildebrandt vom Umweltamt, erklärt der Jagdpächter. Der Drohneneinsatz sei wesentlich effektiver als die klassischen Methoden. Trotzdem werden weiter engagierte Menschen gebraucht, die ganz „klassisch“ ein Gebiet durchkämmen. Denn: „Viele Flächen müssen gleichzeitig gemäht werden. Einsätze von Drohnen und Helfern werden daher kombiniert.“

Mit den Landwirten werde abgesprochen, welches Gebiet wann kontrolliert wird. Die Mitglieder der Hegegemeinschaft, die Landwirte, Naturschützer und Mitarbeiter der Stadt freuen sich über jedes gerettete Kitz. „Es ist ein Spagat zwischen Naturschutz und Wirtschaftlichkeit“, erklärt Olaf Brese. Da die Lebensräume für die Wildtiere immer kleiner werden, sei es notwendig, so viele Tiere wie möglich zu retten. Brese: „Da ziehen wir mit dem Projekt Kitzrettung alle an einem Strang.“

Rehkitzrettung

Projekt: Aus der Interessengemeinschaft für die Rehkitzrettung wird jetzt ein Verein (Rader Kitzretter e.V.) gegründet.

Spenden: Der Einsatz der Drohnen zur Kitzrettung muss finanziert werden. Spenden sind daher jederzeit willkommen.

Unterstützer: Um jeweils in Teams losziehen zu können und die Kitze zu retten, werden jedes Jahr freiwillige Helfer gesucht.

Kontakt: Ansprechpartner für alles rund um die Kitzrettung ist Regina Hildebrandt vom Umweltamt der Stadt, Tel. (0 21 95) 606-150.

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