Konzert

Martin Tausch entlockt Seifert-Orgel neue Klänge

Das virtuose Orgelspiel von Martin Tausch übertrug eine Kamera auf eine Leinwand vor dem Kirchenaltar.
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Das virtuose Orgelspiel von Martin Tausch übertrug eine Kamera auf eine Leinwand vor dem Kirchenaltar.

Vom Trauermarsch bis zum „Dick und Doof“-Scherzo.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Schon mal den 1970er-Jahre-Klassiker „Sailing“ von Rod Stewards als Trauermarsch gehört? Oder den Nokia-Klingelton als Walzer? Sicherlich nicht. Das allein ist schon ungewöhnlich genug, doch solche weltlichen Melodien in ungewohnter Form an einem ungewöhnlichen Ort zu hören, wie im Hall einer Kirche, wirkt einfach surreal und doch spannende zugleich. Genau in solch einen seltenen Genuss kamen am Samstagabend die Besucher des Orgelkonzerts, das der österreichische Professor und Pianist Manfred Tausch aus Graz in der Pfarrkirche St. Marien an der Seifert-Orgel zum Besten gab.

Mit dem Charme eines jungen Elton Johns betrat er das Kirchenschiff, um sich dem Publikum vorzustellen. In Begleitung des Radevormwalders Matthias Schwanz, der den Pianisten in seine Heimatstadt gelockt hatte, hießen sie die Besucher willkommen und versprachen ein „interessantes Erlebnis“, wie es Schwanz ausdrückte. Die funkelnde Glitzerbestickung an den Schultern seines schwarzen Shirts ließen schon erahnen, dass hinter dem zunächst ernsten Erscheinungsbild des Österreichers ein wahrer Showman steckt.

Geboren in der Steiermark ließ sich Tausch (Jahrgang 1964) sehr früh schon an Klavier und Orgel ausbilden und wirkte mit lediglich zehn Jahren als liturgischer Organist in seiner Region. Improvisationen weckten schon damals sein Interesse. Zunächst als Autodidakt vertiefte er sein Wissen und perfektionierte sein Können mit einem Studium der Musikerziehung, Kirchenmusik, Klavier, Orgel, Improvisation und Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz.

Ein hochbegabter und talentierter Mann, wie sich nicht nur an seiner Biografie ablesen lässt, sondern vor allem eindrucksvoll an seiner Fingerfertigkeit. Denn auch diese bekamen die Gäste der Pfarrkirche St. Marien ausnahmsweise Mal zu sehen. Für gewöhnlich lassen sich Organisten von Kirchengänger nicht einfach auf die Finger schauen. Nicht weil sie es nicht wollten, sondern weil es schlichtweg bislang nicht ging. Kirchenmusiker sitzen in der Regel hoch oben auf der Orgelempore. In diesem Fall aber übertrug eine Kamera das Spektakel an den Orgeltasten, auf eine kleine Leinwand vor dem Kirchenaltar, ansonsten hätte das Publikum verpasst, wie ein Virtuose seine Finger wie schwerelos über die Klaviatur schweben lässt. Zum Warmwerden spielte Tausch eine schnelle Toccata im süddeutschen Barockstil, eine Melodie, die sich für den ahnungslosen Besucher gut in die kirchliche Umgebung einbinden ließ. Doch schon das zweite Stück, ein Präludium und Fuge im norddeutschen Barockstil, blitzte der Showman auf. Aus dem klassischen Stück „Moldau“ des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana zauberte er eine wohlklingende Variation, die er zugleich mit der Titelmelodie der TV-Serie „Two and a half men“ verschmelzen ließ.

Aus „Sailing“ wurde ein Trauermarsch

Spätestens, als Tausch auf Wunsch der Karnevalsgesellschaft „Rua Kapaaf“ Rod Stewards „Sailing“ als Trauermarsch erklang, konnten sich einige Besucher ihr Lächeln nicht mehr verbergen. Außergewöhnlich fiel auch aus, den bekannten Klingelton des Mobiltelefonherstellers Nokia in einem Walzer zu hören, wobei dieser eigentlich aus drei Takten der 1902 geschriebenen Gitarrenkomposition „Gran Vals“ des spanischen Komponisten Francisco Tárrega stammt. Aus Smetanas Moldau kreierte Tausch schließlich eine rhythmisch wohlklingende Polka. Beeindruckend waren auch Tauschs Impressionen seiner Heimat. Mit „Morgenerwachen am See“ zauberte der Pianist und Organist eine traumhafte Szenerie an einem funkelnden Gewässer mit fröhlichem Vogelgezwitscher, während er mit seinem zweiten Stück „Dampflokomotive“ seine Zuhörer auf eine kleine Bergreise mit der pfeifenden Lokomotive entführte.

Am Ende des fast zweistündigen Konzertes stand eine Symphonie im französischen Stil an, bei der Tausch ebenfalls sein Talent als Improvisateur unter Beweis stellte und etwa die beiden Titelmelodien aus der „Sendung mit der Maus“ und „Dick und Doof“ zu einem wunderbaren Scherzo verschmolz. Völlig zurecht erntete Manfred Tausch langanhaltenden Applaus.

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