Dialekt

Lust an Ruötschem Platt wecken

Rader Plattkaller treffen sich wieder unter der Leitung von „Urgestein“ Hans-Joachim Harnischmacher.
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Rader Plattkaller treffen sich wieder unter der Leitung von „Urgestein“ Hans-Joachim Harnischmacher.

Plattkaller treffen sich zweimal im Monat, um sich „Dönekes zu vertellen“.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Freudig lächelnd begrüßt Hans-Joachim Harnischmacher den Ankömmling im Ristorante Albatros: „Hallo, herzlich willkommen. Hu bist denn du?“, fragt das Rader Urgestein neugierig. Sein Gegenüber strahlt, als er das Ruötscher Platt hört und beginnt seine Erklärung, ebenfalls in der alten Mundart. Dietmar Klingenberg, gebürtiger Herbecker, hatte die Ankündigung in der Zeitung gelesen und sich spontan dazu entschlossen, den Plattkallern in lockerer Runde beizuwohnen, um die alte Sprache zu hören und selbst wieder ein wenig zu sprechen und zu entrosten.

Bei einem kühlen Bier funktionierte das offenkundig besonders gut. Nach wenigen Minuten haut das Rader Urgestein bereits die ersten Dönekes heraus, von Bauer Wilhelm und seinen Umtriebigkeiten. Lustige Anekdoten und Geschichten auf Platt, bei denen man als Auswärtiger sehr genau hinhören muss, um die Pointe überhaupt zu verstehen. Die Männer lachen inbrünstig nach der ersten Anekdote. Der Segen der Wissenden.

Hanna Ottofülling scheint diese Geschichten bereits alle auswendig zu können, sie murmelt sie sogar schon leise mit. Die Stimmung ist ausgelassen, gemütlich. So wie bei einem alten Klassentreffen. Plattkaller unter sich eben. „Sie wissen ja nicht, was das für ein schönes Gefühl ist, einen Rader zu treffen und mit ihm auf Platt reden zu können“, sagt Harnischmacher.

Und genau darum geht es dem 94-Jährigen auch: Lust und Spaß an der Mundart zu wecken, ohne Lerndruck. Seit vielen Jahrzehnten bemüht er sich, die alte Mundart seiner Heimatstadt am Leben zu halten. Doch mit jedem Jahr wird das immer schwieriger. Immer weniger Radevormwalder seien dem Platt mächtig. Nur die wenigsten, sagt er nachdenklich, verstehen die Sprache noch. „Sprechen tun sie noch weniger.“

Lockere Runde inder Kneipe kommt gut an

Um sie zu erhalten, versucht er jetzt einen anderen Weg statt des klassisches Unterrichts. „Man könnte viel über die Grammatik lernen, aber das schreckt viele ab. Sie wollen keinen Unterricht“, weiß Harnischmacher. Um daher noch mehr für dieses Stück Stadtgeschichte zu begeistert, versucht er es nun „auf einer zweiten Schiene“, sagt er. Lustige Geschichten und Witze von einst höre schließlich jeder gerne. Vielleicht, so seine Hoffnung, lassen sich in der lockeren Runde mehr Menschen für die Mundart begeistert und finden, ohne Hemmschwellen, einen Zugang zu ihr, wie etwa auch Dietmar Klingenberg. Seine Großeltern und Eltern sprachen alle Platt. Die Sprache kenne er aus seiner Jugend. Doch heutzutage wende er sie so gut wie nie an. Er verstehe alles, nur beim Sprechen fiele ihm einiges schwer. Es komme ihm nicht mehr so flüssig über die Lippen. Die lockere Runde in der Kneipe gefalle ihm gut. „Jedes Mal werde ich nicht kommen können, aber immer, wenn ich in der Gegend bin, werde ich euch besuchen“, verspricht Klingenberg.

Zur lockeren Runde treffen sich die Plattkaller jeden zweiten und vierten Mittwoch eines Monats um 19.30 Uhr im Ristorante Albatros, Kaiserstraße 101. Jeder ist dazu willkommen. Das nächste Treffen findet am 28. Dezember statt.

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