Stolpersteine

Künstler erinnert an Nazi-Opfer

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in der Burgstraße. Fotos (2): Roland Keusch
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Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in der Burgstraße.

Gunter Deming verlegte am Mittwoch drei seiner Stolpersteine. Viele Rader sehen dabei zu.

Von Antje Dahlhaus

Als der Künstler Gunter Demnig vor 20 Jahren anfing, die ersten Stolpersteine zu verlegen, war das noch illegal. Sein Ziel und das seiner Mitstreiter: Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Am Mittwoch wurden in Radevormwald drei Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Naziregimes im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogrammes erinnern sollen.

In Rädereichen liegt nun dieser Stolperstein.

Gegen 10 Uhr betätigt Demnig das erste Mal den elektrischen Meißel, der ein kleines Quadrat aus dem Bürgersteig an der Elberfelder Straße herausbröckeln wird. Das geschieht vor Publikum. Bürgermeister Johannes Mans und Frank Nipken sind vor Ort, für den Bergischen Geschichtsverein sind neben dem Vorsitzenden Ulrich Haldenwang auch Dörthe Hofschen, Bernhard Priggel vor Ort, die Parteien werden unter anderem durch Rolf Ebbinghaus (AL) und Dietmar Busch (CDU) vertreten.

Hilde Hahne wurde in Limburg umgebracht

Pastor Wolfgang Motte erinnert an der Elberfelder Straße an eine Frau, die in der Hausnummer 118 gewohnt hat und deren nervliche Erkrankung später zu ihrem Todesurteil wurde. Hilde Hahne wurde am 6. Dezember 1894 in Rade geboren, besucht zunächst die Lindenbaumschule und später die Rektoratsschule, deren Nachfolger die heutige Realschule ist. Sie wird Buchhalterin, kandidiert bei der Kommunalwahl 1919 und erkrankt in den 1920er Jahren. 1927 in eine Pflegeanstalt in Düsseldorf eingewiesen, wird sie 1941 in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen/Langenfeld verlegt. „Das war für alle Patienten hier in der Region die Sammelstation“, sagt Pastor Motte: „Sie ist mit 92 weiteren Patienten, die zur Ermordung vorgesehen waren, am 24. Juni 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Hadamar bei Limburg verlegt worden.“ Am selben Tag ist sie dort umgebracht worden.

Standpunkt von Nadja Lehmann

Mit den Erinnerungen kämpfte Hans Dürhager, Neffe von Paula Dürhager, beim nächsten Stolperstein in Rädereichen. Die Familie der geborenen Paula Kirschsieper besaß einen großen Bauernhof in Rädereichen. Die 1893 geborene Paula ist fünf Jahre alt, als der Bauernhof komplett abbrennt. „Das ist 80 Jahre her, dass ich sie zuletzt gesehen habe“, sagt Hans Dürhager und ringt mit Stimme und Erinnerungen. „Da verwischt sich auch manches.“

Sie ist nicht seine einzige enge Verwandte, deren Tod dem Naziregime geschuldet ist, aber eine, die nun in Rädereichen einen kleinen goldglänzenden Gedenkstein hat. Er hat Paula Dürhager im Alter von zwölf Jahren in Tannenhof besucht, auch sein Vater landet im Konzentrationslager, das dieser schwer verletzt, aber lebend wieder verlässt. Seine Tante stirbt 1944 an vorheriger Verseuchung mit Bakterien und verhungert am Ende.

Der dritte Stolperstein wurde in der Burgstraße verlegt und erinnert an Hans Rolf Selbach, einen Verwandten von Petra Ebbinghaus, die seiner dort gedenkt.

Selbach wurde nach einem Treppensturz im Alter von zwei Jahren Epileptiker und mit zwölf Jahren 1942 in einer Heilanstalt in Mönchengladbach eingeliefert, wo man ihn mit Tuberkuloseviren infizierte. Am 20. Mai 1943 wird er mit „40 Knaben und 60 Mädeln“ nach Klagenfurt gebracht, „zum Zwecke der Tötung.“ Der 14-Jährige wird am 1. März 1944 mit einem Barbiturat getötet. Es ist kein leichter Tag für die Angehörigen, auch wenn die Stolpersteine nun an ihre Verwandten erinnern und vor dem Vergessen bewahren.

STOLPERSTEINE

INFO Künstler Gunter Demnig hat sich dem Erinnern verschrieben. Er hat in den letzten 20 Jahren 58600 Gedenksteine verlegt, in 20 Ländern. Sie alle sind Zeugen von geschehenem Unrecht. ORTE In Deutschland gibt es aktuell rund 1200 Orte, an denen seine Stolpersteine zu finden sind. Hier ist es das Naziregime, das er damit dokumentiert.

Als er die ersten davon heimlich installierte, hat sich Gunter Demnig noch nicht vorstellen können, dass man ihm für seine Arbeit eines Tages den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Radevormwald anbieten wird. 

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