Gemeinde

Kirchenfreizeiten werden überrannt

Marco Steckling ist Diakon bei der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep und organisiert die Jugendfreizeiten in Dänemark beziehungsweise Österreich.
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Marco Steckling ist Diakon bei der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep und organisiert die Jugendfreizeiten in Dänemark beziehungsweise Österreich.

Gottesdienste werden von Jugendlichen selten besucht, anders sieht es bei Fahrten aus.

Von Melanie Aprin

Radevormwald. Diakon Marco Steckling (51) erwartet nicht, dass eine Heerschar von Jugendlichen regelmäßig die Gottesdienste seiner Gemeinde stürmt. Schließlich sei der sonntägliche Gottesdienst im Allgemeinen „nicht unbedingt die Art von Event, mit der sich Teenager am Wochenende gerne beschäftigen“. Allerdings sei Kirche mehr als nur der Gottesdienst am Sonntag: Kirche finde auch von Montag bis Samstag statt und gleichermaßen in den Jugendfreizeiten. Und da sehe die Sache schon anders aus. Das gilt vor allem für die Jugendfreizeit, die Steckling im Sommer zum wiederholten Mal organisiert.

Die Teilnehmer loben immer die Stimmung bei den Fahrten

„Natürlich nicht allein“, betont der gebürtige Leverkusener und verweist auf ein Team von zwölf jungen Ehrenämtlern, „die mich bei der Planung und Durchführung tatkräftig unterstützen“. Sie alle eine der Wunsch, „auch im kommenden Sommer wieder 50 Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren ein Erlebnis zu bieten, das viele schon seit Jahren kennen und nicht mehr missen möchten“.

Was sich auch am Run auf die freien Plätze zeigt. Zumal es sich herumgesprochen hat, dass die zweiwöchige Jugendfreizeit der evangelischen Kirchengemeinde Lennep, die im Wechsel mal in Dänemark und mal im österreichischen Saalbach stattfindet, alles andere als uncool ist. Obwohl es gleich am ersten Tag nach der Ankunft eine andächtliche Stille gibt. „Sie stört die Jugendlichen aber ebenso wenig wie die Tischgebete oder der Gottesdienst in der Mitte der Freizeit“, sagt der Diakon und erklärt, dass es jedem Teilnehmer selbst überlassen sei, „sich an den christlichen Ritualen zu beteiligen“. Denn während der Freizeit werde nicht missioniert. Im Gegenteil: „Unser Ziel ist, dass die jungen Menschen von sich aus zu uns kommen und die Freizeit als zweiwöchige Gemeinschaft ohne Zwang und äußeren Druck erleben.“ Das entspreche letztlich auch der Botschaft von Christus: „Dass jeder Mensch so angenommen wird, wie er ist, und sich keiner verstellen muss.“

Dieser Geist sei auch während der Freizeit spürbar: „Hier interessiert es nicht, woher die Jugendlichen kommen, in welchem familiären Umfeld sie leben und ob sie gläubig sind oder nicht.“ Keiner frage danach, auch wenn er sich als Diakon selbstverständlich darüber freue, „wenn durch diese zwei Wochen, die voller Programm stecken, am Ende auch der Wunsch geweckt wird, mehr christliche Kirche zu erleben“. Das komme zum Glück gar nicht so selten vor, und oft würden Jugendliche sich sogar entscheiden, „selbst ein Teamer zu werden und die erlebte Freude an Jüngere weiterzugeben“.

Einer, der sich das für sich auch vorstellen könnte, ist der 17-jährige Leif Becker. Obwohl der sportliche Radevormwalder, der 2024 am Lenneper Röntgen-Gymnasium Abitur machen will, bisher nur zweimal Teilnehmer der evangelischen Freizeit war. Er freut sich, „für den kommenden Sommer wieder einen Platz ergattert zu haben“. Und nicht nur das: „Ich habe außerdem einen Freund überredet, sich auch anzumelden.“ Bedenken, dass es diesem Freund, der wie er kein regelmäßiger Kirchgänger oder praktizierender Christ sei, nicht gefallen könnte, habe er nicht: „Die Stimmung während der Jugendfreizeit ist einfach klasse.“ Jeder sei traurig, wenn es nach zwei Wochen wieder nach Hause gehen würde – unabhängig vom Alter oder Background“.

Und dann ergänzt der angehende Abiturient noch, wie er selbst von der Freizeit erfahren habe: „Ein guter Freund aus meiner Jahrgangsstufe sagte mir, ich solle mich unbedingt auch mal anmelden.“ Dieser Freund sei ebenfalls kein praktizierender Christ und habe sogar muslimische Wurzeln. Weshalb er Diakon Steckling nur Recht geben könne: „Bei dieser Freizeit wird wirklich jeder Teilnehmer so akzeptiert, wie er ist.“ Er fände das toll und würde sich wünschen, „dass es von diesem Spirit mehr in unserer Gesellschaft gibt“.

Zur Person

Diakon Marco Steckling, Jahrgang 1971, ist gebürtiger Leverkusener, zweifacher Familienvater und seit Dezember 2021 Mitarbeiter im Gemeinsamen Pastoralen Amt in der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep. Davor war er 17 Jahre in der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Neukirchen mit der Kinder- und Jugendarbeit betraut. Zuvor hatte er als Jugendleiter in Altenberg und Wuppertal gearbeitet. Außerdem war Steckling drei Jahre Religionslehrer an der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid und leitete drei Jahre die Kircheneintrittsstelle in Köln, wo er mehr als 500 Kircheneintritte vollzog.

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