Glaube

Kirchen verzeichnen Boom bei Feiern

Drei bis fünf Taufen gibt es derzeit pro Woche alleine in der lutherischen Gemeinde.
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Drei bis fünf Taufen gibt es derzeit pro Woche alleine in der lutherischen Gemeinde.

Geistliche zelebrieren viele Trauungen und Taufen.

Von Stefan Gilsbach

Eine Familienfeier im Lockdown, mit Masken vor dem Gesicht und nur begrenzter Personenzahl – so haben sich viele Menschen ihre Hochzeit oder die Taufe ihres Kindes nicht vorgestellt. In den vergangenen Jahren, als die Corona-Wellen ihre Höhepunkte erreichten, wurden viele Trauungen und Taufen auf bessere Zeiten verschoben.

Die sind nun gekommen, und Pfarrer wie Philipp Müller haben alle Hände voll zu tun. „Viele Menschen wollen den Zeitkorridor bis zum Herbst nutzen“, sagt der Geistliche der Lutherischen Kirchengemeinde Radevormwald. Denn dann werden die Infektionszahlen vermutlich wieder steigen und die Coronaschutzkonzepte wieder strenger werden.

Derzeit können Paare und junge Eltern dagegen ihre verschobene kirchliche Hochzeit oder eine Taufe ohne erhebliche Einschränkungen erleben. Und diese Gelegenheit wird ausgiebig genutzt. „Wir haben derzeit ein großes Übergewicht bei den Taufen“, berichtet Philipp Müller. „Wir sind quasi im Dauereinsatz. Pro Woche finden im Moment drei bis fünf Taufen in unserer Gemeinde statt.“ Um das organisatorisch zu schultern, fährt das Seelsorgeteam sozusagen zweigleisig: „Es gibt an jedem zweiten Sonntag eines Monats einen Taufgottesdienst. Und samstags finden dann frei wählbar noch Taufen statt.“ Natürlich soll eine solche kirchliche Feier auch persönlich sein, und so führen die Seelsorger im Vorfeld mit den Familien ausführliche Gespräche. Auch Musikwünsche für den Gottesdienst werden besprochen.

Oft stünde nun parallel zur Hochzeit auch die Taufe an

Gisela Busch, Vorsitzende des Presbyteriums der reformierten Kirchengemeinde Radevormwald, kann den Trend bestätigen: „In unserer Gemeinde gibt es jetzt auch viele Familienfeiern, weil die Menschen Trauungen und Taufen verschoben haben.“ In manchen Fällen habe sich bei den Paaren, die ihre Hochzeit verschoben hätten, auch schon Nachwuchs eingestellt, so dass parallel die Taufe anstehe. Auch Philipp Müller berichtet von solchen Fällen. Offensichtlich seien nicht nur die Terminverschiebungen der Grund, sondern auch eine steigende Zahl von Geburten, so sein Eindruck. Zeigt sich der Boom bei den Familienereignissen auch im Standesamt? Nein, erklärt Standesbeamtin Sandra Rausch – von einem Hochzeitsboom könne keine Rede sein: „Die Zahl der Trauungen ist auf dem normalen Stand, eher etwas weniger als üblich.“ Dabei kann die standesamtliche Hochzeit derzeit wieder ohne größere Einschränkungen gefeiert werden. „Ohne Maskengebot und ohne verpflichtenden Test“, sagt Rausch. Bei Feiern im Bürgerhaus am Schloßmacherplatz ist die Zahl der Anwesenden auf 30 Personen beschränkt, Brautpaar und Standesbeamtin eingeschlossen. „Das hat aber nichts mit dem Coronavirus zu tun, sondern ist den Brandschutzvorschriften in dem Gebäude geschuldet“, betont Sandra Rausch. „Bei anderen beliebten Hochzeitsorten in der Stadt, beispielsweise im Wülfingmuseum oder im Museum für Asiatische Kunst, gibt es solche Beschränkungen nicht.“

Dass die Corona-Pandemie viele Paare bewogen hat, nicht nur die kirchliche, sondern auch die standesamtliche Trauung erst einmal zu verschieben, ist nach den Zahlen von 2021 offensichtlich. Wie das Standesamt bereits im Januar 2022 mitgeteilt hatte, gab es im vergangenen Jahr 94 Trauungen, das sind zehn bis 20 weniger als in den pandemiefreien Jahren bis 2020.

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