Wilhelm Budde

Kioskhändler kapituliert vor Einbrechern

Wilhelm Budde vor dem Safe seines ehemaligen Kiosks: Einbrecher hatten ihn versucht zu öffnen. 

Nach vier Einbrüchen in fünf Jahren schließt Wilhelm Budde seinen Laden am Wuppermarkt.

Von Daniel Dresen und Flora Treiber

Für Wilhelm Budde kam es in den vergangenen Tagen knüppeldick. Erst wurde in seinem Kiosk „Tommy’s Tränke“ am Wuppermarkt in der vergangenen Woche zweimal eingebrochen (RGA vom 2. März), nun hat ihn eine Grippe heimgesucht. Sichtlich geschwächt zeigt Budde dem Tüpitter die Überreste seines 120 Quadratmeter großen Ladens, der Getränke und Schreibwaren führte und auch als Postfiliale genutzt wurde. Seit Dienstag dieser Woche hat er einen Schlussstrich unter den Kioskbetrieb gezogen: Er gibt „Tommy’s Tränke“ auf.

Der vierte Einbruch innerhalb von fünf Jahren hat ihm das Genick gebrochen. An der Ladentür hängt ein roter Zettel „Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen!“.

„Die Versicherungen spielen nicht mehr mit“, resümiert der enttäuschte Geschäftsmann. Trotz Alarmanlage und verstärkter Türen konnten sich die Einbrecher einen Weg zu Zigaretten und Paketen verschaffen. „Sie haben auch ohne Erfolg versucht, den Safe mit einer Flex zu öffnen, aber vermutlich haben sie keine Trennscheiben mehr gehabt“, sagt Budde. In dem Safe befanden sich Briefmarken im Wert von bis zu 25 000 Euro sowie 3000 Euro Bargeld. „Überall hat sich hier im Raum der feine Staub der Flex verteilt und es riecht auch immer noch danach.“ Bei den Einbrüchen hatten es die Täter vor allem auf Zigaretten abgesehen. „Die lassen sich einfach verkaufen“, erklärt der Händler.

HINWEISE

TAT Die Polizei bittet um Hinweise, um den Tätern auf die Schliche zu kommen. Die Einbrüche ereigneten sich in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar sowie vom 28. Februar auf den 1. März. Kontakt zur Polizei: Telefon (0 22 61) 8 19 90. 

SERVICE Die Post AG empfiehlt Bewohnern der Wupperorte folgende Internetadresse: www.postfinder.de

Allein beim Einbruch von Sonntag auf Montag entstand ein Schaden von rund 9000 Euro. Von den Einbrechern fehle derweil jede Spur. Budde vermutet, dass bei dem Doppeleinbruch dieselben Täter zugange waren. „Dadurch, dass wir hier so ruhig und abgelegen liegen, hatten die Einbrecher leichtes Spiel“, sagt Budde. Er nimmt an, dass die Täter nach 22 Uhr in seinen Laden eingestiegen sind. „Weil bei Aldi bis 22 Uhr ja noch Betrieb ist.“ Bereits in der vergangenen Woche habe Budde die Entscheidung getroffen, dass nach dem vierten Einbruch nun Schluss ist. „Es macht keinen Spaß mehr, wenn man morgens reinkommt und es ist alles zerstört.“ Noch stehen einige Getränkekästen im Geschäft. Auch Schreibwarenartikel befinden sich noch in den Regalen. Die Abrechnung mit der Deutschen Post habe Budde bereits gemacht. In den nächsten drei Wochen möchte er das Kioskgeschäft abwickeln. Danach beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. „Ich werde meiner Frau Petra in der Metzgerei gegenüber helfen“, kündigt Budde an. Von seiner Kioskkundschaft konnte er sich nicht verabschieden. „Wenn ich bei Tommy’s Fleischmarkt und Imbiss arbeite, werde ich die Menschen darüber aufklären.“ Zu seinen Kunden zählten vor allem ältere Rader Bürger, die schnell ein Paket abgeben oder für eine Kiste Wasser nicht viele Kilometer zurücklegen wollten.

Auf die Frage, ob den Einbrechern bewusst sei, dass mit ihrer Tat Buddes Existenz als Kioskhändler zerstört wurde, antwortet er resigniert: „Das wird ihnen wohl egal sein.“

Deutsche Post möchte schnelle Nachfolgelösung präsentieren

Die Deutsche Post AG sucht derweil nach einer Lösung für die Wupperortschaften, denn der sogenannte Pflichtstandort für eine Postfiliale muss innerhalb der nächsten drei Monate neu besetzt werden. Das liegt an der dichten Besiedlung der Außenortschaften von Radevormwald. „Wir sind im Gespräch mit Interessenten. Wenn wir bis dahin niemanden finden, der die Filiale übernimmt, müssen wir eigenes Personal stellen“, sagt Britta Töllner von der Pressestelle der Deutschen Post.

Momentan gibt es mit PBS Schwanz am Schlossmacherplatz nur eine Partnerfiliale der Post AG und zusätzlich einige DHL-Paketshops, deren Leistungsangebot jedoch überschaubar ist. „Die Paketshops ersetzen keine Partnerfiliale. Deshalb bemühen wir uns um eine schnelle Lösung“, verspricht Töllner.

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