Kritik

Fuß- und Radverkehr: Jetzt muss die Lokalpolitik entscheiden

Lara Wohland informierte die Teilnehmer des Workshops. Sie ist auch zuständig für Radverkehrsplanung sowie Fußverkehrskonzepte.
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Lara Wohland informierte die Teilnehmer des Workshops. Sie ist auch zuständig für Radverkehrsplanung sowie Fußverkehrskonzepte.

Für das neue Rad- und Wegekonzept wurden Bürger zu einem Abschluss-Workshop ins Bürgerhaus eingeladen.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Ein gutes halbes Jahr haben sich die Verkehrsplaner des Dortmunder Planungsbüros „Planersocietät“ mit dem Fuß- und Radverkehr in Radevormwald beschäftigt, Bürger zu Austauschabenden und Spaziergängen eingeladen, Wünsche aufgenommen und die Problemstellen ausfindig gemacht.

Nach der Bestandsaufnahme und der Analyse folgte am Montagabend die Vorstellung eines empfohlenen Maßnahmenkatalogs für ein verbessertes Rad- und Wegekonzept in der Stadt und die letzte Gelegenheit für die Bürger, nochmals Einfluss darauf zu nehmen. Etwa 20 interessierte Radevormwalder machten davon Gebrauch und nahmen bei ihrer Kritik kein Blatt vor dem Mund. Die Sorge, die sich aus einigen Äußerungen heraushören ließ: Der Maßnahmenkatalog könnte nur eine schöne Bestandsaufnahme mit Handlungsempfehlungen sein, die am Ende keine Umsetzung finden.

Auch die Bushaltestellen wurden unter die Lupe genommen

Verkehrsplanerin Lara Wohland stellte in ihrem Vortrag über den Fußverkehr in der Innenstadt fest, dass einige Lichtsignalanlagen nicht barrierefrei seien. An der Kaiser- und Blumenstraße etwa fehlen abgesenkte Bordsteine an den Einmündungen, und auch fehlende Sitzgelegenheiten, wie etwa auf der Kaiser- und Lessingstraße, hätten die Bürger bemängelt.

Auch die Bushaltestellen wurden unter die Lupe genommen: Für die Haltestelle am Rathaus etwa, deren Seitenbereich laut Planerin sehr schmal ist und keine Sitzmöglichkeiten bietet, schlug sie vor, statt in einer Bucht, wie derzeit vorhanden, den Bus direkt an der Fahrbahn halten zu lassen. Das würde Platz für ein Wartehäuschen mit Sitzgelegenheiten bieten, und zudem führe es dazu, dass der Verkehr in diesem Bereich verlangsamt werde, da die Autos hinter dem haltenden Bus warten müssten. Ein Vorteil auch für den Radverkehr, der in der Innenstadt gefördert werden soll.

Besonders heftig diskutiert wurde sowohl beim Fuß- als auch beim Radverkehr die Situation auf der Hermannstraße. Hier beklagten die Bürger das tägliche Chaos, das durch Elterntaxis vor den Schulen verursacht werde. Von vorgeschlagenen Halteverboten vor den Schulen hielten die Anwesenden nichts, schließlich müssten diese vernünftig kontrolliert werden. Ins Gespräch gebracht wurde stattdessen die Überlegung einer Einbahnstraßenregelung mit einer Zufahrt über die Mühlen- und Friedrichstraße, ebenso wie eine zusätzliche Hol- und Bringzone für Elterntaxis auf der Elberfelder Straße. Ein temporärer Versuch der neuen Verkehrsführung, da waren sich die Teilnehmer einig, wäre sinnvoll.

Deutlich brisanter und ausartender verlief die Diskussion um das Radverkehrskonzept. Dass Radevormwald ein besseres Radnetz vor allem in die Außenortschaften brauche, darüber waren sich die Anwesenden offenkundig einig. Zweifel machten sich allerdings breit, inwiefern die Stadt die vorgeschlagenen Maßnahmen auf den Landes- und Bundesstraßen überhaupt umsetzen könnte. Hier schlug Planer Niklas Rischbieter nämlich vor, auf den Strecken in den Außenorten, wie etwa der L412 bis Heide, der K9 bis Wellingrade oder der L81 bis Honsberg, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf maximal 50 bis 70 km/h zu reduzieren, damit auch der Radverkehr sicher auf der Strecke fahren könne, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.

Tempo in der Innenstadt sollauf 30 km/h reduziert werden

Zur besseren Verträglichkeit der Mischverkehre in der Innenstadt, empfahl Rischbieter, das Tempo grundsätzlich auf 30 km/h zu reduzieren. Um Nutzungskonflikte zwischen Fuß-, Rad- und ruhendem Verkehr zu vermeiden, riet der Planer beispielsweise auf der Kaiserstraße dazu, den Radverkehr auf die Fahrbahn umzuleiten, statt ihn auf den schmalen Bürgersteigen zu belassen. Auf der Hohenfuhrstraße könnten bauliche Mittelstreifen installiert werden, um gefährliche Überholmanöver von Autos zu unterbinden. Für mögliche Fahrradschutzstreifen auf der östlichen Kaiserstraße, die mindestens 1,25 Meter, besser noch 1,50 Meter breit sein sollten, müssten möglicherweise einige Stellplätze entfallen, was die Anwesenden aber für kaum umsetzbar hielten.

Letztendlich, betonte auch Klimamanager Niklas Lajewski, müsste die Politik über die empfohlenen Maßnahmen entscheiden. Genau hier, bemerkten anwesende Lokalpolitiker, liege das Problem.

Hintergrund

Prozedere: Insgesamt hat es seit Mai sechs Beteiligungsmöglichkeiten gegeben. Das Planungsbüro hat zwei Workshops organisiert, einen Planungsspaziergang und eine Radtour sowie zwei Treffen mit Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums und Vertretern der Grundschule Stadt.

Wie geht es weiter? Ende des Jahres soll der Maßnahmenkatalog dem Rat der Stadt vorgestellt werden. Die Umsetzung soll dann zwischen 2023 und 2024 erfolgen.

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