Virus

Interesse an Impfungen steigt wieder

Die Grippeschutzimpfung gewinnt nach Corona wieder an Bedeutung.
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Auch die Grippeschutz-Impfung ist wichtig. Sie sollte möglichst schon jetzt erfolgen, weil die Ärzte eine Grippewelle erwarten und der komplette Impfschutz erst nach 14 Tagen gewährleistet ist.

Nicht nur zur Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 raten Mediziner, auch zu einer möglichst frühen Grippeschutzimpfung.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation, drohende Rezession, Klimawandel – angesichts so vieler Krisen ist die Corona-Pandemie ein Stück weit aus den Schlagzeilen verdrängt worden. An der Schwelle zur kalten Jahreszeit steigen die Infektionen jedoch wieder an. Zugleich erinnern die Gesundheitsbehörden daran, nicht die jährliche Grippeschutz-Impfung zu vergessen. Denn es gibt Anzeichen, dass die Influenza in diesem Winter besonders Fahrt aufnimmt.

In der Praxis von Thomas Splittgerber laufen die Grippe-Impfungen bereits. „Es ist noch kein Hype, eher auf dem normalen Niveau“, sagt der Allgemeinmediziner, der auch Sprecher der Ärzteschaft in Radevormwald ist.

Thomas Splittgerber ist der Sprecher der Rader Ärzte.

Dass man die Grippe nicht unterschätzen sollte, diese Erfahrung machten jüngst die Australier. „Das Coronavirus war dort weitgehend zurückgedrängt, aber dann kam es dort zu einer heftigen Grippewelle“, berichtet Splittgerber. Manche Experten gehen davon aus, dass die Influenza schon früher als sonst in Deutschland akut wird, daher solle man mit der Impfung nicht zu lange warten. Denn die Grippe ist gerade für ältere Menschen und andere Risikogruppen gefährlich. Zudem braucht es etwa zwei Wochen, bis sich der komplette Impfschutz aufbaut.

„Das Coronavirus ist ja im Grunde auch ein besonderer Stamm von Grippeviren“, erklärt Splittgerber. In seiner Praxis wird auch weiterhin gegen SARS CoV-2 geimpft, „derzeit sind es etwa 50 Patienten pro Woche“, sagt er.

Wir verfügen jetzt über ausreichenden und angepassten Impfstoff.

Thomas Splittgerber, Sprecher der Rader Ärzte

Viele wollten sich nun die vierte Auffrischungsimpfung abholen. „Wir verfügen ja jetzt über ausreichenden und angepassten Impfstoff“, sagt der Mediziner. Zum Glück habe sich gezeigt, dass die Omikron-Variante des Coronavirus in den meisten Fällen weniger schwere Symptome hervorrufe. „Wir werden im Herbst und Winter aber zweifellos wieder steigende Fallzahlen haben“, erwartet Splittgerber.

Probleme mit militanten Impfgegnern, von denen manche Arztpraxen berichten, erlebe er zum Glück bei ihm nicht, allerdings seien die Menschen beim Schutz vor Corona zuletzt ein wenig sorglos geworden. „Manche kommen einfach ohne Maske vorm Gesicht in die Praxis“, berichtet der Arzt.

Er hält allerdings für gerechtfertigt, dass die Sicherheitsmaßnahmen im Vergleich zum ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie etwas gelockert wurden. „Der Präsenzunterricht in den Schulen sollte möglichst normal weitergehen“, sagt er überzeugt. Ansonsten drohten dauerhaft negative Folgen für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

Dass das Thema Impfen, speziell gegen Covid-19, derzeit wieder an Fahrt aufnimmt, bemerken auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Trägervereins „aktiv55plus“. „Es kommt mehr zu dem Thema bei uns an“, sagt Koordinatorin Kyra Springer. „Ab und zu kommen auch Anfragen von Senioren, ob wir helfen könnten, den nötigen Bogen auszufüllen.“

Was die persönliche Impfentscheidung angeht, hält sich der Trägerverein jedoch mit Empfehlungen bewusst zurück. „Wenn jemand fragt, ob er die erneute Impfung nehmen soll, verweisen wir an die jeweiligen Hausärzte oder an die Kinder und andere Vertrauenspersonen.“ Am Ende müssten die Menschen dieses Entscheidung natürlich selber treffen.

Das Impfen habe sich gut eingespielt

Springer ist froh, dass sich im Vergleich zum Beginn der Kampagne das Verabreichen der Impfungen gegen Covid 19 eingespielt habe. „Das klappt jetzt gut, da bei den Ärzten und teilweise auch bei den Apotheken Impfungen verabreicht werden“, sagt sie.

Vor zwei Jahren dagegen hatten viele Seniorinnen und Senioren Sorgen, wie sie die lange Distanz zum Impfzentrum in Gummersbach überwinden sollten, wenn sie selber nicht mehr mobil genug waren, mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu kommen.

Kontrovers debattiert wird aktuell die neue Regel, dass Bewohner von Senioreneinrichtungen außerhalb ihres Zimmers eine FFP2-Maske tragen müssen – ist das nicht überzogen?

Kyra Springer, die selber aus dem Pflegesektor kommt, räumt ein, dass sie für beide Seiten Verständnis hat: „Ich kann die Verantwortlichen in den Heimen verstehen. Bei größeren Corona-Ausbrüchen kann es zu Versorgungs-Engpässen kommen, entweder durch zahlreiche Erkrankungen unter den Mitarbeitern oder durch den erhöhten Pflegeaufwand, wenn zahlreiche der Bewohner in einer Einrichtung an Covid-19 erkrankt sind.“

Hintergrund

Risikogruppen: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine vierte Impfung gegen das Coronavirus für Menschen ab 60 Jahren, besonders Gefährdete wie Menschen mit einer Immunschwäche, medizinisches Personal und Bewohner von Pflege­einrichtungen. Was die Grippeimpfung angeht, sieht die Empfehlung ähnlich aus: Senioren, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sowie Menschen mit Grunderkrankungen sollten hier auf Nummer sicher gehen.

Doppelte Impfung: Laut Stiko-Empfehlung ist die gleichzeitige Impfung gegen Covid-19 und Influenza möglich, ein Impfabstand von 14 Tagen unnötig. Allerdings können die Reaktionen stärker ausfallen. Die Impfungen sollten an unterschiedlichen Gliedmaßen verabreicht werden.

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