Radevormwald

Kantor Martin Scheibner geht Ende des Jahres in den Ruhestand

Kantor Martin Scheibner an der Orgel in der Lutherischen Kirche an der Burgstraße. Foto: Claudia Radzwill
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Kantor Martin Scheibner an der Orgel in der Lutherischen Kirche an der Burgstraße.

In seinem Leben gilt: Musik ist Trumpf. Über Jahrzehnte prägte er die Kirchenmusik der evangelisch-lutherische Gemeinde.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Es gibt ein Foto, da sitzt Martin Scheibner auf dem Schoss des Vaters vor dem Harmonium und schlägt die Tasten an. „Ich bin darauf drei oder vier Jahre alt“, sagt der Kantor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde. Musik spielte schon damals eine Rolle in seinem Leben - und sie ließ ihn nicht wieder los. Ende des Jahres geht Martin Scheibner nach über 40 Jahren als Kirchenmusiker in Ruhestand.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, verrät er. „Es ist immer eine schöne Arbeit gewesen, Hand in Hand mit allen Kollegen und Kolleginnen. Aber alles hat seine Zeit.“

Vermissen werde er ganz sicher die regelmäßigen Begegnungen mit den Gemeinde- und den Chormitgliedern, sagt er. Als Kantor leitet Scheibner auch die Chöre der Gemeinde. „Auf eine verschiedene Weise und Ausprägung sind alle, mit denen ich zusammenarbeite, über die Jahre zu Freunden und Freundinnen geworden“, sagt Scheibner. „Uns hält ein tragfähiges Netz und ich hoffe, dass es uns weiter tragen wird.“

Schon während des Studiums arbeitete er in Radevormwald

Mit sechs Jahren trat Martin Scheibner, der in Remscheid aufwuchs, in den dortigen Luther-Kinderchor ein. Er nahm Klavierunterricht, später kam Orgelunterricht dazu. Mit 15 Jahren begann er den C-Kurs für Kirchenmusik in Wuppertal, vertiefte Klavier- und Orgelspiel wie auch Gesang. Zwei Jahre dauerte die Ausbildung. „Damals ist bei mir die Entscheidung gefallen, bei der Kirchenmusik zu bleiben“, blickt Scheibner zurück.
Dazu auch: Scheibners Hobby ist das Holz: Er macht feine Stifte aus uraltem Holz

Nach dem Abitur studierte er Kirchenmusik an der Folkwanghochschule in Essen. Schon während des Studiums war Martin Scheibner nebenberuflich in der Radevormwalder Lutherischen Kirchengemeinde als Kirchenmusiker tätig, nach dem Examen übernahm er die Stelle hauptamtlich.

Die Arbeit mit den Chören lag ihm von Anfang an mit besonders am Herzen. „Früher gab es den Kirchen- und den Paul-Gerhard-Chor. Als es immer weniger Mitglieder in beiden Chören gab, fusionierten wir zu einem, zum Paul-Gerhardt-Chor“, erzählt er.

1995 rief Scheibner den Gospelchor ins Leben. „Als inhaltliche Alternative, ein Chor mit einem anderen Stil und anderer Zielsetzung.“ Dann gibt es noch den Posaunenchor - der heute allerdings nur noch als Quartett auftritt.

Ob Martin Scheibner ein Lieblingsstück hat? „Die Antwort ist schwer. Es gibt so viele schöne Stücke“, erklärt er. Werke barocker Komponisten mag er. Er schätzt „die Klarheit, die Form und die Aussage“. Johann Sebastian Bachs „Dorische Toccata“ gehört zu seinen Lieblingsstücken, wie auch der Orgelchoral „Wachet auf, ruft eine Stimme“ und Beethovens „5. Klavierkonzert“. „Mich nehmen auch immer Werke für Vokalgesang gefangen“, erzählt er. „Die menschliche Stimme ist ein faszinierendes Instrument, das ein Gänsehautgefühl hervorrufen kann.“

Gern erinnert sich Martin Scheibner an die Aufführungen des Weihnachtsoratoriums. Eine Anekdote weiß er auch zu erzählen: „In der damaligen Jugendakademie an der Jahnstraße fanden internationale Jugendorchestertage statt. Ich wurde gefragt, ob ich mit einem schwedischen Trompeter, der nur dafür nach Rade kam, ein Konzert geben würde.“

Die Anreise des Schweden verzögerte sich jedoch und als er ankam, erzählte Cindre Eid - so sein Name - , er habe fünf Jahre lang nicht gespielt. „Wir hatten nur noch zwei Stunden Zeit und ich dachte, das kann ja was werden.“ Es stellte sich jedoch heraus, dass der Schwede zuvor Solo-Trompeter beim Stockholmer Sinfonieorchester gewesen war. „Er war schnell wieder im Spiel drin - und beim Konzert hat dann doch alles wunderbar geklappt.“

Für den Ruhestand wünscht sich Martin Scheibner: „Dass ich mit meiner Frau das Leben noch lange genießen kann.“ Er möchte ein mehr reisen - wenn es wieder geht. Ein Konzert in der Semperoper in Dresden zu besuchen, ist ein Wunsch vom ihm. Außerdem möchte er mehr im Garten machen. Den Kickern der Jedermann-Abteilung des TV Herbeck wird er treu bleiben - wie auch seinem Hobby, dem Handwerken mit Holz. Und die Musik wird im Hause Scheibner weiterhin erklingen.

Abschied mit Konzert und Feierstunde

Für Samstag, 11. Dezember, ist in der Lutherischen Kirche ein Advents- und Weihnachtskonzert mit Chören und Solisten geplant, das letzte unter der Leitung von Kantor Martin Scheibner. Beginn ist um 17 Uhr. Am Sonntag, 23. Januar, wird Scheibner um 10 Uhr in der Lutherischen Kirche verabschiedet. 2020 stellte der Kantor eine Weihnachts-CD zusammen. Es gibt noch Exemplare: martin.scheibner@ekir.de

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