Verkehr

In der Ortschaft Wellringrade wird weiter gerast

Die B 483 führt mitten durch die Ortschaft Wellringrade. Die Winteridylle täuscht: Dort wird gern gerast, anstatt sich ans Tempo 50 zu halten. Foto: Claudia Radzwill
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Die B 483 führt mitten durch die Ortschaft Wellringrade. Die Winteridylle täuscht: Dort wird gern gerast, anstatt sich ans Tempo 50 zu halten.

700 Verwarn- und Bußgeldverfahren sind eingeleitet worden

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Um 4.30 Uhr in der Früh fängt es an. Die ersten Autos rasen an seinem Haus in Wellringrade vorbei. Karl-Heinz Braselmann kann die Uhr danach stellen – und das seit Jahren. „Um diese Zeit sind die Pendler zur Arbeit unterwegs“, sagt er. Doch die Raserei vor seiner Haustür an der Bundesstraße 483 höre damit nicht auf. „Es geht den ganzen Tag so fort“, berichtet er. Dabei gilt in Wellringrade Tempo 50 – denn es handelt sich um eine geschlossene Ortschaft. Was viele Fahrer wohl angesichts der gut ausgebauten Bundesstraße ignorieren.

„Es ist richtig gefährlich“, sagt Braselmann. Mit Sorge blickt er auch schon auf den Frühling. „Dann kommen wieder die Motorradfahrer dazu. Die sind nicht nur schnell, sondern auch laut“, klagt Braselmann. Schon manchen Unfall habe er miterlebt, erzählt er: „Erst kürzlich ist ein Auto wieder von der Straße abgekommen und im Graben gelandet.“ Der Fahrer habe den Wagen mit einem Höllenlärm wieder herausgefahren. „Herausgebuddelt passt besser“, sagt der Anwohner. Dann sei der Fahrer auf und davon.

Nur wenn es – wie derzeit – schneie, kehrt ein wenig Ruhe ein. Dann fahren alle etwas vorsichtiger. Karl-Heinz Braselmann hat wegen der Raser und des Lärms bereits Landrat Jochen Hagt angeschrieben, und er steht mit den örtlichen Behörden in Kontakt. Dabei es sei nicht so, dass man sich nicht kümmere, sagt er. Bürgermeister Johannes Mans war in der Vergangenheit bereits vor Ort. Er versprach Abhilfe.

So wurden 2019 Tempo-Displays – bekannt als „Smileys“ – aufgestellt, je Fahrtrichtung eins. Der erhobene Finger für die Autofahrer. Ob es nützt? „Jein“, sagt Braselmann. Die Anzeige schrecke zwar Autofahrer auf, die sich dann ans Tempolimit halten. „Ich beobachte aber auch, dass es andere Fahrer gibt, die dann drängeln und am Ende über die geschlossene weiße Linie hinweg überholen.“

Erklärung der Kreisverwaltung

Im Herbst 2020 hatte der Kreis einen „Blitzer“ aufgestellt. Karl-Heinz Braselmann hat es in dieser Zeit oft blitzen sehen. Der Trailer habe vom 6. bis 13. Oktober und vom 20. bis 27. Oktober dort gestanden, heißt es auf RGA-Nachfrage dazu von der Pressestelle des Kreises. Die Bußgeldstelle habe dabei rund 700 Verwarn- und Bußgeldverfahren eingeleitet.

Nur kurzzeitig zu messen, sei aber nicht die Lösung, findet Braselmann. Derzeit gebe es keine einzige Tempo-Messstelle in der Ortschaft. Auch die Display-Anzeigen seien im Herbst abgebaut worden. Das hat seinen Grund, erläutert Holger Westhoff vom Radevormwalder Ordnungsamt: „Die Display-Messgeräte sind solarbetrieben. Im Winter werden sie abgebaut, da Kälte und Frost sie beschädigen könnten. Wir werden sie im Frühjahr wieder aufstellen.“

Da das Problem mit den Rasern in Wellringrade dem Ordnungsamt bekannt ist, habe man die Ortschaft aber stets im Blick, sagt Holger Westhoff: „Die Stadt kooperiert in Sachen Temposünder auf der Bundesstraße 483 mit der Polizei, dem Straßenbaulastträger und der Bußgeldstelle des Oberbergischen Kreises.“ Zusätzlich zu den „Smileys“ und den stationären, sichtbaren Blitzern gebe es daher dort auch regelmäßig mobile Radarkontrollen. Ein Unfallschwerpunkt sei die Stelle aber nicht, erklärt Holger Westhoff. Karl-Heinz Braselmann würde lieber fest installierte Starenkästen gegen die Raser haben. „Die müssten im Winter auch nicht abgebaut werden“, sagt er. Auf Nachfrage erklärt die Kreisverwaltung dazu: „Ein fest installierter Blitzer ist an dieser Stelle aktuell nicht geplant.“

Lärmbelästigung

Motorräder: Nicht nur Temposünder werden in Wellringrade beobachtet, im Frühjahr komme die Lärmbelästigung durch Motorräder dazu, berichtet Karl-Heinz Braselmann.

Initiative: Die Stadt Radevormwald gehört seit 2019 der Initiative „Gemeinsam gegen Motorradlärm“ an. Grundlage ist ein Katalog, in dem unter anderem Umweltzonen und Lärmvorschriften der EU auch für Altfahrzeuge gefordert werden. Dabei geht es nicht um eine pauschale Verurteilung der Biker. Nur 20 Prozent von ihnen seien „schwarze Schafe“.

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