Hückeswagen bekommt ein Wirtschaftsgymnasium

Stellen das Wirtschaftsgymnasium vor: (v.li.)Peter Recknagel, Harald Pflitsch, Uwe Ufer, Dr. Hans Marenbach, Lüder Ruschmeyer und Markus Beeh. ©
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Stellen das Wirtschaftsgymnasium vor: (v.li.)Peter Recknagel, Harald Pflitsch, Uwe Ufer, Dr. Hans Marenbach, Lüder Ruschmeyer und Markus Beeh. <br /><i>©

"Ich konnte Shakespeare im Original lesen - aber in England keinen Kaffee bestellen", berichtet Harald Pflitsch aus seiner Jugend. Auch heute noch orientiere sich die Ausbildung zu wenig an der Praxis, ist der Unternehmer überzeugt.

Das wollen er und andere ändern: mit dem "Wirtschaftsgymnasium Hückeswagen - Berufskolleg der Bergischen Wirtschaft". Es gibt schon eine gemeinnützige GmbH und einen Förderverein, im Schuljahr 2010/11 soll es richtig losgehen. Ausgegangen sei man vor zweieinhalb Jahren von der Frage: "Kann Industrie Schule machen?" Mittlerweile sei man überzeugt: "Ja, sie kann - und sogar besser!"

Bürgermeister Uwe Ufer ließ sich sofort einspannen. Für den pädagogischen Teil wurde der ehemalige Leiter der Realschule, Dieter Schruff, ins Boot geholt. Der wiederum verpflichtete Lüder Ruschmeyer als zukünftigen Leiter und Geschäftsführer. Als Firmen standen Pflitsch, Edelstahlgießerei Klaus Kuhn, Joh. Clouth, Recknagel und GIRA mit Rat - und Geld - hinter der Idee. Bei Dr. Hans Marenbach von Pflitsch liefen die Fäden zusammen: "Unser Ziel ist es, eine IHK-Ausbildung mit einem Vollabi zu verbinden."

Schruff: "Nach der 10. Klasse müssten sich die Schüler entscheiden: Ausbildung oder Abitur? Am Wirtschaftsgymnasium bekommen sie beides!""Es gibt entgegen vieler Vorurteile viele sehr engagierte Jugendliche", weiß Peter Recknagel. Und genau die habe man im Auge. "Die wichtigste Eigenschaft der Schüler des Wirtschaftsgymnasiums wird Fleiß sein", schildert Marenbach. Denn sie werden über wenig Freizeit und weniger Ferien verfügen, wenn sie in dreieinhalb Jahren die gymnasiale Oberstufe und eine richtige Berufsausbildung als Industriekaufmann absolvieren. Es werde sich um eine "Excellenzschule" handeln (nicht um eine "Eliteschule").

"Fester Bestandteil wird ein mehrwöchiges Auslandspraktikum", beschreibt Ruschmeyer. Die Wahlmöglichkeiten der Fächer werden eingeschränkt sein. Zusätzlich gebe es dafür etwa "betriebliche Organisationsstruktur" als Fach. "Und bei uns geht es im Unterricht nicht um Bananen oder Orangen - sondern um Stahl oder Kabelverbindungen, eben das, was hier vor Ort interessiert." Die Klassen seien kleiner und besser ausgestattet, zum Beispiel mit Laptops für jeden. Die Schüler werden 3,5 Tage (33 bis 37 Stunden) im Unterricht sitzen und 1,5 Tage im Betrieb arbeiten. Dazu kommen Praktika.

Als Schulgebäude hatte man bisher ans ehemalige Marienhospital gedacht, aber nun sei der Besitzer insolvent. "Es kann sein, dass wir anfangs noch an mehreren Orten verteilt unterrichten", so Marenbach.

Los gehen soll es im Schuljahr 2010/2011 mit 45 Schülern in drei Klassen. Mögliche Kandidaten habe man in den jetzigen 9. Klassen schon viele gefunden. Allerdings brauchen auch alle 45 einen Ausbildungsvertrag, "und das könnte angesichts der wirtschaftlichen Lage etwas schwieriger werden", weiß Marenbach. Ab sofort beginne man daher mit der Werbung in Schulen und Firmen.

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