Heilige Drei Könige

„Hochmotiviert, die Kronen poliert“

Svenja (7 Jahre, von links), Paula (10), Lenja (6), Marla (8), Florin (6) sind dabei, wenn die Heiligen Drei Könige den Segen bringen. Hinten von links: Christian Schulz, Verena Schmidt und Regina Lambert.
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Svenja (7 Jahre, von links), Paula (10), Lenja (6), Marla (8), Florin (6) sind dabei, wenn die Heiligen Drei Könige den Segen bringen. Hinten von links: Christian Schulz, Verena Schmidt und Regina Lambert.

Zum 60. Mal ziehen die Sternsinger am Samstag durch Radevormwald.

Von Stefan Gilsbach

Radevornwald. Die Weihnachtstage und Silvester sind vorbei, aber die große Stunde der Heiligen Drei Könige steht noch bevor. Nach den Herbstferien haben die Organisatoren der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Radevormwald mit der Vorbereitung der Sternsingeraktion 2023 begonnen. Seit zehn Jahren sind Regina und Mathias Lambert dabei federführend. „Damals zog Diana Thiele, die sich jahrelang darum gekümmert hatte, aus der Stadt weg“, berichtet Regina Lambert. Und so hat das Ehepaar die Aktion unter ihre Fittiche genommen.

Seit 1984 sind die Könige auch in den Wupperorten unterwegs

Damit stehen sie in einer Reihe, die sechs Jahrzehnte zurückreicht. Tatsächlich feiert die Sternsingeraktion in diesem Jahr das 60-Jährige. Es war im Jahr 1963, als Fritz Ertel, Leiter der Katholischen Volksschule Blumenstraße und Pfarrer Paul Zimmer zum ersten Mal Kinder zum Sternsingen aussandten. Die katholische Kirchengemeinde übernahm im Jahr darauf die Organisation. In den folgenden Jahrzehnten haben Ehrenamtler wie Hubert Staratschek, Norbert Hufer, Rainer Sagolla und die erwähnte Diana Thiele die jährliche Aktion betreut, bei der nicht nur der Segen gespendet, sondern für einen guten Zweck gesammelt wird.

Auch in den Wupperorten sind die Heiligen Drei Könige unterwegs, im Jahr 1984 wurde dort die Tradition von Klaus Schulze und Rolf-Werner Waldhausen ins Leben gerufen. Zu den Organisatoren gehörten später auch Wolfram Linek, Angelika Schäfer Annette Fuchs und Christina Dargel. Aktuell wird die Aktion von Kathrin Sucharkiewicz betreut.

Die Corona-Pandemie hat der Sternsingeraktion wenig anhaben können. Die Resonanz sei im Großen und Ganzen gleich geblieben, berichtet Regina Lambert. Allerdings wurde der Segensspruch angepasst: „Hochmotiviert/ die Kronen poliert/ und desinfiziert, damit nichts passiert/ stehen wir hier vor Eurer Tür/ und bringen den Segen.“

Im Vergleich zur Zeit vor 60 Jahren ist die Aktion freilich geschrumpft. „In diesen Zeiten waren rund 80 Gruppen in der Stadt unterwegs, heute sind es in Radevormwald 22, in den Wupperorten in der Regel vier bis sechs.“ Vor zehn Jahren wurde das System umgestellt. Wurden einst sämtliche Adressen auf der Liste der Gemeindemitglieder berücksichtigt, so können sich heute jene Haushalte, die gerne einen Besuch der Sternsinger erhalten möchten, anmelden. „Bislang haben wir rund 200 Anmeldungen“, sagt Lambert – das ist der Stand vom 28. Dezember.

Doch wer beim Lesen dieses Artikels den Wunsch verspürt, ebenfalls den Segen der Heiligen Drei Könige zu erhalten, der kann sich problemlos noch bis 7. Januar melden.

An diesem Tag ziehen die Sternsinger-Gruppen dann durch die Stadt, singen, segnen und bringen am Haus das bekannte Zeichen an.
„C+M+B+23“ . Viele sehen in den Buchstaben ein Kürzel für die drei traditionellen Namen der Könige: Caspar, Melchior, Balthasar. Doch eigentlich stehen sie für den lateinischen Satz: „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“. Die Zeichen wurden früher mit Kreide an die Türen gemalt. „Auch heute haben die Kinder noch Kreide dabei, aber auch Aufkleber mit dem Zeichen, denn viele Haustüren sind heute aus Kunststoff, darauf kann man nur schwer mit Kreide schreiben“, erläutert Regina Lambert.

Es gibt keinen Fundusan Kostümen

Wie der Name Sternsinger schon verrät, tragen die Kinder und Jugendlichen bei ihren Besuchen auch Lieder vor. Zum Beispiel „Stern über Bethlehem“ oder „Wir kommen daher aus dem Morgenland“. Es gebe viele schöne moderne Sternsinger-Lieder, aber das Einstudieren brauche Zeit. Die älteren Teilnehmer verzichten gern aufs Singen und rezitieren lieber etwas. Die Verkleidung als Könige mit Kronen und Umhang wird selber gebastelt oder genäht. „Wir haben keinen Fundus an Kostümen“, sagt die Organisatorin. Und so werden auch mal Vorhänge und Teppiche zweckentfremdet. Einer der Könige wird traditionell als Schwarzer dargestellt, der Name wechselt dabei, mal ist es Caspar, mal Melchior. So mancher hat heute ein ungutes Gefühl, wenn Weiße sich per Schminke zum Schwarzen machen – Stichwort „Blackfacing“. Andere wiederum wittern in diesen Bedenken „Cancel Culture“.

„Also, bei uns ist das kein kontroverses Thema“, versichert Regina Lambert. In den vergangenen Jahren sei kein Sternsinger geschminkt worden, aber es gebe auch kein „Verbot“. Die Rader Sternsinger können sich übrigens rühmen, dass der Hüter des berühmten Dreikönigsschreins, der Kölner Dompropst Guido Assmann, ebenfalls ein Radevormwalder ist. In dem kostbaren goldenen Schrein sollen die Gebeine der echten Könige ruhen. Ob man das glaubt, muss jeder selbst für sich entscheiden. Die Idee der Drei Könige lebt auf jeden Fall – dank der engagierten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen.

Hintergrund

Die Aktion: Das Spendensammeln der Sternsinger gilt als größte Solidaritätsaktion weltweit. In diesem Jahr wird der Erlös für ein Projekt in Indonesien verwendet, das Kinder schützt.

Anmeldungen: zum Besuch der können per E-Mail (Sternsinger-Rade@web.de), über die Sternsinger-Hotline unter Tel. (0160)  98305161 (kein Whatsapp) oder über das Pastoralbüro unter Tel. (02195) 1220 abgegeben werden.

Aussendung: Der Aussendungsgottesdienst in Radevormwald findet am Freitag, 6. Januar, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Marien statt. Im Anschluss besuchen die Sternsinger die Seniorenheime. Am Samstag, 7. Januar, werden dann die angemeldeten Haushalte besucht.

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