Neue Termine

Hilferuf einer Seniorin: „Bitte spendet Blut!“

Sigrid Hoge muss ihre Hüft-OP verschieben. Für die 82-Jährige, die an Schmerzen leidet, ist das sehr unangenehm.
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Sigrid Hoge muss ihre Hüft-OP verschieben. Für die 82-Jährige, die an Schmerzen leidet, ist das sehr unangenehm.

Eine Hüft-OP von Sigrid Hoge im Sana-Krankenhaus musste wegen zu wenig Blutkonserven verschoben werden.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Sigrid Hoge hat seit einiger Zeit Probleme mit der Hüfte. „Ich habe Schmerzen und bin auf Gehhilfen angewiesen“, sagt die 82-Jährige aus Radevormwald. Sie hatte gehofft, dass eine Operation sie wieder schmerzfrei und mobiler machen würde. Doch der bereits vereinbarte Eingriff im Sana-Krankenhaus Radevormwald musste nun verschoben werden. Der Grund: Es gibt zu wenig Blutkonserven.

„Ich mache der Klinik keinen Vorwurf“, stellt die Seniorin klar. Dort sei man stets freundlich und fürsorglich gewesen, der operierende Arzt habe sie persönlich angerufen und ihr mitgeteilt, dass die Operation leider noch nicht stattfinden könne.

Dennoch: Die Aussicht, noch länger mit den schmerzhaften Hüftprobleme ausharren zu müssen, ist für Sigrid Hoge hart. Aus diesem Grund hat sie sich an unsere Redaktion gewandt und bittet: „Machen Sie auf das Problem mit den Blutkonserven aufmerksam.“ Zu wenig Menschen seien offensichtlich bereit, sich an den Spendenaktionen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu beteiligen. Sie selber und ihr Ehemann haben sich in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen: „Ich habe bereits 60 Mal Blut gespendet, mein Mann sogar 73 Mal.“

Beim Sana-Krankenhaus in Radevormwald bestätigt man, dass eine Reihe von Eingriffen aktuell verschoben werden muss. „Seit zwei Wochen ist es tatsächlich so,  dass wir einen größeren Mangel an Blutkonserven zu beklagen haben. Aus diesem Grund mussten über zehn nicht medizinisch dringend erforderliche Operationen (elektive Eingriffe) verschoben werden“, erläutert Dr. Martin Ulatowski, Ärztlicher Direktor am Sana Krankenhaus in der Bergstadt. „Die Notfallversorgung ist aber derzeit noch gesichert, aufgrund der Einsparung bei Elektivoperationen. Wir hoffen , dass sich die Lage weiter entspannt und wir ab der nächsten bzw. übernächsten Woche wieder normal operieren können. Mein Appell: Wer gesund ist, sollte jetzt Blut spenden“.

Nach ihren persönlichen Erfahrungen seien es vor allem junge Menschen, die mit dem Thema Blutspenden wenig anfangen können, meint Sigrid Hoge. Sie selber wirbt in ihrem Bekanntenkreis dafür: „Ich spreche alle Menschen darauf an.“ Allerdings hat die 82-Jährige auch den Eindruck, dass die Gelegenheiten zum Blutspenden früher in Radevormwald häufiger waren.

Manfred Kaiser, Vorsitzender der DRK-Ortsvereins Radevormwald, erklärt dazu: „Wir veranstalten pro Jahr üblicherweise acht Termine, das sind vier Haupttermine und eine Woche später noch einen Nachtermin, beispielsweise für Berufstätige, die Schichtdienst haben.“ Für dieses Jahr seien allerdings nur drei Haupttermine geplant. Einen starken Einbruch bei den Spenden vor Ort gebe es nicht, sagt Kaiser. „Obwohl durch die Corona-Pandemie etwas weniger Menschen gekommen sind.“ Im ländlichen Bereich gebe es zum Glück noch eine feste Klientel, die regelmäßig Blut spende „In der Regel haben wir bei den Hauptterminen 160 bis 180 Spenden, es kommen dann auch üblicherweise fünf bis zehn Neuspender, darunter ebenfalls junge Menschen.“

Auch bei den Rotkreuzlern des Ortsvereins Dahlhausen kann man, was die Zahl der Spender angeht, nicht klagen. „Toi, toi, toi – wir sind zufrieden, bei uns ist die Resonanz gleichbleibend gut“, sagt der Vorsitzende Dirk Neubauer. Ein wenig zurückgegangen sei die Zahl im vergangenen Jahr schon, aber auf hohem Niveau: „2021 hatten wir 399 Spenden, 2022 waren es 354.“

Als Dankeschön bietet das DRK Dahlhausen stets einen Imbiss an. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie können inzwischen wieder aufgehoben werden. „Wir sind aber aus Platzgründen noch nicht zum früheren Buffet zurückgekehrt, weil der Bürgertreff am Siedlungsweg noch umgebaut wird“, erläutert der Vorsitzende. Aktuell finden die Blutspenden im Gemeindehaus Herkingrade statt.

„Das Bergische Land, gerade der Oberbergische Kreis, ist eine spendenfreudige Region“, bestätigt Stefan David Küpper, Sprecher des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten  Kreuzes. „Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle.“ In Großstädten wie Köln und Leverkusen habe man diesen festen Stamm an Blutspendern weniger. „Deshalb macht uns beim DRK auch schon ein geringer Rückgang in Regionen wie dem Bergischen Land Sorgen, weil diese Gebiete für uns sozusagen immer eine sichere Bank waren.“ Solche Entwicklungen führten über einen längeren Zeitraum zu der aktuellen Situation mit einem Mangel an Blutpräparaten. Abgezeichnet habe sich das bereits im Oktober, im Januar habe das Rote Kreuz dann Alarm geschlagen. „In den Krankenhäusern gibt es natürlich eine Reserve für Notfälle“, erläutert Küpper. Aber Operationen, die nicht unmittelbar lebensrettend sind, müssten derzeit  warten.

Dass junge Menschen weniger bereit sind, Blut zu spenden, kann Küpper bestätigen. „Das liegt auch an der Tatsache, dass junge Menschen, die noch keinen festen Lebensmittelpunkt gefunden haben, sich deutlich seltener bei der Blutspende sehen lassen. Wer sich irgendwo fest niedergelassen habe, sei eher bereit, sich dafür zu engagieren.

Nächste Termine

Stadt Donnerstag, 13. April, 15 bis 19.30 Uhr, GGS Stadt, Carl-Diem-Straße (Eingang Hohenfuhrplatz); Donnerstag, 4. Mai, 15 bis 19.30 Uhr, DRK-Haus, Carl-Diem-Straße 7; Donnerstag, 6. Juli, 15 bis 19.30 Uhr, GGS Stadt.

Wupperorte Dienstag, 21. März, 16 bis 20 Uhr, Gemeindehaus Herkingrade; Dienstag, 27. Juni, 16 bis 20 Uhr, Bürgertreff Dahlerau, Siedlungsweg 24.

Anmeldung zu den Terminen erfolgt online unter: www.blutspende.jetzt

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