Hier wird das Ehrenamt großgeschrieben

Pastor Peter Bernshausen (v. l.), Fabian Busch, Alexandra Bosniakowsky, Ulrike Bischoff und Dana Herzog betrachten die Fotos vom Gemeindehaus.
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Pastor Peter Bernshausen (v. l.), Fabian Busch, Alexandra Bosniakowsky, Ulrike Bischoff und Dana Herzog betrachten die Fotos vom Gemeindehaus.

In Erinnerungen schwelgen beim Tag der offenen Tür: Gemeindehaus in Dahlerau steht seit 40 Jahren.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Fotos einer lang zurückliegenden Zeit hängen hübsch sortiert an einer Wäscheleine, umrahmt von verschiedenen kleinen Zeitungsartikeln, die den Weg zeichnen, den die Gemeinde vor nunmehr 40 Jahren zurücklegte. Ein Weg, der es heute möglich macht, in einem lichtdurchfluteten Saal, bei Grillwürstchen, Kaffee und Kuchen ein rundes Jubiläum zu feiern. Herzlich lächelt auch Klaus Ley (80) beim Anblick der alten Baustellenfotos, die ihn mit einem Schlag gedanklich in jene Zeit, Anfang der 1980er Jahre, zurückversetzen. Er selbst war damals 40 Jahre alt und erlebte in seiner Gemeinde eine gewaltige Aufbruchsstimmung.

Bis zum Bau ihres ersten Gemeindehauses im Jahr 1982 trafen sich die Mitglieder der Freien Evangelischen Gemeinde Dahlerau, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit über 100 Jahren existierte, im Haus der Familie Ley in der Kirchstraße. „Ich bin als Kind über dem früheren Gemeindesaal aufgewachsen. Viele mögen meinen, dass das der Grund war, warum ich Mitglied wurde. Aber es war eine sehr persönliche Entscheidung, weil ich hier Jesus Christus gefunden habe“, sagt Ley, der mittlerweile seit 60 Jahren Gemeindemitglied ist und bis heute nie seine Entscheidung bereut hat oder gar infrage stellte.

Die Freien Protestanten in Dahlerau, sagt auch Peter Bernshausen, seit 2019 Pastor der Gemeinde, seien besonders: Das Ehrenamt sei seit mittlerweile 146 Jahren ein wichtiger Bestandteil dieser Gemeinde, stellt der Geistliche anerkennend fest. Und bis 2013 wurden auch Predigt, Seelsorge und Verwaltung der Gemeinde ehrenamtlich gestemmt. Als der letzte ehrenamtliche Gemeindeleiter 2012 ging und niemand Neues für den Posten gefunden wurde, stellte die Gemeinde erstmals mit Matthias Ekelmann einen hauptamtlichen Pastor ein, Bernshausens Vorgänger.

Ehrenamt wurde auch beim Bau des Gemeindehauses vor 40 Jahren großgeschrieben: Weil die Mitgliederanzahl damals stetig wuchs, brauchte die kleine Gemeinde ein eigenes Domizil. „Wir waren etwa 50 Mitglieder, als die Gemeinde beschloss, ein eigenes Haus zu bauen“, erinnert sich Klaus Ley, dessen Bruder Hans Walter gemeinsam mit Karl Ernst Behling über mehrere Jahrzehnte die ehrenamtliche Gemeindeleitung innehatte. Zwei Männer, die für Aufbruchsstimmung sorgten und die Gemeinde auch inhaltlich nachhaltig prägten. 818 000 Deutsche Mark ließ sich die Gemeinde ihr neues Domizil kosten. „Das war ein schwerer Brocken für uns.“ Doch das Gottvertrauen, den richtigen Schritt zu gehen, war größer als die Angst vor den immensen Schulden.

Stein um Stein wuchs das Gemeindehaus an der Kirchstraße 25 am Eingang zu Dahlerau Die Gemeindemitglieder füllen es nach wie vor mit viel Leben. Doch mit Mitgliederschwund haben auch die freien Protestanten derzeit zu kämpfen. „Es ist aber nach wie vor eine sehr aktive Gemeinde“, sagt Bernshausen. Die Entscheidung zur Mitgliedschaft wird hier allerdings nicht von Eltern bei der Taufe, als Kind bei einer Kommunion oder als Heranwachsender bei einer Firmung getroffen. „Das gibt es bei uns gar nicht“, erklärt Bernshausen. Denn erst mit 18 Jahren können Gläubige eintreten.

Bibelunterricht für Kinder gibt es dort aber trotzdem. Im Geiste sind die Mitglieder hier nämlich nicht weit von der Evangelischen Landeskirche entfernt. Ihr Vorteil ist allerdings, dass sie Ausrichtung und Gemeindeleben sehr selbstbestimmt entscheiden können. „Klar gehören auch wir einem Verband von freien Kirchen an, aber hier entscheiden die Gemeindemitglieder selbst“, betont der Pastor. Das sei in der heutigen Zeit der Kirchenaustritte ein wertvolles Werkzeug. Denn mit dem Austritt quittieren die meisten nicht gleich ihren Glauben.

Konstruktiv mitgestaltenüber die Gemeinde hinaus

Mitgestaltung ist ein großes Leitmotiv der freien Protestanten, das Pastor Bernshausen nun auch außerhalb der Gemeindemauern ausweiten will. „Für die Zukunft wollen wir bürgerschaftliches Engagement weiter steigen, sind schon jetzt in den Wupperkonferenzen aktiv und bei der Arbeit des Quartiersmanagers, um unseren Ort mitzugestalten.“ Auch jungen Menschen und Familien will die Gemeinde noch stärker eine Heimat bieten.

Hintergrund

Mitglieder: Derzeit zählt die Freie evangelische Gemeinde Dahlerau rund 50 Mitglieder, etwa die gleiche Zahl wie beim Bau des Gemeindehauses.

Standort: Gegründet in Dahlerau, will die Freie Evangelische Gemeinde auch in Zukunft an ihren Standort festhalten. Mit der anderen Freien Evangelischen Gemeinde in Grafweg unterhält Dahlerau ein freundschaftliches Verhältnis. Angedacht isti auch schon mal gewesen, eine Kooperation und ein Zusammenschluss mit einem zentralen Gemeindehaus in Radevormwald.  Doch die Verwurzelung der beiden Gemeinden in ihren Ortschaften wiegt bislang schwerer.

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