Eine andere Art von Politikunterricht

Gymnasiasten simulieren die Landtagswahl

Miled (l.) und Wahlhelfer Jonas bei der Juniorwahl im Theodor-Heuss-Gymnasium.
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Miled (l.) und Wahlhelfer Jonas bei der Juniorwahl im Theodor-Heuss-Gymnasium.

In NRW beteiligen sich Jugendliche aus 807 Schulen an der Juniorwahl.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Ausweiskontrolle am Eingang zum Wahllokal des Theodor-Heuss-Gymnasiums: Die beiden 16-jährigen Jonas und Frederick bitten ihre Mitschüler, Wahlbenachrichtigung und Ausweis vorzuzeigen. Wer seine Dokumente beisammen hat, bekommt den Wahlzettel und darf wählen. Die Schüler verschwinden einzeln hinter in den Wahlkabinen, machen ihre Kreuzchen, falten den langen Zettel zusammen und gehen damit zur Wahlurne. Geschafft.

„Ich finde es interessant und eine andere Art von Politikunterricht, wenn Minderjährige einen solchen Wahlprozess mitmachen können“, urteilt Miled. Die 17-Jährige interessiert sich für Politik, verfolgt das Geschehen immer wieder über die Nachrichten. Doch vor der Wahl hat sie sich intensiver mit den Parteien und ihren Programmen auseinandergesetzt: „Mir war wichtig, dass sich die Partei für sozial Schwache und Gleichberechtigung einsetzt“, sagt Miled. „Außerdem sollte es keine Partei sein, die viel verspricht und nichts umsetzt.“ Die Juniorwahl, berichtet sie weiter, habe sie zusätzlich motiviert, bei nächster Gelegenheit an einer echten Wahl teilzunehmen.

Wahlausgang wird erst am Sonntag veröffentlicht

Das wollen auch Anastasia (16) und Lia (17). „Ich habe mir vorgenommen, jedes Mal wählen zu gehen, weil es wichtig ist, seine Stimme abzugeben und so die politische Richtung im Land mitzubestimmen“, sagt Lia. Ihr persönlich sind Umweltschutz und Flüchtlingspolitik sehr wichtig. Anastasia dagegen legt wert darauf, dass die Jugend berücksichtigt, den sozial Schwächeren geholfen und Digitalisierung vorangetrieben wird. Eine politische Stimmabgabe über die Juniorwahl zu trainieren, finden beide sehr gut. „Das gibt einem ein Gefühl dafür, wie es später sein wird. Außerdem bringt es einen dazu, sich auch mit den Parteien auseinanderzusetzen.“

Für Lehrerin Kristina Bickenbach ist die simulierte Wahl ein gutes Mittel, um Schülern Politik ganz praktisch zu vermitteln: „Die Juniorwahl ist ein handlungsorientierter Ansatz. Normalerweise erlebt man in der Schule viel Theorie, hier geht es mal ganz praktisch zu.“ Was wird für eine Wahl gebraucht? Welche Dokumente müssen mitgebracht werden? Wie viele Kreuzchen darf man machen. Welche Bedeutung haben Erst- und Zweitstimme ? Damit haben sich die Schüler vor den Gang zur Urne beschäftigt.

Den Prozess als Wahlhelfer zu begleiten ist auch für Jonas und Frederick spannend, die sich nun vorstellen könnten, bei einer richtigen Wahl mitzuhelfen. Sie hatten sich im Vorfeld schulen lassen, um die Wahl in einem Team von rund 15 Mitschülern eigenständig durchführen zu können. „Ich bin gespannt, wie die Wahl ausgehen wird“, sagt Jonas, der sich nun auf die Auszählung freut. Er könnte sich gut vorstellen, dass bei der Juniorwahl SPD, CDU und Grüne vorne liegen. Erfahren wird es die Öffentlichkeit erst am Sonntag online: juniorwahl.de/nrw-2022.html.

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