Kreis

Gruppe ist ein Vorreiter der Frauenhilfe

„Frauen im Gespräch“ (v.l.): Ulrike Scharlenbach, Manuela Melzer, Inge Menn, Sigrid Harke, Margret Raiger und Katrin Weber.
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„Frauen im Gespräch“ (v.l.): Ulrike Scharlenbach, Manuela Melzer, Inge Menn, Sigrid Harke, Margret Raiger und Katrin Weber.

„Frauen im Gespräch“ feiert 50-jähriges Bestehen.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Es wehte noch ein völlig anderer Wind, als Ilse Fliege im Dezember 1972 im grünen Salon des Wartburghauses die Gründung des Kreises „Frauen im Gespräch“ anstieß. Fliege war die erste weibliche Presbyterin der Lutherischen Kirchengemeinde. Ein absolutes Novum. Frauen spielten nämlich auch noch zu jener Zeit eine eigentlich untergeordnete Rolle in einer von Männern dominierten Gesellschaft – vor allem aber in den traditionell patriarchalisch aufgebauten Gemeinden.

Rückblickend betrachtet, könnte der Kreis innerhalb der Gemeinde als stille Revolution betrachtet werden: Eine Gruppe von Frauen, meist junge Mütter mit Kindern, die sich regelmäßig in der Gemeinde trafen, um sich auszutauschen, Bibelarbeit zu betreiben, aber sich auch gesellschaftspolitisch zu emanzipieren. Durch Vorträge, Gesprächsrunden und einem lebendigen Austausch wurde in jener Zeit und über ein halbes Jahrhundert nun Frauenarbeit betrieben.

Zu jener Zeit gab es sonst kaum Angebote für Frauen

„Es gab einen großen Bedarf“, erinnert sich Katrin Weber (77), die seit mittlerweile 44 Jahren dem Kreis angehört. Zu jener Zeit gab es kaum Angebote für Frauen, schon gar nicht für junge Mütter. „Frauen im Gespräch“ war somit ein Vorreiter der modernen Frauenhilfe.

Sie boten bei ihren Nachmittagstreffen Kinderbetreuung an. Während die Kinder spielten, tauschten sich die Frauen aus, redeten „über Gott und die Welt“, sagt Weber. „Die Frauen werden bei uns durch Bildung und Diakonie ermutigt und gestärkt“, beschreibt das aktive Mitglied das Ziel des Kreises. Darüber hinaus beteiligte sich der Frauenkreis aktiv am Gemeindeleben, organisierte Flohmärkte, Gemeindefeste.

„Wir waren eine feste Größe in der Gemeinde“, sagt Weber. „Inzwischen sind wir alle etwas in die Jahre gekommen“, fügt sie schmunzelnd hinzu. „Wir sind alle miteinander alt geworden.“ Junge Frauen hätten mittlerweile ihre eigene Gruppe aufgebaut.

Und obgleich die physischen Kräfte bei den Mitgliedern der Ur-Gruppe schwinden mögen, aktiv sind die Damen weiterhin. Die Bedeutung des Kreises habe sich mit der Entwicklung der Gesellschaft verändert. „Mittlerweile gibt es viele Angebote für Frauen“, sagt Weber. Auch die Rolle der Frau habe sich in den vergangenen 50 Jahren gewandelt. Aus der klassischen Hausfrau sei ein Allroundtalent geworden, das sich immer häufiger nicht nur für die Familie aufopfert, sondern sich selbst in den Blick nimmt, die Karriere im Blick behält, um auch in der Partnerschaft unabhängig und erfolgreich zu bleiben. Im Kreis „kümmern wir uns weiter umeinander, begleiten und seelsorgerisch.“ Doch auch gesellschaftspolitische Themen kommen weiterhin bei ihnen auf den Tisch, meist schon lange, bevor es die breite Öffentlichkeit in den Blick nimmt. „Wir haben uns beispielsweise schon viele Jahre vorher theologisch und gesellschaftlich mit der Plastikproblematik auseinandergesetzt, ehe es in aller Munde war“, sagt Weber. Flohmärkte und Gemeindefeste organisieren die „Frauen im Gespräch“ mittlerweile nicht mehr so aktiv.

„Was uns weiter wichtig ist, ist die Weltgebetstagsarbeit in der Ökumene“, sagt Weber. Außerdem bleibe auch nach 50 Jahren des Bestehens das diakonische Engagement sehr wichtig: „Wir haben durch alle Jahre ein Patenkind bei der Kindernothilfe, dafür sammeln wir bei jedem Treffen Spenden. Und wir unterstützen auch andere Projekte wie zum Beispiel ‚Brot für die Welt‘, ‚Medica mondiale‘ oder die ‚Diakonie Katastrophenhilfe‘.“ Das Engagement von „Frauen im Gespräch“ bleibt also auch in Zukunft wichtig.

Hintergrund

1972 trafen sich vier junge Frauen im Dezember im damaligen „Grünen Salon“ des Wartburghauses: Initiatorin war Ilse Fliege unterstützt von Elisabeth Haßler, Oberin Gudrun Butte und Johanna Unkrig. Seitdem ist man immer im Gespräch geblieben, meist mittwochs im Paul-Gerhard-Haus.

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