Nicht mehr familiengeführt

Gira geht mit neuer Generation in die Zukunft

Im Gleichschritt immer nach vorne: Den Generationenwechsel bei der Firma Gira vollziehen Dominik Marte, Dirk Giersiepen und Sebastian Marz (v. l.) schon seit Ende 2019.
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Im Gleichschritt immer nach vorne: Den Generationenwechsel bei der Firma Gira vollziehen Dominik Marte, Dirk Giersiepen und Sebastian Marz (v. l.) schon seit Ende 2019.

Dominik Marte und Sebastian Marz treten die Nachfolge von Dirk Giersiepen an.

Von Joachim Rüttgen

Radevormwald. Nur noch sieben Wochen. Bis dahin hat Dirk Giersiepen sein Büro an der Dahlienstraße geräumt. Der 61-Jährige geht in den Ruhestand. Er will dann mit seiner Frau viel verreisen, sich um den Garten „und um das kümmern, was in all den Jahren liegengeblieben ist“, sagt er. Zum 30. Juni verabschiedet sich der geschäftsführende Gesellschafter aus dem operativen Geschäft des Herstellers von Design-Schalterprogrammen, Türsprechanlagen und innovativen Lösungen für die digital vernetzte Gebäudetechnik. Dann wird der Generationenwechsel beim größten Arbeitgeber der Stadt vollzogen. Erstmals in der 117-jährigen Geschichte des Unternehmens wird kein Eigentümer mehr in der Geschäftsführung sitzen. Gira bleibt Familienunternehmen, aber nicht mehr familiengeführt.

Der Stabwechsel war lange vorbereitet. Ende 2019 gab es erste Gespräche, Ende 2020 wurden die Mitarbeiter informiert. Mit Dominik Marte (43/Marketing und Vertrieb) und Sebastian Marz (39/kaufmännischer Bereich) rücken zwei Führungskräfte aus den eigenen Reihen nach. Geräuschlos und unaufgeregt hat es Giersiepen geschafft, seine Nachfolger zu positionieren. „Es ist ein Miteinander auf Augenhöhe“, sagt Marz. Marte ist seit vier Jahren im Unternehmen, Martz seit 21 Jahren. 2001 machte er die Ausbildung bei Gira.

Von 1300 Gira-Mitarbeitern arbeiten 1150 in Rade

Giersiepen, Fußballfan des 1. FC Köln und begeisterter Motorradfahrer, blickt seinem letzten offiziellen Tag im Unternehmen gelassen entgegen. „Noch bin ich ganz ruhig“, sagt er. Er habe aber ein sehr gutes Gefühl, wenn er an seine Nachfolger denkt. „Das sind zwei Menschen, die wir gut kennen“, sagt er. Er habe vor 31 Jahren „ein Schiff in voller Fahrt ohne Großbaustelle übernommen“ – und das übergebe er jetzt an die fünfte Generation. Giersiepen bleibt den jungen Nachfolgern als Ratgeber erhalten, nimmt als Beisitzer im Beirat viermal im Jahr an Sitzungen teil, wird aber kein Büro mehr bei Gira haben und auch nicht ständig im Unternehmen auftauchen. „Das ist ja auch unser Anspruch, dass er nicht ständig wieder reinkommen muss“, sagt Marz und schmunzelt. Die Atmosphäre ist gelöst und locker.

Der Verantwortung sind sich die neuen Geschäftsführer bewusst, immerhin sind sie ab Juli für 1300 Gira-Mitarbeiter, davon 1150 am Standort in Radevormwald, zuständig. Die Zeiten seien turbulent, sagt Marte. Aber weder Corona noch der Krieg in der Ukraine hätten Gira geschadet. Auch wenn Lieferketten derzeit instabiler seien und die Beschaffung von Material schwieriger und vor allem teurer werde, so habe die Baubranche nicht gelitten. „Wir hatten zwei gute Jahre 2020 und 2021“, sagt Marte, „da gab es eher zu viel als zu wenig zu tun.“

Auch das Elektrohandwerk, Hauptkundschaft von Gira, habe in der Pandemie weiterarbeiten dürfen. „Viele haben ihr Urlaubsbudget in schöne Dinge zuhause investiert“, sagt Giersiepen. Der Umsatz wuchs von 2019 bis 2021 um 30 Prozent. Mittlerweile hat sich auch das mobile Arbeiten daheim bei Gira durchgesetzt. Bis heute sind von 600 maximal 50 Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Homeoffice als Modell der Zukunft. „Das bleibt“, sagt Marz.

Seit Januar gibt es eine neue Betriebsvereinbarung, die diese flexiblen Arbeitsmöglichkeiten besonders berücksichtigt. „Als Arbeitgeber wird man so auch interessanter für ein größeres Umfeld“, sagt Marz. Trotzdem solle das Miteinander, das Familiäre, der Teamgeist erhalten bleiben.

Ab Juli wird sich bei Gira nicht viel verändern. „Wir müssen uns permanent weiterentwickeln, da sind Veränderungen an der Tagesordnung“, meint Marte. Ideen für die Zukunft gibt es. Gira wolle und müsse internationaler werden und dort stärker wachsen. Asien sei ganz sicher ein Zukunftsmarkt, aber auch in Europa wollen sich Marte und Marz deutlicher positionieren.

„Europa ist ein Riesenmarkt, hier wollen wir die Heimspiele gewinnen“, sagen beide. Während Gira in Deutschland, Holland und Österreich äußerst erfolgreich das Tagesgeschäft meistert, erfolgen in vielen anderen Ländern Projektgeschäfte auf Zeit wie in Hotels, Büros oder in edlen Wohnbezirken. „Da sind wir stark von der Konjunktur abhängig“, sagt Giersiepen. Seine Nachfolger werden schauen müssen, den Wachstumskurs weiter zu gestalten und fortzusetzen.

Wichtige Zukunftsthemen sind auch die Digitalisierung, die Vermarktung und der Fachkräftemangel, den auch Gira mittlerweile spürt. Aktuell gibt es 30 Stellenausschreibungen – so viele wie selten. Im IT-Bereich gebe es seit fünf Jahren kaum Bewerbungen mehr, sagt Marz. Gira hat deshalb ein eigenes Programm entwickelt und bildet sich jetzt seine eigenen IT-Fachkräfte aus.

Vorstand

Das Führungsteam bei Gira komplettieren die Geschäftsführer Christian Feltgen, der seit 2016 das Technologiemanagement und die Produktentwicklung verantwortet, sowie Steffen Zimmermann, der sei 2019 unter anderem für die Produktion und Logistik zuständig ist.
www.gira.de

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