Fachklinik

„Für uns steht die Selbsthilfe im Fokus“

Hüseyin Kum (Mitte) hat zum 1. März die Leitung der Fachklinik übernommen. Ihm zur Seite stehen Reha-Arzt Wolfgang Worms (l.) und Dr. Bernd Wessel, stellvertretender Klinikleiter.
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Hüseyin Kum (Mitte) hat zum 1. März die Leitung der Fachklinik übernommen. Ihm zur Seite stehen Reha-Arzt Wolfgang Worms (l.) und Dr. Bernd Wessel, stellvertretender Klinikleiter.

Mit Hüseyin Kum hat das Curt-von-Knobelsdorff-Haus einen neuen Klinikleiter.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Hüseyin Kum hat am 1. März die Leitung des Curt-von-Knobelsdorff-Hauses, der Fachklinik des Blauen Kreuzes, übernommen. „Zuvor war ich in der LWL-Klinik Hemer, auch Hans-Prinzhorn-Klinik genannt, Chefarzt im Bereich Suchtmedizin und Spezieller Psychiatrie“, sagt der Mediziner. Unter „Spezieller Psychiatrie“ verberge sich die forensische Station und das Justizvollzugskrankenhaus.

Hüseyin Kum studierte in Göttingen, arbeitete nach dem Studium zunächst zwei Jahre lang als Chirurg. „Dann kam ich mit der Geronto- und Neuropsychologischen Abteilung in Berührung, machte den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.“ Er schloss Weiterbildungen in Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie sowie in der Sucht- und Stressmedizin an. Seine Stationen führten ihn über Göttingen, Fröndenberg und Hemer nach Radevormwald. „Ich wollte mich weiterentwickeln und etwas ortsnaher arbeiten“, sagt Hüseyin Kum. Mit seiner Frau und dem Rauhaardackel wohnt er in Essen.

Über eine Kollegin erfuhr Hüseyin Kum von der vakanten Stelle im Curt-von-Knobelsdorff-Haus. Er freut sich über die neue Aufgabe, auch wenn die Rehabilitation für ihn noch ein wenig Neuland ist. „Doch mein Stellvertreter Dr. Bernd Wessel und Reha-Arzt Wolfgang Worms stehen mir Seite,“ sagt Kum. Bisher behandelte er Symptome. Die Heilung stand im Vordergrund. Bei Rehabilitation stehe eine andere Denkweise im Fokus. „Sie konzentriert sich auf das Ziel, wie der Patient von der Sucht langfristig wegkommt.“

Wir bestimmen nicht über den Menschen, sondern wollen sie unterstützen, ein Leben ohne die Sucht zu führen.

Hüseyin Kum

70 Plätze bietet die Fachklinik an der Hermannstraße. 40 Betten für die stationäre Rehabilitation für Männer, 6 Plätze in der ambulanten Rehabilitation für Männer und 14 Betten in der Stationären Motivierung für Frauen und Männer. Das Curt-von-Knobelsdorff-Haus ist eine von zwei Kliniken deutschlandweit, die eine Stationäre Motivierung anbieten. Für den neuen Chefarzt und Klinikleiter Hüseyin Kum ist dies eine ganz wichtiges Angebot. „Nach der körperlichen Entgiftung stellen sich die Patienten die Frage: Wie soll es weitergehen? Hier setzen wir an.“ Für bis zu drei Wochen werden die Patienten und Patientinnen aufgenommen. „Wir helfen ihnen, sich darüber klar zu werden, ob sie in eine weitere Behandlung gehen möchten. Wenn der Wunsch nach einer Langzeitentwöhnungsmaßnahme da ist, helfen wir, dass sich diese nahtlos anschließt“, erklärt der Klinikleiter.

In die Fachklinik des Blauen Kreuzes kommen Menschen mit Alkohol-, Medikamenten- und Spielsucht. In der Rehabilitation bleiben sie bis zu 16 Wochen. „Alte Gewohnheiten sind nicht leicht abzulegen“, sagt Dr. Bernd Wessel. „Um von der Sucht langfristig wegzukommen, müssen neue Verhaltensweisen erlernt werden.“

Der Tagesablauf in der Klinik ist strukturiert – und wird begleitet von Einzel- und Gruppentherapien, Ergo- und Arbeitstherapien und Sportstunden. Ein eigener Bogenschießplatz im Garten steht sogar zur Verfügung.

„Für uns steht die Selbsthilfe im Fokus. Wir bestimmen nicht über den Menschen, sondern wollen sie unterstützen, ein Leben ohne die Sucht zu führen“, erläutert Hüseyin Kum. Regelmäßig gibt es auch familientherapeutische Seminare für die Reha-Patienten. „Denn bei einer Suchterkrankung sind immer auch die Angehörigen mit betroffen“, erklärt Dr. Wessel. Die Fachklinik kooperiert außerdem mit Unternehmen, wo Patienten Praktika absolvieren können.

Das Haus ist gut ausgelastet. Die Patienten melden sich selbst, „Viele haben durch Mund-zu-Mund-Propaganda von uns gehört“, sagt Klinikleiter Kum. Es gelten noch einige wenige Corona-Maßnahmen – wie die Maskenpflicht im Haus und ein PCR-Test bei Aufnahme.

Erlaubt ist auch das Mitbringen eines Hundes. Dafür gibt es extra ein Tierhegebereich im Gartengelände. Denn der Hund, bei manchen noch der einzige Gefährte, sollte kein Hinderungsgrund zur Aufnahme der Reha sein, erklären Hüseyin Kum und Dr. Wessel. Zum Schluss verrät der neue Klinikleiter noch, dass er in seiner Freizeit ein großer Cineast und Lesefan sei.

Hintergrund

Jahrestreff: Der Jahrestreff der Ehemaligen findet in diesem Jahr – nach zwei Jahren Corona-Pause – wieder statt. Das Fest am 13. August rund ums Curt-von-Knobelsdorff-Haus an der Hermannstraße beginnt um 14 Uhr.

Historie: 1964 begann die Sucht-Fachklinik mit ihrer Arbeit. 1998 kam die „Stationäre Motivierung für eine Suchtbehandlung“ hinzu. Es sind Kassen- und Privatpatienten willkommen.

Erfolg: Mehr als dreiviertel der Reha-Patienten arbeiten nach der Maßnahme wieder.

www.blaues-kreuz.de

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