Fünf Kirchengemeinden werden eine Einheit

Die Pfarrkirche St. Marien in Radevormwald, von der Hohenfuhrstraße ausgesehen. Sie wäre die nördlichste Pfarrkirche der neuen pastoralen Einheit.
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Die Pfarrkirche St. Marien in Radevormwald, von der Hohenfuhrstraße ausgesehen. Sie wäre die nördlichste Pfarrkirche der neuen pastoralen Einheit.

Die katholischen Gemeinden in Radevormwald, Hückeswagen, Wipperfürth, Lindlar und Marienheide schließen sich zusammen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald. Man kann der römisch-katholischen Kirche eine gewisse Entwicklungsbehäbigkeit attestieren. Schließlich blickt sie auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück. Da mag man es einen Quantensprung nennen, was gerade im Erzbistum Köln vor sich geht. Immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken. Damit einher geht die Notwendigkeit, sich neu zu organisieren, um weiter geistliches Leben in den Gemeinden zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang haben sich die Christen im oberbergischen Norden zusammengesetzt. Das Ergebnis birgt Potenzial.

Immer weniger Gläubige sind in der Kirche – rund 32200 sind es noch im Nordkreis –, die Folge ist, dass die einzelnen Gemeinden zu klein werden, um alleine weiter bestehen zu können.

Hierzu hat es im Nordkreis unterschiedliche Überlegungen gegeben. „Eine war etwa, dass Radevormwald mit Remscheid und Marienheide mit Oberberg Mitte eine pastorale Einheit bilden könnte. Aber letztlich sind die Katholiken hier zu einer anderen Lösung gekommen“, sagt Diakon Burkhard Wittwer. Diese sieht vor, dass die Gemeinden Marienheide, Rade-Hückeswagen, Wipperfürth und Lindlar zu einer pastoralen Einheit zusammengeführt werden.

„Mir ist besonders wichtig, dass die Entscheidung vor allem von engagierten Laien in vielen Gesprächen gefallen ist – einstimmig“, sagt Wittwer. Der Prozess sei nicht übers Knie gebrochen worden. „Nach einem Auftakttreffen, das von Kreisdechant Christoph Bersch und dem Kreiskatholikenrat initiiert wurde, gab es Einzeltreffen“, sagt Wittwer. Ihn freue besonders die Einmütigkeit in der Entscheidung. Der Vorschlag sei nun ins Erzbistum gegangen, die Zustimmung von Rainer Maria Woelki gilt als sicher. „Der Erzbischof hat sein Wort gegeben, dass er den Vorschlägen aus den Gemeinden zustimmen wird, solange die vorher festgelegten Kriterien erfüllt wären – hier vor allem, dass nicht zu viele pastorale Einheiten entstehen“, sagt Wittwer.

Das ausgegebene Ziel ist, von derzeit 180 Gemeinden auf 64 zu kommen. „Wir rechnen mit der Rückmeldung aus Köln bis zum Advent“, sagt Wittwer. Er sieht den Schritt als große Chance – vor allem für engagierte Christen in den Gemeinden vor Ort. „Hier kann sich in pastoraler Hinsicht sehr viel entwickeln. Es ist nicht mehr so, dass in den Gemeinden aus Köln vorgegeben wird, was umzusetzen ist“, sagt der Diakon. Es sei eine Möglichkeit, sich in der Kirche zu engagieren.

Gesteuert werden soll die pastorale Einheit „Oberberg Nord“, so der Arbeitstitel, nach Wittwers Vorstellung durch ein pastorales Leitungsteam aus Hauptamtlichen. „Lokal gibt es dann Gemeindeteams aus ehrenamtlichen Frauen und Männern. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass die Gemeindeteams nicht alleine gelassen werden – ganz im Gegenteil. Wir Hauptamtlichen unterstützen sie, und es wird zudem ein Budget für jedes Gemeindeteam geben“, sagt der Diakon. Damit einhergehen wird auch die Möglichkeit, die in anderen Bistümern bereits gang und gäbe ist, dass Laien Wortgottesdienste mit Kommunionsausteilung feiern können – auch am Sonntag. Diese Form der Beteiligung ist einer Art der Machtabgabe des Erzbistums – und eine an sich wunderbare Sache. Die Gläubigen werden gehört, bekommen Einfluss, es gilt nicht länger das Prinzip: „die da oben, wir hier unten“, das schon lange kritisiert wird. Allerdings ist das Gelingen abhängig von Menschen in den Gemeinden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Sicherlich keine absolut unrealistische Sache, aber auch nicht unbedingt ein Selbstläufer.

Dennoch sieht Wittwer in der „Demut der Kirche, einen Schritt zurück zu machen“, eine große Chance. Für den Diakon ist klar: „Eine Hand voll engagierter Christen kann unheimlich viel bewirken. Für die Gemeinden, für das Gemeindeleben und das geistliche Leben. Wenige können hier viel schaffen.“ Natürlich sei ihm bewusst, dass es nun daran gehen muss, die Menschen in den Gemeinden zu aktivieren. „Alles hängt vom Engagement der Gläubigen ab. Und natürlich ist es so, dass die Kirche tot ist, wenn die Gläubigen nicht mehr da sind“, sagt Wittwer.

Im Noch-Seelsorgebereich Radevormwald-Hückeswagen will man direkt in die Planung einsteigen. „Im neuen Jahr wird es einen geistlichen Tag geben, der sich direkt an die Menschen richtet“, sagt der Diakon. Bereits im November wollen sich die hauptamtlichen Kräfte aus dem Nordkreis zusammensetzen, um erste Perspektiven zu entwickeln.

Beschluss

„Der Seelsorgebereich Radevormwald-Hückeswagen beabsichtigt mit der Kirchengemeinde St. Nikolaus Wipperfürth, dem Seelsorgebereich Marienheide und dem Seelsorgebereich Lindlar eine pastorale Einheit zu gründen. Der Erzbischof von Köln wird darum gebeten, diesem Beschluss zuzustimmen und das Notwendige zur Umsetzung dieses Beschlusses in die Wege zu leiten.“

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