Nach Corona-Pause

Schützenfest: Freude über das Comeback ist getrübt

Bei optimalen Bedingungen zogen die Schützen durch die Radevormwalder Innenstadt.
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Bei optimalen Bedingungen zogen die Schützen durch die Radevormwalder Innenstadt.

Radevormwalder Schützen erleben ein besonderes Schützen- und Heimatfest.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Nach zweijähriger Abstinenz zogen am Sonntag wieder die Radevormwalder Schützen mit befreundeten Schützenbruderschaften aus dem Umkreis und samt musikalischer Begleitung durch die Innenstadt zum buchstäblich krönenden Abschluss des mehrtägigen Festaktes – der Krönung der neuen Majestät im Bürgerhaus.

Links und rechts der Straßen schauten die Menschen bei strahlendem Sonnenschein freudig den uniformierten Schützen bei ihrem Marsch zu, diese winkten eifrig zurück.

Werner Grimm führt seit mehr als zehn Jahren den Schützenumzug als Kommandeur an. „Das ist immer ein tolles Gefühl, vorne wegzugehen und hinter einem ein ganzes Musikkorps im Rücken zu haben. Darüber bin ich jedes Mal sehr froh und dankbar.“ Dennoch war es in diesem Jahr auch für den erfahrenen Schützen und Kommandeur ein besonderes Ereignis – und das sogar in mehrfacher Hinsicht.

Zum einen war es der erste Umzug nach zwei Jahren und jeder Menge Arbeit in den vergangenen Wochen und Monaten. „Als wir wussten, dass wieder etwas möglich ist, haben wir Gott und die Welt mobilisiert, um das Schützen- und Heimatfest in diesem Jahr ausrichten zu können, um alle Vereinsmitglieder bei der Stange zu halten und zu schauen, dass alle wieder mit dabei sind.“ Das sei nicht ganz einfach gewesen. Bei der Anzahl der Schausteller etwa gibt sich Grimm kritisch: „Wenn man ehrlich ist, war da doch die eine oder andere Lücke. Aber kein Wunder. Die Schausteller haben unter der Pandemie sehr gelitten. Und wer woanders einen Job gefunden hat, der ist nicht mehr in seinen alten Beruf zurückgekehrt.“

Grundsätzlich sei er, wie auch seine Schützenbrüder, mit der Resonanz des Festes aber sehr zufrieden. „Trotz allem hat es ganz gut geklappt. Wir hatten optimale Wetterbedingungen. Die Leute haben das Fest gut angenommen. Und es war schön, wieder so viele Menschen auf der Kirmes zu sehen, und außerhalb des Schützenvereins zu treffen.“

Zum anderen aber war dieser Umzug auch auf persönlicher Ebene etwas Besonderes für Grimm, denn nach einer nunmehr 26-jährigen Mitgliedschaft im Schützenverein schoss der 60-Jährige erstmals beim Königsschießen den Vogel ab und kürte sich somit zum neuen Schützenkönig.

Im kommenden Jahr wird Grimm also als amtierender König nebst Gattin im hinteren Teil des Festumzuges mitlaufen –  nicht mehr vorneweg. Dabei stand seine Teilnahme am Fest und beim Schießen bis zur letzten Sekunde auf der Kippe, verrät der neue König. Eine Woche vor den großen Feierlichkeiten wurde Grimm, der vierfach geimpft ist, fälschlicherweise positiv auf das Coronavirus getestet.

Zwei PCR-Tests waren nötig, um vergangenen Freitag aus der Quarantäne entlassen zu werden. „Beim Schaustellerschießen am Donnerstag konnte ich deswegen nicht mitmachen“, erzählt er. Deswegen war es auch für ihn eine große Überraschung, als beim 39. Schuss der Vogel zu Boden fiel.

Übergriffe und Selbstjustiz trübten die Stimmung

Doch die große Freude über das Comeback des Radevormwalder Schützen- und Heimatfestes sowie des Königstitels, sagt Werner Grimm, werde von den sexuellen Übergriffen auf der Kirmes überschattet. „Natürlich trüben solche Nachrichten die Stimmung“, sagt Grimm, der die Übergriffe verurteilt, ebenso aber auch die Selbstjustiz.

Schnell werden nach solchen Ereignissen auch die Rufe nach mehr Sicherheitspersonal laut, doch inwiefern mehr Personal solche Übergriffe tatsächlich verhindern könnten, sei doch fraglich, findet jedenfalls Grimm. Für die nächste Schützenkirmes im kommenden Jahr werde das Thema aber sicherlich erneut intensiv von den Schützen diskutiert werden.

Hintergrund

Nach der pandemiebedingten verlängerten Amtszeit von Alt-König Uwe Altgeld hat Werner Grimm die Nachfolge übernommen. Beim Königsschießen mit 15 Kandidaten (elf Männer, vier Frauen) brachte Grimm beim 39. Schuss den Vogel zu Fall. Auch die Fenderorden fielen. Der Apfel ging nach dem 48. Schuss an Luca Wuttka, das Zepter nach 112 Schüssen an Carsten Stoffel. Schützenprinz wurde Jakob Riedl.

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