Energiekrise

Stromausfall: Experten halten Panik für unangebracht

Kerzen sollte jeder für den Fall eines Stromausfalls im Haus haben. Bei einem längeren Blackout drohen aber mehr Probleme als ein dunkles Zimmer.
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Kerzen sollte jeder für den Fall eines Stromausfalls im Haus haben. Bei einem längeren Blackout drohen aber mehr Probleme als ein dunkles Zimmer.

Auf Kreisebene beriet die Politik über Notfallvorsorge im Falle eines größeren Stromausfalls.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Viele Menschen auch in Radevormwald gehen mit Sorgen in die kalte Jahreszeit: Wird Deutschland es schaffen, die Energiekrise zu bewältigen? Und was, wenn es zu Stromausfällen, gar zu einem flächendeckenden Blackout kommt? CSU-Chef Markus Söder hat das Thema in den vergangen Tagen wieder auf die Agenda gesetzt. Er wirft der Ampel-Regierung vor, zu wenig Vorsorge zu treffen.

Warnende Stimmen verweisen auf die enge Verflechtung der europäischen Stromsysteme, bei denen es zu Kettenreaktionen kommen könne. Anfang 2021 trat in Kroatien an einer Umspannstation ein schwerwiegender Fehler auf, kurze Zeit später wurden in Italien und Frankreich große Industrieanlagen vom Netz getrennt, um ein Blackout zu verhindern.

Um dieses Thema ging es nun im Kreisausschuss für Gesundheit und Notfallvorsorge. Die SPD-Kreistagsfraktion hatte die Verwaltung in Gummersbach gebeten, Auskunft zu geben, wie gut man in der Region auf ein solches Szenario vorbereitet ist.

Christoph Schlüter aus Radevormwald nahm als Kreistagsmitglied der CDU an der Sitzung teil. Kreisdirektor Klaus Grootens machte darin klar, dass man im Kreishaus das Problem ernst nehme. „Es gibt inzwischen sechs Arbeitskreise, die sich damit beschäftigen“, berichtet Schlüter. Doch wie groß ist tatsächlich die Gefahr eines großen, lang andauernden Stromausfalls? Laut Grootens eher unwahrscheinlich – aber nicht völlig unmöglich.

„Es gab bereits vor einiger Zeit einen ministeriellen Sensibilisierungerlass zur Vorsorge bei der kritischen Infrastruktur“, sagt Christoph Schlüter. Dabei wurden unter anderem Krankenhäuser und Seniorenheime angeschrieben.

Das Risiko eines flächendeckenden Blackouts hat sich durch die aktuelle Lage nicht signifikant erhöht.

Florian Weiskirch, Stadtwerke

„Sollte es zu mehrtägigen Stromausfällen in der kalten Jahreszeit kommen, sind eventuelle Evakuierungsmaßnahmen erforderlich“, stellt die SPD-Kreistagsfraktion in ihrer Anfrage fest und möchte wissen, wie es mit Notfallplätzen aussieht. Grootens habe mitgeteilt, es gebe verschiedene Gebäude, die dazu bereitstünden, außerdem sei der Kreis in der Lage, rasch eine Zeltstadt zu errichten, um 500 Personen zu versorgen.

Bei einer solchen Ausnahmelage ist die Kommunikation der Rettungsleitstellen und Kreisbehörden wesentlich. Christoph Schlüter, selber Berufsfeuerwehrmann, weiß: „Es gibt für solche Notlagen die Möglichkeit, für mehrere Stunden einen Funkverkehr trotz Stromausfall weiter zu betreiben.“ Die dabei verwendeten Akkus seien allerdings auch irgendwann leer.

Florian Weiskirch, der Geschäftsführer der Stadtwerke Radevormwald (SWR.) nimmt das Thema ebenfalls ernst, hält es aber für übertrieben, vor dem Winter nun in Panik zu verfallen. Seine persönliche Einschätzung: „Die Situation ist zwar angespannt, aber das Risiko eines flächendeckenden Blackouts hat sich durch die aktuelle Lage nicht signifikant erhöht.“

Wenn es tatsächlich zu Stromausfällen kommen könne, rechnet Weiskirch mit temporären und lokal begrenzten Ausfällen. Dennoch sei man von Seite der Stadtwerke im steten Austausch mit der Stadt über mögliche Risiko-Szenarien. Denn an einer stabilen Stromversorgung hängt nicht nur die Lampe in der Wohnung. Mancher Autofahrer wird sein Fahrzeug nicht mehr aus der Garage bekommen, und auch die Wasserversorgung hängt teilweise an Pumpen, die mit Strom versorgt werden. Radevormwald erhält Trinkwasser aus der Dhünn-Talsperre, dieses wird bergauf zum Wasserbehälter in Wintershaus gepumpt, dem höchsten Punkt der Stadt.

Checkliste

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine Checkliste erstellt, in der ausgelistet wird, was ein Haushalt vorhalten soll, um für einen längeren Blackout gerüstet zu sein. Ein ausreichender Vorrat an Getränken und haltbare Lebensmittel stehen an erster Stelle, am besten für zehn Tage. Die Liste gibt es hier.

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