Nachhaltig

„Es gäbe noch Raum für Windräder“

Diese Windräder stehen auf Radevormwalder Gebiet bei Feldmannshaus. Denkbar, dass weitere Anlagen hinzukommen.
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Diese Windräder stehen auf Radevormwalder Gebiet bei Feldmannshaus. Denkbar, dass weitere Anlagen hinzukommen.

Landesregierung will Ausbau der Windkraft forcieren; wie ist die Lage in Radevormwald?

Von Stefan Gilsbach

Ein Vorhaben der neuen schwarz-grünen Landesregierung ist die Förderung der Windkraft. 1000 neue Windräder sollen in NRW gebaut werden, das Land soll führend beim Klimaschutz werden. Um das möglich zu machen, sollen neue gesetzliche Regelungen her. Der pauschale Mindestabstand soll fallen, auch wird es künftig möglich sein, auf Waldflächen mit abgestorbenen Bäumen („Kalamitätsflächen“) und in Industrie- und Gewerbegebieten neue Anlagen zu errichten. Alleine mit den Kalamitätsflächen würden schätzungsweise 130.000 Hektar Land für den Bau von Windrädern frei werden.

Was das für eine Stadt wie Radevormwald bedeutet, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen. Allerdings wird die Stadtverwaltung beim Bau von Windkraftanlagen in Zukunft vermutlich wenig mitzureden haben. Denn ein wesentlicher Punkt der Pläne ist es, die Verfahren aus den Händen der Kommunen zu nehmen und den Bezirksregierungen zu übertragen.

Bislang wurden Flächen von der Stadt ausgewiesen

Burkhard Klein, Leiter des Bauverwaltungsamtes in Rade, räumt ein, dass dies eine neue Situation schaffen könnte. Bislang freilich ist die Zahl der Windräder in der Bergstadt überschaubar – derzeit sind es sechs. Und konkrete Pläne für neue Anlagen gibt es derzeit nicht – zumindest nicht auf Radevormwalder Grund und Boden. Allerdings plant die Stadt Halver einen Windpark an der Grenze.

Bislang können Politik und Verwaltung die Verteilung von Windrädern im Stadtgebiet steuern. „Dafür werden so genannte Konzentrationsflächen ausgewiesen“, erläutert Klein. In Radevormwald wurden diese bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten festgezurrt. Feldmannshaus sowie Wönkhausen/Filderheide sind diese Zonen, beide in Außenbereichen mit vergleichsweise wenig Anwohnern, die sich gestört fühlten könnten.

Denn bei aller Umweltfreundlichkeit bleiben Windräder in der Nachbarschaft nicht eben beliebt. Rotorengeräusche und Schlagschatten malträtieren die Nerven mancher Anwohner.

Beim Stichwort „Kalamitätsflächen“ werden viele Radevormwalder an die stark beschädigten Waldflächen im Stadtgebiet denken, etwa im Wiebachtal. „Allerdings ist das Wiebachtal ein Naturschutzgebiet“, gibt Bernd Bornwasser, Ratsmitglied der Fraktion von Bündnis 90/Grüne zu bedenken.

Auf der Liste möglicher Standorte wäre dieser Bereich wohl kaum weit oben. „Ich könnte mir eher vorstellen, dass weitere Windräder an der Grenze zu Hückeswagen, im Bereich Vormwald entstehen könnten, zumal ja Abstandsregeln wegfallen sollen.“ Auch in der Konzentrationsfläche Feldmannshaus könnte man dann  theoretisch weitere Windräder aufstellen. Bornewasser gibt zu, dass er persönlich bei dem Thema zwiegespalten ist. Als Grünen-Politiker hält er die Förderung der erneuerbaren Energie für eine gute Sache, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise und der Abhängigkeit von russischer Energie.

Zwei Prozent der Landesfläche sollen bereit gestellt werden

„Als Naturschützer sehe ich allerdings die Probleme des Flächenverbrauchs und des Schutzes von Vögeln und anderen Tieren“, räumt das Mitglied des Bergischen Naturschutzvereins ein.

Dennoch wäre der Ratsherr nicht dagegen, wenn in Rade noch einige Windkraftanlagen entstehen würden. „Wenn man die Zwei-Prozent-Regel anwendet, dann gäbe es in unserem Stadtgebiet noch Raum für neue Anlagen“, meint Bornewasser. Zwei Prozent der Landesfläche, so die offizielle Linie, sollen für Windkraft bereit gestellt werden.

In der Radevormwalder Grünen-Fraktion habe man über eine Position zu diesem Thema unter den neuen Bedingungen allerdings noch nicht gesprochen.

Hintergrund

Die Nachbarstadt Halver plant einen Windpark auf dem Gebiet des ehemaligen Munitionsdepots, unmittelbar an der Grenze zu Radevormwald. Geplant ist vor Ort eine Windkraftanlage mit fünf Megawatt-Leistung. Laut Medienberichten soll eine Projektgesellschaft gegründet werden, an der die Stadt Halver und das Unternehmen Mark-E jeweils 50 Prozent Anteile halten werden.

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