Volkstrauertag

Erinnerung zeigt Respekt vor den Toten

Der stellvertretende Bürgermeister Gerd Uellenberg gedachte in der Aula der Grundschule auf der Brede der Toten von Kriegen und Gewaltherrschaft.
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Der stellvertretende Bürgermeister Gerd Uellenberg gedachte in der Aula der Grundschule auf der Brede der Toten von Kriegen und Gewaltherrschaft.

Gedenkstunde zum Volkstrauertag in der Aula der Grundschule auf der Brede.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Vertreter und Vertreterinnen von Stadt, Politik, Schützenvereinen und Feuerwehr kamen mit Bürgern und Bürgerinnen zum Volkstrauertag zusammen – in diesem Jahr fand die Gedenkstunde Jahr in der Aula der Grundschule auf der Brede statt. Nach zwei Jahren Corona war es wieder möglich, die Veranstaltung im Innenraum und öffentlich durchzuführen. Nicht weit vom Schulstandort befindet sich mitten im Wald das Ehrendenkmal, das an die Gefallenen der Weltkriege erinnert.

„Ist der Volkstrauertag noch wichtig?“ Diese Frage stellte am Morgen der stellvertretende Bürgermeister Gerd Uellenberg. Viele Menschen könnten mit diesem Gedenktag nichts mehr anfangen, fragen: „Muss das noch sein?“. Gerd Uellenberg gab eine eindeutige Antwort: „Ja“. Besonders in diesem Jahr, im Angesicht des Ukrainekrieges, bekomme der Volkstrauertag eine noch stärkere Bedeutung. „Wir verstehen die Erinnerung als Mahnung und zeigen Respekt vor den Toten“, sagte Uellenberg.

Spontane Kundgebungenfür Frieden

Er erzählte von Kriegserlebnissen aus der Familie: Großvater und Vater waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. „Mein Großvater wurde in einem Keller festgehalten, sah nur selten das Tageslicht, hatte zu wenig zu Essen und zu Trinken.“ Sein Vater buddelte in die Erde Löcher, um der Kälte zu entfliehen. In den letzten Kriegstagen gab es auch in Radevormwald Plünderungen.

Pastor Dr. Dieter Jeschke hielt die Andacht.

Uellenberg hob hervor, dass es ihm mit seinen Schilderungen darum ging, „über Generationen hinaus anschaulich zu machen, was Krieg anrichtet“. Er mahnte an: „Demokratie kann Frieden und Freiheit nicht von sich selbst aus tragen, wenn wir uns nicht dafür einsetzen.“

In Radevormwald werde etwas getan. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, gab es eine spontane Kundgebung für Frieden auf dem Marktplatz – von Bürgern und Bürgerinnen, Politik und Stadt. „Als die ersten Flüchtlinge kamen, standen wir alle hinter der Kreiselbeflaggung – und hissten Fahnen in den ukrainischen Farben.“ Toleranz und Offenheit, das stehe auch hinter den Willkommensschildern, die die Stadt an den Stadteingängen aufstellte. „Zweimal schon wurden diese Schilder bekanntlich beschädigt, wir lassen uns nicht davon abhalten, sie wieder aufzustellen“, bekräftige Gerd Uellenberg in der Feierstunde. Darüber hinaus werde es jetzt in Rade ein „Bündnis für Demokratie“ geben, das sich gegen Krieg und Ungerechtigkeit wende – und für Toleranz, Solidarität und Hilfsbereitschaft stehe und sich klar gegen Extremismus positioniert.

Beim anschließenden Totengedenken vor dem Kranz gedachten die Anwesenden aller Opfern von Gewalt und Krieg. Gerd Uellenberg schloss in seiner Ansprache die Soldaten beider Weltkriege mit ein, wie auch alle Menschen, die heute durch Kriegshandlungen, in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Auch diejenigen wurden mit eingeschlossen, „die durch Rassismus oder weil sie einer Minderheit angehören sterben mussten“. Und weiter: „Wir denken an diejenigen, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewalt leisteten und an ihrer Überzeugung und an ihrem Glauben festhielten.“

Gerd Uellenberg fand auch hoffnungsvolle Worte. „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern“, hob er in der Aula hervor. Er unterstrich: „Jeder und jede hat die Verantwortung, sich für den Frieden einzusetzen.“ Die Gedenkveranstaltung wurde begleitet von musikalischen Beiträgen des Posaunenchors Remlingrade. Die Bläser stimmten das „Bleib bei mir Herr“ und „Ich bete an die Macht der Liebe“ an. Die Andacht hielt Pastor Dr. Dieter Jeschke, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde.

Volkstrauertag

Ursprünglich als Gedenktag für die Toten des Ersten Weltkriegs ins Leben gerufen, ist der Volkstrauertag heute ein Gedenktag für alle Kriegsopfer und Unterdrückten. Als stiller Feiertag genießt er besonderen gesetzlichen Schutz. In der Nazi-Zeit wurde er zur Heldenverehrung missbraucht.

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